Bayern 1 - Experten-Tipps


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Öko-Logisch oder Unlogisch Gehören Altmedikamente in den Restmüll?

Arzt aufgesucht, Medizin geholt und im besten Fall ist man wieder gesund. Wohin aber mit alten Arzneien oder angefangenen Tablettenpackungen? Zur Apotheke, in den Müll oder ab in die Toilette? Der Umweltkommissar weiß Bescheid.

Von: Alexander Dallmus

Stand: 29.01.2015

Illustration: Der Umweltkommissar überlegt, wo er seine alten Medikamente entsorgen soll | Bild: BR/Alexander Stahl

Der erste Eindruck

Immer mehr Rückstände von Medikamenten tauchen in Gewässern auf, aus denen Trinkwasser gewonnen wird. Denn auch moderne Kläranlagen, die das Abwasser reinigen, haben Grenzen. Jedes Medikament, das nicht ins Abwasser gelangt, entlastet deshalb auch Bäche, Stauseen und Flüsse. Kostspielige Aufbereitungsverfahren sind nötig, um Grund- oder Flusswasser in den Wasserwerken zu reinigen und zu Trinkwasser aufzubereiten. Trotzdem "rutschen" viele Arzneimittel dabei durch.

Medikamente in den Abfluss zu entsorgen schadet der Umwelt

Dass Medikamentenrückstände ins Abwasser gelangen, passiert einmal schon allein dadurch, dass wir Medikamente einnehmen und - weil sie im Körper nicht vollständig abbaut werden - auch wieder teilweise ausscheiden. Eine Umfrage des Instituts für sozial-ökologische Forschung (ISOE) in Frankfurt hat im Auftrag des Bundes-Forschungsministeriums 2014 aber auch gezeigt, dass knapp die Hälfte der Deutschen (47 Prozent) vor allem flüssige Medikamentenreste falsch entsorgen: nämlich im Spülbecken oder in der Toilette!

Angesichts der Tatsache, dass die Deutschen pro Jahr mehr als 300 Milliarden Euro für die Gesundheit ausgeben und ein großer Teil davon auf Medikamente entfällt, kommt da schon einiges zusammen.

Apotheken müssen Alt-Medikamente nicht annehmen

Bis 2009 war die Entsorgung noch anders geregelt. Die Verbraucher konnten ihre abgelaufenen Medikamente samt Verpackung in der Apotheke abgeben und dort haben Recycling-Unternehmen den Müll dann kostenlos abgeholt. Mit der Novellierung der Verpackungsverordnung hat sich das jedoch geändert. Die Apotheker müssen für die Entsorgung zahlen und sind auch nicht zur Annahme verpflichtet. Deshalb nimmt laut bayerischem Apothekerverband rund ein Viertel der Apotheken die alten Medikamente nicht mehr an.

Viele Apotheken nehmen noch Alt-Medikamente an - sie sind aber nicht mehr dazu verpflichtet

Die meisten Medikamente gelten auch nicht als Sonder- oder Gewerbemüll, sondern werden als ganz normaler "Siedlungsabfall" betrachtet, der in die Hausmülltonne gehört. "Die Siedlungsabfälle der Kommune werden ohne Vorbehandlung zu einer Müllverbrennungsanlage gebracht", ist im Abfallratgeber des Bayerischen Landesamtes für Abfall nachzulesen. Der Restmüll wird heutzutage nicht mehr auf Deponien gelagert, sondern verbrannt. Im Sinne des Gesetzgebers ist dadurch auch die vollständige Zerstörung der Wirkstoffe gewährleistet.

Komisches Gefühl beim Verbraucher

Trotz der eigentlich eindeutigen Rechtslage sorgt die Entsorgung von Medikamenten aber immer wieder für Diskussionen. Wie die Umfrage des Instituts für sozial-ökologische Forschung (ISOE) gezeigt hat, tun sich viele Deutsche damit schwer, ihre Tabletten, Zäpfchen oder Tropfen einfach in den Hausmüll zu geben: "Nur 15 Prozent der VerbraucherInnen entsorgen ihre Medikamente immer richtig", heißt es im Bericht.

Medikamente sorgen auch indirekt - durch die Ausscheidung über den Körper - für negative Auswirkungen im Abwasser

Dabei ist die Entsorgung in der Spüle oder Toilette wesentlich problematischer. Wie gesagt, wir scheiden sowieso schon genügend Wirkstoffe wieder aus. Deshalb ist es auch kein Wunder, dass Hormonreste der "Antibaby-Pille" nachweislich zur Verweiblichung männlicher Fische geführt haben. Oder das schmerzstillende Mittel Diclofenac, das zu Nierenschäden bei Fischen geführt hat. Sogar Verhaltensänderungen durch Psychopharmaka sind bereits beobachtet worden.

Ausnahmen laut Abfallratgeber

  • Gefährliche zytotoxische und zytostatische Abfälle (sind im Wesentlichen in medizinischen Einrichtungen zu finden), die in Einzelfällen in Form von Tabletten zu Hause eingenommen oder für die ambulante Behandlung aus der Apotheke geholt werden, gehören nicht in den Hausmüll.
  • Ebenso, wenn auf den Verpackungen oder der Packungsbeilage "Zytostatikum", "Krebs- bzw. Chemotherapie" oder ein ähnlich lautender Hinweis zu finden ist.
  • Dazu gehören auch Virustatika und Hormonpräparate. Dabei ist der Hinweis des Herstellers in der Gebrauchsinformation des Arzneimittels zur Aufbewahrung und Entsorgung ausschlaggebend. Im Zweifel können Apotheker, Ärzte oder der Tierarzt weiterhelfen.
  • Impfstoffe gehören ebenfalls zu den Arzneimitteln, die nicht über den Hausmüll entsorgt werden sollten. Bei ihnen kann es sich vor allem wegen einer potenziellen Infektionsgefahr um gefährlichen Abfall handeln.

Fazit:

Grundsätzlich gehören die meisten Medikamente in die Restmülltonne. Das ist gesetzlich so geregelt und grundsätzlich auch kein Problem, denn die Wirkstoffe der Medikamente verlieren bei der Verbrennung ihre ökologische Schädlichkeit. Das gilt auch für angebrochene Glas-Fläschchen - die sind nämlich aus  anderem Glas als herkömmliche Flaschen.
Leere Pillen-Blister-Verpackungen gehören in den gelben Sack und leere Pappschachteln zum Altpapier. Arzneimittel über die Toilette oder das Spülbecken zu entsorgen geht gar nicht und ist schädlich für die Umwelt. Viele Wirkstoffe können auch in Kläranlagen nicht herausgefiltert werden und gelangen so in den Wasserkreislauf. Wer trotzdem kein gutes Gefühl dabei hat, kann seine Altmedikamente auch in Apotheken zurückgeben. Viele bieten diesen Service freiwillig an.


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