Bayern 1 - Experten-Tipps


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Joghurtbecher spülen? Was muss sauber in den gelben Sack?

Die Deutschen sind Weltmeister im Mülltrennen. Viele spülen Joghurtbecher und andere Behältnisse, bevor sie in die Tonne kommen - im Glauben, die Umwelt damit zu schonen. Der Bayern 1-Umweltkommissar will wissen, ob das nötig ist.

Von: Alexander Dallmus

Stand: 22.11.2017

Illustration: Umweltkommissar putzt wie ein Wahnsinniger einen großen Eisbecher, während das Bienchen Eiscreme nascht | Bild: BR/Tanja Begovic

Anscheinend ist es vielen Verbrauchern etwas unangenehm, den leeren, noch verschmutzten Joghurtbecher einfach so in den Plastikmüll oder in die Gelbe Tonne zu werfen. Um das Recyceln zu vereinfachen, spülen einige ihre Lebensmittelverpackungen, bevor sie sie in den Müll werfen. Dabei ist das gar nicht notwendig.

Stichwort: Wiederverwertung

Fast 20 Jahre nach Einführung von Grünem Punkt und gelbem Sack gibt es hochmoderne Sortiermaschinen zum Trennen und Sortieren des Abfalls. So exakt arbeiten Infrarotdetektoren, Siebe und Magnete, dass vom Sortierrest der alten Anlage am Ende wiederum nur ein kleines Häufchen Ausschuss übrig bleibt. Alles andere landet, sauber getrennt, in Containern. Das heißt, wenn es Sortieranlagen gibt, und diese sind heute die Regel. Das wiederlegt auch die Befürchtung, dass alles unsortiert verbrannt wird. Zudem laufen die Bänderdreimal schneller als in den 90er-Jahren.

Fast 60 Prozent des Mülls werden recycelt. Auch was den Restmüll angeht, sind bis zu 20 Prozent des Mülls gut wiederverwertbar und zu schade zum Verbrennen. Kunststoffbehälter, Glasbehälter und Dosen aus Eisenblech und vieles mehr werden wiederverwertet. Im Gegensatz zu früher werden heute auch Joghurtbecher und andere kleinere Kunststoffverpackungen stofflich recycelt, weil der Kunststoff, aus dem sie gemacht sind (Polypropylen), als Recyclingware sehr gefragt ist. "Man kann auch aus Joghurtbechern hochwertige Kunststoffe gewinnen", sagt Rüdiger Weiß vom Verband der bayerischen Entsorgungsunternehmen. "Es ist keineswegs so wie zu Anfang des 'Dualen Systems', dass da nur Plastikblumentöpfe und Parkbänke daraus gegossen werden können. Da hat sich in den letzten Jahren einiges getan". Das könnte aber auch nahelegen, dass ein sauberer Joghurtbecher im Müll auch einfacher zu verwerten ist.

Auslöffeln ist ausreichend

Natürlich, aber das Gesetz ist da eindeutig! Und zwar eindeutig lässiger! „Restentleert“ heißt es da nur! Und das bedeutet für den Joghurtbecher-Fan: Er muss nur schön ordentlich aufessen. Reicht für die Entsorger, sagt auch Martin Meier vom Bayerischen Landesamt für Umwelt, in Augsburg:

„Quarkbecher oder Joghurtbecher müssen nicht ausgespült werden.  Es genügt, wenn sie löffelrein sauber sind. Also schön auskratzen und dann ist alles ok.“ 

Es ist nicht notwendig einen doppelten Abwasch beim Müll zu machen, denn bevor Plastikverpackungen und andere Materialien aufbereitet werden, werden diese sowieso nochmal gewaschen.

Leere Verpackungen müssen nicht gespült werden, bevor sie in den Gelben Sack wandern.

Da bedeutet natürlich nicht, dass der Verbraucher halbvolle Joghurt- oder Senfgläser ins Altglas geben soll, aber es reicht vollkommen sie auszukratzen. Mehr wird vom Verbraucher hier gar nicht erwartet. Das reicht und gilt auch für alle anderen Verpackungen, die Sie in den Müll geben. Waschen wäre reine Ressourcenverschwendung!

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