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Amerikanische Faulbrut Honiggläser nur gespült ins Altglas?

"Honiggläser nur gespült in den Flaschencontainer - sonst gefährden Sie unsere einheimischen Bienen." Diese Warnung macht immer wieder auf Facebook die Runde. Wir klären: Was ist dran? Und wie gefährlich ist die amerikanische Faulbrut?

Stand: 03.03.2020

Honigglas | Bild: mauritius-images

"Bitte werfen Sie keine ungespülten Honiggläser in den Glascontainer ein!" bittet der Facebook-Post, der immer wieder vielen von uns in der Timeline ausgespielt wird. Ist das Fake oder eine echte Warnung, der wir Folge leisten sollten?

Das Wichtigste vorab: Ja, die Warnung ist echt - und wir alle sollten in der Tat Honiggläser, die wir in den Altglascontainer werfen wollen, vorher ausspülen. Denn: Über die Honigreste in unausgespülten Gläsern können sich unsere einheimischen Bienen mit dem Erreger der amerikanischen Faulbrut infizieren, der ganze Bienenvölker dahinrafft.

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Dreiburgenland Imkerei Stefan Umlauf

Gleich, ob der ein oder andere Beitrag (z.B. Stern) aussagt das dies nicht ‚sein muss‘ - wir sind der Meinung das Glas...Gepostet von Dreiburgenland Imkerei Stefan Umlauf am Montag, 7. Januar 2019

Was ist eine Faulbrut bei Bienen?

Die sogenannte amerikanische Faulbrut ist in Deutschland eine anzeigepflichtige Bienenseuche, die die Brut abtötet. Sie wird von einem Bakterium namens "Paenibacillus larvae larvae" verursacht, das sich über das Futter der Bienen-Larven, also den Honig verbreitet. Es tötet die Larve in der Wabe und zersetzt sie. Die anfangs schleimige Masse trocknet, setzt sich als dunkler Schorf am Zellboden ab. Ausgewachsene Bienen geben den Erreger nur weiter, aber nach und nach übernimmt das Bakterium die komplette Brut und das Bienenvolk stirbt mangels Nachwuchs ab.

Amerikanische Faulbrut: Für Menschen gefährlich?

Für uns Menschen ist die Infektionskrankheit ungefährlich; selbst Honig, der mit den Erregern kontaminiert ist, stellt keine Gefahr für unsere Gesundheit dar. 

Kann sich Faulbrut wirklich durch unausgespülte Honiggläser verbreiten?

Alles übertrieben, ist von manchen Imkern zu hören - Bienen würden demnach nicht Glascontainer anfliegen, um Honig zu sammeln. Arno Bruder, staatlicher Fachberater für Imkerei des Bezirks Oberbayern hält diesen Fall dagegen sogar für durchaus wahrscheinlich, gerade wenn die Bienen nicht mehr Blüten finden, wie etwa im Mai und Juni sowie ab August:

"Wenn Mangeltracht-Situation ist, suchen die Bienen nach Futter und nach süßen Quellen - und wenn sie einen Container erwittert haben, wo es solche Gläser gibt, dann werden sie die befliegen." Werden die infizierten Honigreste in den Stock getragen, kann dort die Faulbrut ausbrechen, so Bruder.

"Es gibt aus der Vergangenheit immer wieder mal den Bezug, wo man den Ausbruch der Faulbrut durchaus in Verbindung bringen konnte mit dem Besuch von Glascontainern, in denen ungewaschene Gläser vorhanden waren"

Arno Bruder, staatlicher Fachberater für Imkerei des Bezirks Oberbayern

So trat offenbar im Umfeld von amerikanischen Standort-Kasernen in Bayern, wo tendenziell mehr US-Honig konsumiert wurde, bei den umliegenden Bienenvölkern gehäuft Faulbrut auf. Damals schon wurde der Zusammenhang hergestellt zwischen Glascontainern, unausgespülten Honiggläsern und der Faulbrut. 

Fazit: Honiggläser in der Tat erst ausspülen und dann in den Container werfen!

Was mache ich mit den Gläsern vom heimischen Imker?

Eine gute Alternative zum Supermarkt-Honig: Honig vom heimischen Imker

Wie immer ausspülen und bei Ihrem Imker gegen ein gefülltes eintauschen. Und selbst wenn Sie schon mal ein kaputtes Imker-Glas in den Container geworfen haben, bei unserem einheimischen Honig gibt's kein Problem. Der Faulbrut-Erreger findet sich nämlich so gut wie ausschließlich in Honig aus dem Ausland. Und genau hier legt das Problem: Denn 80 Prozent des deutschen Honig-Bedarfs von jährlich immerhin rund 100.000 Tonnen kommt aus dem Ausland, vor allem aus China und südamerikanischen Ländern. Dort allerdings wird die Faulbrut "durch die Gabe von Antibiotika nur überdeckt", erklärt Fachberater Bruder. Ergebnis: Der Erreger verbreitet sich weiter und wandert mit dem Honig um die Welt.

Was kann ich tun, um die einheimischen Bienen nicht zu gefährden?

Wenn Sie Honig aus dem Supermarkt gekauft haben, bei dem Sie nicht wissen, woher genau er stammt: Entsorgen Sie das Behältnis so, dass keine Biene an die Reste kommen kann. Eine gute Alternative wäre natürlich, Honig im Mehrwegglas beim einheimischen Imker zu kaufen: Regionaler Honig ist besser für uns

Und wenn Sie an Ihre Gartenplanung für das kommende Gartenjahr gehen: Vielleicht räumen Sie unseren nützlichen Insekten ein paar Futterplätze mehr in Ihrem Garten frei. Wir haben Tipps für Bienenweiden und Co.


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