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Kann man Honigwaben essen? Was hinter dem Wabenhonig-Trend steckt

Immer öfter kann man ganze Honigwaben in Honiggläsern entdecken. Doch was steckt wirklich hinter dem Trend? Kann man den Honig mitsamt dem Wachs einfach essen? Und wie unterscheidet sich Wabenhonig vom herkömmlichen Honig?

Stand: 13.11.2019

Wabenhonig im Glas | Bild: mauritius-images

Wabenhonig ist Honig, der samt Wabe verkauft und gegessen wird. Der Imker schleudert den Honig nicht und trennt so flüssigen Honig und Waben voneinander, sondern lässt den Honig in den Waben. Wabenhonig kann man immer häufiger in den Regalen von Bio- und Feinkostläden entdecken. Dort wird er oft auch als Scheibenhonig angeboten, da die Waben in dünne Scheiben geschnitten sind. Die Begriffe können laut Honigverordnung als Synonyme verwendet werden.

Laut der Honigverordnung ist Wabenhonig "von Bienen in den gedeckelten, brutfreien Zellen der von ihnen frisch gebauten Honigwaben oder in Honigwaben aus feinen, ausschließlich aus Bienenwachs hergestellten gewaffelten Wachsblättern gespeicherter Honig, der in ganzen oder geteilten Waben gehandelt wird". Doch was bedeutet das genau?

Honig oder Wabenhonig

Wabenhonig ist reiner, naturbelassener Honig.

Der Unterschied zwischen Wabenhonig und geschleuderten Honig beginnt bereits im Bienenstock. Jede einzelne Bienenwabe besteht aus vielen einzelnen Wabenzellen, die aneinanderkleben. Die Bienen selbst produzieren das Wachs für die Waben. Aus dem Wachs der Wachsdrüse an ihrem Hinterleib entstehen hauchdünne Wachsplättchen. Diese kneten die Bienen mit ihren Mundwerkzeugen weich und verbauen sie dann zu sechseckigen Zellen. Am Anfang sind die Wände der Waben sehr dünn, weißlich bis durchsichtig. Je älter die Wabe ist, umso dunkler wird sie. Die Bienen, die in der Wabe ein- und ausgehen, bringen Honig, Pollen oder Brut in die Zellen. So lagern sich fettliebende Partikel ab, die an dem Wachs halften bleiben, erklärt Prof. Dr. Werner von der Ohe vom LAVES Institut für Bienenkunde Celle. "Waben für Wabenhonig sollten nach Möglichkeit aus einem Jungfernbau stammen und nur kurze Zeit im Bienenstock hängen, so dass der helle Charakter der Waben bleibt", so von der Ohe.

Wenn der Imker Honig im Glas ernten möchte, dann prüft er immer wieder den Reifegrad des Honigs. Dieser erschließt sich unteranderem aus dem Wasseranteil im Honig, denn Wasser und Zucker entscheiden über die Konsistenz und die Haltbarkeit des Honigs. Unreifer Honig hat einen hohen Wassergehalt. Je länger der Honig im Bienenstock bleibt, umso weniger Wasser ist im Honig. Laut der Deutschen Honigverordnung darf Honig nicht mehr als 20 Prozent Wasser enthalten. Der Deutsche Imkerbund setzt die Grenze sogar bei 18 Prozent an. Sobald der Honig den Wert erreicht hat, wird er geschleudert.

Beim Wabenhonig entscheidet nicht der Imker, wann der Honig reif ist, sondern die Bienen selbst. Sie verschließt die mit Honig gefüllten Wabenzellen mit einer dünnen Wachsschicht. Man bezeichnet diesen Vorgang auch als "verdeckeln". Dadurch, dass die Bienen den reifen Honig selbst verschlossen haben, kann man sich ganz sicher sein, dass der Wabenhonig nicht mit anderen Honigsorten vermischt wurde. Wabenhonig ist also ein reiner, naturbelassener Honig, der dadurch einen sehr intensiven und aromatischen Geschmack besitzt.

Wabenhonig - Ernte

Für Honig, der geschleudert wird, verwenden Imker sogenannte Mittelwände (englisch "foundation"). Diese bestehen aus altem Bienenwachs, das eingeschmolzen und neu im Sechseckmuter gegossen wurde. Diese Mittelwände bilden das Fundament für die Honigbiene. Dort baut sie an und beginnt mit dem Honig sammeln. Der Vorteil der Mittelwände ist, dass Sie sehr stabil sind und so beim Schleudern nicht kaputt gehen.

Die ganz frischen und hellen Waben kann man einfach mitessen.

Für Wabenhonig braucht der Imker aber ganz frische und helle Waben. Diese Waben bekommt man nur ohne Mittelwände. Grundsätzlich wäre laut Honigverordnung seit 2001 die Verwendung von Mittelwänden bei der Herstellung von Wabenhonig erlaubt, allerdings macht das keinen Sinn, denn nur ohne Mittelwand ist der Wachsanteil im Honig gering und die Wabenwände hauchdünn, erklärt Prof. Dr. Werner von der Ohe. Beim Wabenhonig sollten die Bienen alles komplett selbst und neu bauen. Der Imker nimmt die frischen Wabenzellen aus dem Stock, zerteilt diese und bietet sie so zum Verkauf an. Da die Waben sehr klebrig und zerbrechlich sind, schwimmen sie meist direkt im Honigglas.

Wabenhonig essen

Im Wabenhonig befinden sich neben Honig auch Pollen. Diese verfeinern den Geschmack des Honigs. Meistens wird der frische Wabenhonig in sehr dünnen Scheiben aufgeschnitten und so direkt wie flüssiger Honig auf dem Brot gegessen. Wenn der Wabenhonig ganz frisch ist, dann ist das Wachs so hauchdünn, dass es einfach mitgegessen werden kann und auch nicht als störend empfunden wird. Unbehandeltes Wachs zu essen ist vollkommen unbedenklich. Das Wachs enthält sogar wertvolle Enzyme und Fermente, die durch das Kauen freigesetzt werden. Zusätzlich enthalten die Waben auch Propolis, ein feines Harz mit antibiotischer, antiviraler und antimykotischer Wirkung. Manche Honigliebhaber schwören darauf, die Bienenwabe einfach wie einen Kaugummi zu kauen. Allerdings ist das nicht jedermanns Sache, denn das Wachs bleibt auf den Zähnen zurück.


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