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Gartenmöbel Welches Holz ist ökologisch sinnvoll?

Gibt's was Schöneres von Frühjahr bis Herbst, als im Garten zu werkeln? Mehr als ein Drittel der Deutschen macht das und hat Spaß dabei. Nach der Arbeit hat es jeder verdient, bei Sonnenschein im Garten zu sitzen und es schön bequem zu haben. Am besten auf Gartenmöbeln aus Holz. Die sollen natürlich nicht nur gut aussehen, sondern vor allem auch wetterbeständig und lange haltbar sein.

Stand: 15.06.2018

Eine hübsche Impression von einer Terrasse | Bild: mauritius-images

Holz ist ein regenerativer Rohstoff und gilt prinzipiell als umweltfreundlich. Wer sich für Gartenmöbel aus Holz entscheidet, wird aber nicht automatisch zum Klimaschützer. Schließlich war und ist vor allem Teakholz, also Tropenholz, bei Gartenmöbeln sehr beliebt. Nicht streng zertifiziertes Tropenholz zerstört aber entweder naturnahe Wälder oder wird auf künstlichen Riesenplantagen kultiviert, in denen Pestizide gespritzt werden, um diese Monokulturen vor Schädlingen zu schützen. Insbesondere wenn Tropenholz illegal geschlagen wird, geht damit nicht nur eine massive Umweltzerstörung einher und damit die Verdrängung von Fauna und der dort lebenden Ureinwohner. Zusätzlich wird der riesige CO2-Speicher der Tropenwälder zerstört.

Deshalb ist es wichtig zu wissen, welchen Siegeln auf Gartenmöbeln Sie vertrauen können und welche Alternativen es gibt.

Holz ist nicht gleich Holz

"An sich ist Holz ein prima Rohstoff, weil leicht recyclebar und nachwachsend. Aber es kommt immer darauf an, wo das Holz herkommt", sagt Julian Heiermann vom Naturschutzbund. Wenn man einfach nach dem billigsten Preis schaut und die erstbeste Gartengarnitur einkauft, kann man leicht - vielleicht ohne es zu wollen - die Abholzung des Regenwaldes unterstützen.

Der "Blaue Engel" steht für Umweltschutz.

Viele Terrassentische, Gartenstühle und Sitzbänke bestehen aus Akazie oder Teak. Das Holz dafür stammt von Plantagen und für diese Plantagen muss meist der Urwald weichen. Deshalb ist es wichtig, die Herkunft des Holzes genau zu hinterfragen. Sie müssen dafür nicht selbst Umweltkommissar oder Detektiv spielen - dafür gibt es Zertifikate. Doch Vorsicht: Es sind viele unseriöse Siegel auf dem Markt. Einigermaßen verlässlich sind aber zum Beispiel der Blaue Engel und das PEFC-Siegel. Letzteres wird aber von vielen Umweltverbänden scharf kritisiert, weil es nicht streng genug ist.

Holz mit dem FSC-Zertifikat muss aus nachhaltiger Forstwirtschaft stammen.

Wer Zertifikate führt, muss gewisse Auflagen und Standards bei der Waldbewirtschaftung erfüllen: Beispielsweise muss der Wald eine hohe biologische Vielfalt aufweisen und genug Zeit zum Nachwachsen bekommen. Unabhängige Umweltorganisationen überprüfen auf regionaler Ebene, ob die strengen Auflagen auch eingehalten werden. Ein anderes Beispiel für ein verlässliches Siegel ist das FSC-Zertifikat. In der Regel weist es auf Plantagenholz hin, das nachhaltig angepflanzt wird und für das kein Regenwald gerodet wurde. Das heißt: Der Wald muss so bewirtschaftet werden, dass Tiere und Pflanzen, Wasserressourcen, Böden und empfindliche Ökosysteme unversehrt bleiben.

Gartenmöbel mit Siegel sind dafür auch etwas teurer. Schnäppchenjagen ist nicht drin, wenn man der Umwelt etwas Gutes tun will. Zertifizierte Tropenholzmöbel zu Spottpreisen gibt es nicht. Wenn Ihnen Gartenmöbel aus Tropenholz verdächtig günstig angeboten werden, können Sie davon ausgehen, dass die Ware aus undurchsichtigen Kanälen kommt und wahrscheinlich aus illegalem Tropenholzeinschlag stammt. Doch klebt eines der renommierten Siegel auf dem Sonnenstuhl, sitzt es sich gleich viel entspannter. Schließlich hat dann auch der Umweltschutzexperte Julian Heiermann keine Bedenken mehr: "Wenn man sich daran orientiert, kann man eigentlich nicht viel falsch machen."

Alternativen zu Gartenmöbeln aus Tropenholz

Damit Gartenmöbel lange halten, sollten Sie im Winter ins Haus geräumt werden.

Gartenmöbel stehen meist lange Zeit draußen und sind der Witterung ausgesetzt. Da muss stabiles und witterungsfestes Holz her. Heimische Laubhölzer wie Esche und Eiche werden immer beliebter. Wenn es kein massiver Esstisch sein soll, sondern ein leicht verrückbares Möbelstück, empfiehlt sich zum Beispiel die Douglasie. Der Nadelbaum kommt aus Nordamerika und wird auch bei uns forstlich angebaut. Die Douglasie ist relativ leicht und preiswert. Meistens ist das Holz lasiert, weil es eben nicht besonders wetterbeständig ist. Wenn es auch etwas schwerer sein darf, ist zum Beispiel die Robinie bestens geeignet. Sie ist sehr hart und witterungsbeständig. Dieser Laubbaum stammt ursprünglich ebenfalls aus Nordamerika und kommt bei uns mittlerweile wild vor. Aber auch Fichte, Kiefer oder Lärche sind geeignete Hölzer, wenn sie nur richtig behandelt werden.

Neben Lärche, Robinie oder Douglasie werden auch vermehrt Holzgartenmöbel aus Eukalyptus angeboten. Der Eukalyptusbaum wächst vorzugsweise in Australien sowie Tasmanien und im Osten von Indonesien. Auch Eukalyptusholz ist sehr witterungsbeständig, wenn auch nicht so sehr wie Teak oder Robinie. Das Problem: Es gibt über 500 Eukalyptusarten mit ganz unterschiedlichen Eigenschaften. Außerdem stammt Eukalyptusholz meistens von riesigen Monokulturen, die wiederum die Urwälder verdrängen. Auch hier sollte man FSC-zertifiziertes Holz kaufen.

Viele haben Möbel aus Aluminium, in Kombination mit Kunststoff- oder Stoffbezug, im Garten stehen. Aluminium ist leicht und sehr korrosionsbeständig. Allerdings ist die Herstellung des Metalls sehr energieaufwendig, die Öko-Bilanz ist deutlich schlechter als die von Holzmöbeln. Die hohe Wiederverwendbarkeit des Materials spricht dagegen für Aluminium.

Gartengarnituren aus Polyrattan sind zur Zeit sehr gefragt.

Unter "Polyrattan" sind Möbel zusamengefasst, die aus geflochtenen Polyethylenfasern bestehen. Der Rahmen ist oft aus Aluminium oder sie sind braun gefärbt und sehen wie echtes Rattan. Je nach Verarbeitung gelten sie als "wetterfest" und beständig gegen Sonneneinstrahlung. Allerdings wird Polyrattan wie die meisten Kunststoffe aus Mineralöl produziert und benötigt bei der Herstellung viel Energie. Damit belastet es die Umwelt.

Richtige Pflege ist wichtig

Wie unsere Haut die Sonnencreme braucht das Holz bei langen Sonnenbädern die richtige Behandlung. Außerdem setzen Wind und Wetter den Gartenmöbeln zu. Ohne Schutz verlieren sie schnell die Farbe und ergrauen. Auch bei den Pflegemitteln heißt es: bewusst einkaufen und der Umwelt zuliebe auf chemische Substanzen und künstliche Holzschutzmittel verzichten. Natürliche Öle und Wachse tun's nämlich genauso - wenn nicht sogar besser!

Die richtige Pflege schützt das Holz vor Sonne und Regen.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten: Da wären einmal umweltfreundliche Holzpflegemittel mit speziellem UV-Schutz, die aber ihren Preis haben. Mathilde Schlecht arbeitet bei einem Fachhandel für Gartenmöbel und empfiehlt eine Alternative: pigmentiertes Öl. Die natürliche Farbe des Holzes verändert sich nämlich mit der Zeit immer ein bisschen, trotz UV-Schutz. Deswegen meint Mathilde Schlecht, dass die Wunschfarbe des Gartenmöbels sowieso nicht völlig zu retten ist. Pigmentierte Pflegemittel geben dem Holz den gewünschten Anstrich, der bleibt. Leinöl-und bienenwachshaltig sollten sie sein. Das ist am umweltfreundlichsten, nicht allzu teuer und bestens geeignet, um das Holz wetterfest zu machen. Wer es so praktisch wie möglich haben und seine Gartenmöbel nicht regelmäßig einölen will, sollte sich für thermisch vorbehandeltes Holz entscheiden. Bei Temperaturen um die 200 Grad wird das sogenannte "Thermoholz" mit Öl- oder Wasserdampf pilzresistent und witterungsbeständig gemacht.

Wohin mit der alten Sonnenbank?

Irgendwann wird auch dieser bequeme Klappstuhl ein Fall fürs Recycling ...

Gartenmöbel aus Holz sind sehr stabil und langlebig, aber nicht unsterblich. Irgendwann ist es soweit und das gute Stück geht in die Brüche, verzieht sich oder verliert gänzlich seine Schönheit. Wenn alles Abschleifen nichts hilft, wird es Zeit, sich von seinem Gartenmöbel zu verabschieden. Doch wohin damit? Holz, das nicht mit chemischen Schutzmitteln behandelt wurde, ist für die Umwelt unbedenklich und könnte im Hausmüll entsorgt werden. Aber das wäre sehr schade um den Rohstoff. Landet das kaputte Gartenmöbel nämlich im Heizkraftwerk oder auf der Deponie, ist das Holz verloren. Also machen Sie sich lieber die Mühe und bringen die ausgedienten Holzmöbel zum Sperrmüll auf den Wertstoffhof, um sie recyceln zu lassen. Sie können zum Beispiel zu Holzspanplatten weiterverarbeitet werden.

Garten-Tipps

Karin Greiner | Bild: Karin Greiner zur Übersicht BAYERN 1 Tipps für Pflanzenfreunde Tipps und Tricks von Karin Greiner

Karin Greiner hat ihn, den "grünen Daumen". Auf BAYERN 1 gibt sie regelmäßig Tipps für Balkon-, Garten- und Zimmerpflanzen. Egal, ob Anfänger oder Profi - Karin Greiner hat für jeden einen Kniff bereit. [mehr]

Manche Baumärkte bieten sogar Abwrackprämien für Gartenmöbel an. So kann man den Recyclingprozess unterstützen und auch noch eine kleine Belohnung absahnen. Ob über den Baumarkt oder gleich auf den Sperrmüll - Hauptsache, das Holz bleibt so lange wie möglich im Kreislauf und wird wiederverwertet. Denn so kann der CO2-Speichereffekt voll ausgenutzt werden, meint Lars Schmidt, Vorsitzender der Deutschen Säge- und Holzindustrie: "Der Baum nimmt im Laufe seines Lebens Kohlendioxid auf und speichert es, solange es nicht verbrannt wird." Laut Lars Schmidt wurden 2013 105 Millionen Tonnen CO2 allein in Deutschland vermieden, weil Holz verwendet und wiederverwertet werden konnte. Das sind 13 Prozent der bundesweiten CO2-Emissionen.

Noch ein Vorteil des Recyclings: Die Nachfrage nach neuem illegalem Regenwaldholz wird eingedämmt. Die Tropenholzimporte nach Deutschland haben in den vergangenen Jahren zwar laut Zahlen des Statistischen Bundesamts kontinuierlich abgenommen. Trotzdem wurden 2012 noch immer über 144.000 Tonnen Tropenholz importiert. Das nachhaltig angebaute Plantagenholz macht den größten Teil dieser Zahl aus. Dennoch besteht die Problematik der Regenwaldabholzung nach wie vor, auch wenn keine genaue Statistik für den Schwarzmarkt existiert.

Fazit

Ein Qualitäts- und ein Umweltsiegel (zum Beispiel Blauer Engel oder FSC) ist genauso wichtig für die Schonung unserer Umwelt wie die Behandlung mit umweltfreundlichen Pflegemitteln (Bienenwachs, Leinöl). Tropenholz im Garten braucht es nicht wirklich. Auf die richtige Beratung beim Kauf der Gartenmöbel sollten Sie nicht verzichten: Je nachdem, wie lange im Jahr und unter welchen Umständen die Möbel beansprucht werden, ist eine spezielle Holzart sinnvoll. Außerdem sind Abdeckungen zu empfehlen, die das gute Stück schützen, wenn es mal nicht gebraucht wird.


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