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Amerikanische Faulbrut Wieder ein Bienen-Sperrbezirk in Bayern

"Honiggläser nur gespült in den Flaschencontainer werfen - sonst gefährden Sie unsere einheimischen Bienen." Was ist dran an dieser Warnung, die man mal in der Zeitung, mal im Internet liest?

Published at: 12-10-2021 | Archiv

Biene | Bild: mauritius-images

"Bitte werfen Sie keine ungespülten Honiggläser in den Glascontainer ein!" bittet etwa ein Facebook-Post, den viele BAYERN 1 Hörer immer wieder in ihrer Timeline lesen. Ist das Fake oder eine ernstzunehmende Warnung?

Faulbrut-Fälle in Bayern

Das Wichtigste vorab: Ja, die Warnung ist echt - und wir alle sollten in der Tat Honiggläser ausspülen, bevor wir sie in den Altglascontainer werfen.

Sonst gefährden wir das Überleben unserer einheimischen Bienen. Die tragen nämlich möglicherweise die Honigreste aus den Gläsern zusammen mit einem tödlichen Erreger darin zu ihrer Brut im Bienenstock - die Amerikanische Faulbrut.

Bienen Sperrbezirke in Bayern

Wo sie auftritt, sterben ganze Bienenvölker, müssen Sperrbezirke eingerichtet und schlimmstenfalls viele Völker vernichtet werden. Aktuell gibt es im Stadtgebiet München, an der Grenze zu Gröbenzell im Landkreis Fürstenfeldbruck, eine Sperrzone. Die Stadt München hat die Imker im Stadtgebiet zu großer Aufmerksamkeit aufgerufen, Imker im Umkreis werden zusätzlich benachrichtigt. Im Stadtgebiet München gibt es rund 3.000 Bienenvölker. Hier geht es zur Verfügung der Stadt - mit einer Karte des betroffenen Gebietes.

Im Juni 2020 hatte der Landkreis Donau-Ries zwei Sperrbezirke wegen der Bienenseuche eingerichtet, im Mai war der Landkreis Straubing-Bogen betroffen. Wussten Sie übrigens, dass Honig eines der meiste gefälschten Lebensmittel weltweit ist? Mehr dazu in unserem Podcast Besser leben: So erkennen Sie gepanschten Honig.

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Dreiburgenland Imkerei Stefan Umlauf

Gleich, ob der ein oder andere Beitrag (z.B. Stern) aussagt das dies nicht ‚sein muss‘ - wir sind der Meinung das Glas...Gepostet von Dreiburgenland Imkerei Stefan Umlauf am Montag, 7. Januar 2019

Was ist eine Faulbrut bei Bienen?

Die sogenannte amerikanische Faulbrut ist in Deutschland eine anzeigepflichtige Bienenseuche, die die Brut abtötet. Sie wird von einem Bakterium namens "Paenibacillus larvae larvae" verursacht, das sich über das Futter der Bienen-Larven, also den Honig, verbreitet. Es tötet die Larve in der Wabe und zersetzt sie. Die anfangs schleimige Masse trocknet, setzt sich als dunkler Schorf am Zellboden ab. Ausgewachsene Bienen geben den Erreger nur weiter, aber nach und nach übernimmt das Bakterium die komplette Brut und das Bienenvolk stirbt mangels Nachwuchs ab.

Kann sich Faulbrut wirklich durch unausgespülte Honiggläser verbreiten?

Alles übertrieben, war lange Zeit von einigen Imkern zu hören gewesen - Bienen würden demnach nicht Glascontainer anfliegen, um Honig zu sammeln. Arno Bruder, staatlicher Fachberater für Imkerei des Bezirks Oberbayern, hält diesen Fall dagegen sogar für durchaus wahrscheinlich, gerade wenn die Bienen keine Blüten mehr finden, wie etwa im Mai und Juni sowie ab August:

"Wenn Mangeltracht-Situation ist, suchen die Bienen nach Futter und nach süßen Quellen - und wenn sie einen Container erwittert haben, wo es solche Gläser gibt, dann werden sie die befliegen." Werden die infizierten Honigreste in den Stock getragen, kann dort die Faulbrut ausbrechen, so Bruder.

"Es gibt aus der Vergangenheit immer wieder mal den Bezug, wo man den Ausbruch der Faulbrut durchaus in Verbindung bringen konnte mit dem Besuch von Glascontainern, in denen ungewaschene Gläser vorhanden waren"

Arno Bruder, staatlicher Fachberater für Imkerei des Bezirks Oberbayern

So trat offenbar im Umfeld von amerikanischen Standort-Kasernen in Bayern, wo tendenziell mehr US-Honig konsumiert wurde, bei den umliegenden Bienenvölkern gehäuft Faulbrut auf. Damals schon wurde der Zusammenhang hergestellt zwischen Glascontainern, unausgespülten Honiggläsern und der Faulbrut. 

Fazit: Honiggläser in der Tat erst ausspülen und dann in den Container werfen!

Amerikanische Faulbrut: Für Menschen gefährlich?

Für uns Menschen ist die Infektionskrankheit ungefährlich; selbst Honig, der mit den Erregern kontaminiert ist, stellt keine Gefahr für unsere Gesundheit dar. Für Bienen allerdings, die damit in Kontakt kommen, sehr wohl.

Was mache ich mit den Gläsern vom heimischen Imker?

Eine gute Alternative zum Supermarkt-Honig: Honig vom heimischen Imker

Wie immer ausspülen und bei Ihrem Imker gegen ein gefülltes eintauschen. Und selbst wenn Sie schon mal ein kaputtes Imker-Glas in den Container geworfen haben, bei unserem einheimischen Honig gibt's kein Problem. Der Faulbrut-Erreger findet sich nämlich so gut wie ausschließlich in Honig aus dem Ausland. Und genau hier legt das Problem: Denn 80 Prozent des deutschen Honig-Bedarfs von jährlich immerhin rund 100.000 Tonnen kommt aus dem Ausland, vor allem aus China und südamerikanischen Ländern. Dort allerdings wird die Faulbrut "durch die Gabe von Antibiotika nur überdeckt", erklärt Fachberater Bruder. Ergebnis: Der Erreger verbreitet sich weiter und wandert mit dem Honig um die Welt.

Was kann ich tun, um die einheimischen Bienen nicht zu gefährden?

Wenn Sie Honig aus dem Supermarkt gekauft haben, bei dem Sie nicht wissen, woher genau er stammt: Entsorgen Sie das Behältnis so, dass keine Biene an die Reste kommen kann. Eine gute Alternative wäre natürlich, Honig im Mehrwegglas beim einheimischen Imker zu kaufen: Regionaler Honig ist besser für uns

Und wenn Sie an Ihre Gartenplanung für das kommende Gartenjahr gehen: Vielleicht räumen Sie unseren nützlichen Insekten ein paar Futterplätze mehr in Ihrem Garten frei. Wir haben Tipps für Bienenweiden und Co.

Warum 2021 ein übles Jahr für Bienen in Bayern ist - und wie wir unseren Honig- und Wildbienen jetzt helfen können, erfahren SIe hier.


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