Bayern 1 - Experten-Tipps


38

Gartenmöbel Welches Holz ist ökologisch sinnvoll?

Gibt's was Schöneres von Frühjahr bis Herbst, als im Garten zu werkeln? Mehr als ein Drittel der Deutschen macht das und hat Spaß dabei. Nach der Arbeit hat es jeder verdient, bei Sonnenschein im Garten zu sitzen und es schön bequem zu haben. Am besten auf Gartenmöbeln aus Holz. Die sollen natürlich nicht nur gut aussehen, sondern vor allem auch wetterbeständig und lange haltbar sein.

Stand: 03.04.2019

Mann sitzt im Garten | Bild: mauritius-images

Holz ist ein regenerativer Rohstoff und gilt prinzipiell als umweltfreundlich. Wer sich für Gartenmöbel aus Holz entscheidet, wird aber nicht automatisch zum nachhaltigen Einkäufer. Erstens ist es immer wichtig, wie lange ein Möbelstück hält und verwendet wird, zweitens erfüllt nicht jede Holzart die Kriterien, die aus ökologischen Gesichtspunkten gewährleistet sein müssen.

Schließlich war und ist vor allem Teakholz, also Tropenholz, bei Gartenmöbeln sehr beliebt. „Im klassischen Gartenmöbelhandel, ist derzeit Teak wieder die dominierende Holzart", sagt Holzexperte Bernhard Zimmer vom Bayerischen Institut für nachhaltige Entwicklung (bifne) in Piding, im Berchtesgadener Land. „Die ganzen anderen wilden Sachen, sind wieder verschwunden, weil sie sich offensichtlich auch nicht bewährt haben." Das harte Teakholz ist bei Gartenmöbeln vor allem deshalb so beliebt, weil es extrem witterungsbeständig ist und widerstandsfähig gegen Schimmel und Pilze. Gerade Teak, das natürlich auch aus illegalem Einschlag von asiatischen Tropenwäldern stammen kann, ist immer wieder in der Diskussion. 

Nicht streng zertifiziertes Tropenholz zerstört entweder naturnahe Wälder oder wird auf künstlichen Riesenplantagen kultiviert, in denen Pestizide gespritzt werden, um diese Monokulturen vor Schädlingen zu schützen. Insbesondere wenn Tropenholz illegal geschlagen wird, geht damit nicht nur eine massive Umweltzerstörung einher, mitsamt der Verdrängung der Fauna und der dort lebenden Ureinwohner, sondern es wird auch der riesige CO2-Speicher der Tropenwälder zerstört. Deshalb ist es ganz gut zu wissen, welchen Siegeln auf Gartenmöbeln Sie vertrauen können und welche Alternativen es gibt.

Holz ist nicht gleich Holz

„An sich ist Holz ein prima Rohstoff, weil er leicht recycelbar und nachwachsend ist. Aber es kommt immer darauf an, wo das Holz herkommt“, meint Julian Heiermann vom Naturschutzbund.

Holz mit dem FSC-Zertifikat muss aus nachhaltiger Forstwirtschaft stammen.

Viele Terrassentische, Gartenstühle und Sitzbänke bestehen aus Akazie oder Teak. Das Holz dafür stammt von Plantagen. Deshalb ist es wichtig die Herkunft des Holzes genau zu hinterfragen. Sie müssen dafür nicht selbst Umweltkommissar spielen – dafür gibt es Zertifikate. Aber gerade im Bereich Holz, sind viele unseriöse oder auch sehr „weiche“ Siegel auf dem Markt. Das PEFC-Siegel wird beispielsweise aufgrund der Selbstverpflichtung der angeschlossenen Fortbetriebe vergeben. Umweltschützer kritisieren auch die unregelmäßigen Kontrollen. Sehr streng dagegen das Naturland Ökosiegel, mit den strengsten Umweltauflagen für die Holzwirtschaft in Deutschland. Allerdings nützt es nur wenig, wenn das Holz aus Übersee stammt.

Einzig das FSC-Siegel, das von der Organisation Forest Stewardship Council, mit Sitz in Bonn vergeben wird, bietet in diesem Bereich eine Orientierung. Das Holz auf den Plantagen wird nachhaltig angepflanzt und kein Regenwald gerodet. Greenpeace kritisierte mehrmals, die aus ihrer Sicht laxe Vergabe des FSC-Siegels gerade in problematischen Regionen und zog sich 2018 zurück. FSC selbst weist darauf hin, dass die Organisation auch das jeweilige Landesrecht achten muss und wenig dagegen ausrichten kann, wenn ein Land Abholzung zulasse. Trotzdem, muss auch Bernhard Zimmer vom Institut für nachhaltige Entwicklung, zugeben: „Das FSC Siegel ist im Tropenholzbereich wahrscheinlich ein Muss, weil wenn Tropenholz noch nicht mal dieses Siegel aufweist, dann muss man sich die Frage stellen, wo kommt’s denn überhaupt her. Weil wer hat denn sozusagen die Kette dann noch im Griff?“

Vor diesem Problem steht natürlich auch Wolfgang Schnieder, der für das Gartencenter Seebauer in München, Gartenmöbel einkauft: „Wir müssen auf die Firmen natürlich vertrauen, dass es wirklich FSC-zertifiziertes Holz ist. Deshalb arbeiten wir im Teak-Bereich auch nur mit zwei Firmen zusammen, bei denen wir wirklich davon überzeugt sind, dass es FSC-zertifiziertes Holz ist.“

Die große Nachfrage bei Teak, führt für Holzexperte Bernhard Zimmer zu einem ganz anderen Problem. Das Teak kommt mittlerweile von Plantagen aus Mittelamerika oder Afrika und nicht nur aus Asien. Und es gibt hier qualitativ große Unterschiede, weil das Teakholz auf den verschiedenen Kontinenten unterschiedlich wächst. Der Fachmann erkennt den Unterschied an der Farbe und auch an den Inhaltsstoffen. Teak aus Asien fühlt sich zum Beispiel deutlich speckiger an. „Da gibt’s dann ganz wilde Qualitäten und unterschiedlichste Aussagen, von Premiumteak über Recycelteak. Zertifiziert und nicht zertifiziert", sagt Bernhard Zimmer, „also ich hab‘ – rein aus holztechnologischer Sicht – katastrophales Material gesehen, wo ich sage, da ist Teak als Material sicher geeignet, aber nicht mit Splint zum Beispiel. Also auch schlecht verarbeitet. Und das hat gar nichts mit dem Preis zu tun.“

Alternativen zu Gartenmöbeln aus Tropenholz

Gartenmöbel stehen meist lange Zeit draußen und sind der Witterung ausgesetzt. Da muss stabiles und witterungsfestes Holz her. Heimische Laubhölzer, wie Eiche, werden allerdings kaum noch zu Gartenmöbeln verarbeitet. Wenn es kein massiver Esstisch sein soll, sondern ein leicht verrückbares Möbelstück, empfiehlt sich aber die Douglasie. Der Nadelbaum kommt aus Nordamerika und wird auch bei uns forstlich angebaut. Die Douglasie ist relativ leicht und preiswert. Meistens ist das Holz lasiert, weil es eben nicht sonderlich wetterbeständig ist. „Klar, Douglasie muss ich auch ein bisschen pflegen, sollte man ein- bis zweimal im Jahr ölen", sagt Gartenmöbelverkäufer Bernhard Schnieder, „aber sonst ist Douglasie ein sehr langlebiges Holz und eine gute Alternative zu Teak.“

Wenn es auch etwas schwerer sein darf, ist zum Beispiel die Robinie oder auch „falsche Akazie“ bestens geeignet. Sie ist sehr hart und witterungsbeständig. Dieser Laubbaum stammt ursprünglich ebenfalls aus Nordamerika und kommt bei uns mittlerweile wild vor. Für Gartenmöbelverkäufer Wolfgang Schnieder ist die Robinie eine gute heimische Alternative: „Sie hat fast die gleichen Eigenschaften wie das Teakholz. Es ist wetterbeständig, ich könnte es auch im Winter draußen stehen lassen. Ist nicht ganz hart wie das Teakholz, aber es ist ein bisschen mit Pflege zu verbunden.“

Eukalyptus ist da schon empfindlicher. Wobei sich mit Eukalyptus-Plantagen, die es auch in Europa gibt, große ökologische Probleme ergeben, erklärt Bernhard Zimmer vom bifne in Piding: “Siehe Portugal, Spanien. Weil er in den Gebieten, wo er gut wächst, die Böden extrem auslaugt, also aus meiner Sicht nicht unbedingt die Holzart, die ich nachhaltig im Gartenmöbelbereich ansehen würde.“

Holzexperte Bernhard Zimmer schwört auf eine heimische Holzart, die allerdings im Gartenmöbelbereich nicht so einfach zu finden ist: Die Edelkastanie! „Es gibt wenige Händler. Ist von der Farbe her wie die Eiche. Auch im Lawinenverbau wird sie eingesetzt. Ist dauerhaft. Eine heimische Holzart mit hoher Qualität und einem guten Preis-Leistungsverhältnis."

Viele haben auch Möbel aus Aluminium, in Kombination mit Kunststoff- oder Stoffbezug im Garten stehen. Aluminium ist leicht und sehr korrosionsbeständig. Allerdings ist die Herstellung des Metalls sehr energieaufwendig und die Öko-Bilanz ist deutlich schlechter als die von Holzmöbeln. Die hohe Wiederverwendbarkeit des Materials spricht dagegen für Aluminium.

Unter „Polyrattan“ sind Möbel zusammengefasst, die aus geflochtenen Polyethylenfasern bestehen. Der Rahmen ist oft aus Aluminium oder sie sind braun gefärbt und sehen wie echtes Rattan. Je nach Verarbeitung gelten sie als "wetterfest" und beständig gegen Sonneneinstrahlung. Allerdings wird Polyrattan, wie die meisten Kunststoffe, aus Mineralöl produziert und benötigt in der Herstellung viel Energie.

Richtige Pflege ist wichtig

Wie unsere Haut die Sonnencreme, braucht das Holz bei langen Sonnenbädern die richtige Behandlung. Außerdem setzen Wind und Wetter den Gartenmöbeln zu. Ohne Schutz verlieren sie schnell die Farbe und ergrauen. Auch hier heißt es: Bewusst einkaufen und der Umwelt zuliebe auf chemische Substanzen und künstliche Holzschutzmittel verzichten. Natürliche Öle und Wachse tun´s nämlich genauso – wenn nicht sogar besser!

Die richtige Pflege schützt das Holz vor Sonne und Regen.

Gartenmöbelexperte Bernhard Schnieder, vom Gartencenter Seebauer in München, mag es deshalb auch sehr einfach: „Nehmen Sie sich lauwarmes Wasser, machen Sie einen Schuss Spülmittel rein. Nehmen Sie eine Wurzelbürste, bürsten Sie die Oberflächen sauber, damit die Poren von dem Holz wieder frei werden. Lassen Sie es bei einem schönen Tag abtrocknen, das geht verhältnismäßig schnell. Dann nehmen Sie sich einen sauberen Leinen- oder Baumwolllappen, ein wenig Teaköl, tränken den Lappen und wischen drüber und dann haben Sie die schöne alte Farbe von ihrem Teakholz wieder. Die Methode taugt natürlich auch bei allen anderen Hölzern. Und dann kann die Gartensaison so richtig losgehen."

Wohin mit der alten Sonnenbank?

Irgendwann wird auch dieser bequeme Klappstuhl ein Fall fürs Recycling ...

Gartenmöbel aus Holz sind sehr stabil und langlebig, aber nicht unsterblich. Irgendwann ist es soweit und das gute Stück geht in die Brüche, verzieht sich oder verliert gänzlich seine Schönheit. Wenn alles Abschleifen nichts hilft, wird es Zeit, sich von seinem Gartenmöbel zu verabschieden. Doch wohin damit? Holz, das nicht mit chemischen Schutzmitteln behandelt wurde, ist für die Umwelt unbedenklich und könnte im Hausmüll entsorgt werden. Aber das wäre sehr schade um den Rohstoff. Landet das kaputte Gartenmöbel nämlich im Heizkraftwerk oder auf der Deponie, ist das Holz verloren. Also machen Sie sich lieber die Mühe und bringen die ausgedienten Holzmöbel zum Sperrmüll auf den Wertstoffhof, um sie recyceln zu lassen. Sie können zum Beispiel zu Holzspanplatten weiterverarbeitet werden.

Manche Baumärkte bieten sogar Abwrackprämien für Gartenmöbel an. So kann man den Recyclingprozess unterstützen und auch noch eine kleine Belohnung absahnen. Ob über den Baumarkt oder gleich auf den Sperrmüll - Hauptsache, das Holz bleibt so lange wie möglich im Kreislauf und wird wiederverwertet. Denn so kann der CO2-Speichereffekt voll ausgenutzt werden, meint Lars Schmidt, Vorsitzender der Deutschen Säge- und Holzindustrie: "Der Baum nimmt im Laufe seines Lebens Kohlendioxid auf und speichert es, solange es nicht verbrannt wird."

Fazit

Ein Qualitäts- und ein Umweltsiegel ist genauso wichtig für die Schonung unserer Umwelt wie die Behandlung mit umweltfreundlichen Pflegemitteln. Tropenholz im Garten braucht es nicht wirklich. Auf die richtige Beratung beim Kauf der Gartenmöbel sollten Sie nicht verzichten: Je nachdem, wie lange im Jahr und unter welchen Umständen die Möbel beansprucht werden, ist eine spezielle Holzart sinnvoll. Außerdem sind Abdeckungen zu empfehlen, die das gute Stück schützen, wenn es mal nicht gebraucht wird.

Kurzhaarige Frau schnuppert an Blumen im Supermarkt | Bild: mauritius-images zum Artikel Blumen Wie umweltfreundlich sind Rosen vom Discounter?

Blumenstrauß zum Muttertag: Kann man bedenkenlos das Sträußchen Rosen für 1,99 Euro vom Discounter kaufen? Sind heimische Rosen besser als die aus Afrika? [mehr]


38