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Hyalomma Zecke Wie häufig und wie gefährlich ist sie wirklich?

Hyalomma-Zecken werden auch hier heimisch. Wenn Sie eine finden, sollten Sie sie einschicken. Lesen Sie, wie gefährlich sie wirklich für den Menschen ist.

Published at: 9-4-2024

Eine große, tropische Hyalomma-Zecke liegt neben einem Gemeinen Holzbock. | Bild: dpa/picture alliance

Hyalomma Zecke aus den Tropen

Die großen Hyalomma-Zecken mit den gestreiften Beinen stammen eigentlich aus trockenen Gebieten Asiens und Afrikas und kommen über Zugvögel zu uns. 2018 hatte man über 36 Zecken dieser Art gefunden, doch seitdem haben sich die Funde nicht gehäuft: "Wissenschaftler gehen davon aus, dass jedes Jahr Millionen von Hyalomma-Larven oder –Nymphen mit Zugvögeln nach Deutschland gelangen. Trotzdem werden vergleichsweise wenige adulte Hyalomma-Zecken gefunden", schrieb das Robert Koch- Institut (RKI) im Februar 2024. Mit adult sind komplett entwickelte Zecken gemeint. Ob die tropischen Zecken in Deutschland langfristig heimisch werden könnten, bleibt nach wie vor unklar. 2022 wurden 14 Hyalomma-Zecken an das RKI gesandt, 2023 waren es 12.

Die klimatischen Bedingungen für die Hyalomma-Zecken werden sich in Zukunft eher noch verbessern, so steht es im Journal of Health Monitoring, das vom RKI im Juni 2023 herausgegeben wurde.

Wie gefährlich sind Hyalomma-Zecken für den Menschen?

Die Hyalomma marginatum und Hyalomma rufipes - das sind die beiden Arten, die bis jetzt in Deutschland gefunden werden. Beide Arten gelten als Überträger des Krim-Kongo Hämorrhagischen Fiebers, einer Viruserkrankung, gegen die es keine Impfung und kein Medikament gibt. An der Entwicklung eines Impfstoffes wird gearbeitet. Bisher wurden in den in Deutschland gefundenen und ans RKI eingesandten Hyalomma-Zecken aber keine Erreger des Krim-Kongofiebers entdeckt. Allerdings fand man Rickettsien, Erreger von Zeckenstichfieber, einer Art des Fleckfiebers. Dieses sollte frühestmöglich mit Antibiotika behandelt werden.

Wie sieht die Hyalomma-Zecke aus?

Die Hyalomma-Zecken sind deutlich größer als die normalen heimischen Holzböcke - nämlich bis zu drei Mal so groß, sie kommen auf eine Größe bis zu zwei Zentimeter. Und sie haben braun-gelb gestreifte Beine. Außerdem sind Hyalommazecken spinnenartig schnell und aktive Jäger.

Haben Zecken Augen?

"Hyalomma" heißt übersetzt Glasauge, denn diese Zecken haben Augen und können sehen. Das kann der Gemeine Holzbock nicht. Hyalomma Zecken können bis zu zehn Meter weit sehen und verfolgen ihr Opfer mehrere hundert Meter. Sie befallen besonders gern Pferde, so Informationen der Zeckenforscher an der Universität Hohenheim. Deswegen sollten besonders Reiter und Reiterinnen, Pferdebesitzerinnen und Pferdebesitzer auf die Zecken achten.

Zecken einsenden

Seit 2018 sind rund 9.000 Zecken an die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Uni Hohenheim geschickt worden. Das half den Forscherinnen und Forschern unter anderem, die Verbreitung der Auwaldzecke, einer heimischen Art, die die Erreger von FSME übertragen kann, besser einschätzen zu können. Das Projekt an der Uni Hohenheim ist beendet. Derzeit können Hyalomma-Zecken noch an das Robert Koch Institut geschickt werden.

Zecken ans RKI schicken

Das ist eine Auwaldzecke. Das RKI berichtet, dass diese Zeckenart oft für eine Hyalomma-Zecke gehalten wird.

Das RKI untersucht diese neue Art nach wie vor auf Krankheitserreger. Wenn Sie denken, dass Sie eine der auffälligen Hyalomma-Zecken mit den gestreiften Beinen gefunden haben, können Sie sie (fixiert mit einem Klebestreifen auf Papier) an das RKI schicken:
Robert Koch-Institut
 ZBS 1 –"Zecke"
Seestraße 10
13353 Berlin

Warum wir Zecken einschicken sollten

Aus zwei Gründen sollten Sie den Forscherinnen und Forschern vom Robert Koch-Institut weiterhin Hyalomma-Zecken zusenden: Wenn alle ihre Zeckenfunde teilen, können die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nicht nur deren Ausbreitung besser einschätzen, sondern auch Gegenmaßnahmen entwickeln.

Am besten ist es natürlich, wenn Sie die Zecken selbst - tot oder lebendig - einschicken. Dann können diese neuen Zeckenarten auf Krankheitserreger untersucht werden.

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