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Eichenprozessionsspinner Das müssen Sie über die Raupen wissen

Hautausschlag, Juckreiz oder sogar Atemprobleme - wenn Sie mit den Raupen der Eichenprozessionsspinner in Berührung kommen, kann das sehr unangenehm werden. Was viele nicht wissen: Auch ohne direkten Kontakt mit den Tieren, kann es zu diesen Symptomen kommen. Woran das liegt und wie Sie sich am besten schützen können.

Stand: 29.06.2020

"Vorsicht Eichenprozessionsspinner" steht in schwarzer Schrift auf einem gelbem Schild vor einer Allee. | Bild: picture-alliance/dpa

Der Eichenprozessionsspinner ist ein klarer Gewinner des Klimawandels in Bayern: "Seit Ende der 90er Jahre sehen wir eine Verbreitung des Eichenprozessionsspinners in ganz Bayern", erklärt Dr. Ralf Petercord von der Bayerischen Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft. "Die Art war früher ausgesprochen selten, hat sich aber mittlerweile über ganz Bayern ausgedehnt."

Was ist der Eichenprozessionsspinner?

Eichenprozessionsspinner sind Schmetterlinge, die ihren Namen ihrem Auftreten verdanken: Die Raupen treten häufig in einer Prozession gleichenden Gruppen auf. Die weiblichen Tiere legen ihre Eier in den oberen Teil aller Arten von Eichen. Zwar regenieren sich die Eichen nach einmaligem Befall recht gut, durch die Zunahme der Eichenprozessionsspinner in den vergangenen gut zwanzig Jahren treten die Fraßschäden an Bäumen häufiger auf und schwächen die Eichenbestände.

Wie sehen Eichenprozessionsspinner aus?

Die zunächst gräulichen Raupen verpuppen sich fünfmal bevor sie zum Falter werden. In späteren Entwicklungsstadien ist auf dem Rücken der Raupe einer brauner Streifen zu sehen. Rund um den Raupenkörper haben die Eichenspinner ab dem dritten Stadium lange und sehr helle Haare. Darunter liegen nur wenige Millimeter lange sogenannte Brennhaare, die einen Giftstoff enthalten und die Raupen so vor Vögeln und anderen Feinden schützen. Und genau diese Brennhaare sind das großes Problem für Mensch und Tier.

Eichenprozessionsspinner Ausschlag

Nicht nur für den Wald ist die Raupe eine Gefahr, sondern auch für Menschen. Bei Kontakt mit den Brennhaaren reagiert der Körper mit allergieähnlichen Symptomen: Es kann zu einem Hautausschlag kommen, der sich mit Rötungen, Quaddeln, Bläschen und starkem Juckreiz äußert. Dabei muss gar nicht eine Raupe selbst berührt werden, es reicht, wenn die Haut in Kontakt mit den Haaren kommt. Das kann durch die Berührung eines Nestes sein - oder sogar wenn ein Windstoß abgebrochene Brennhaare verteilt.

Auch an den Augenlidern kann es zu einer Schwellung kommen, direkter Kontakt der Brennhaare mit den Augen kann sogar zu einer akuten Bindehautentzündung führen. Gelangen die Härchen in die Atemwege, entstehen dort Entzündungen im Rachen oder Bronchienbereich. Wer Symptome beobachtet, sollte unbedingt einen Arzt aufsuchen.

Eichenprozessionsspinner Saison

Die Brennhaare werden ab dem dritten Larvenstadium gebildet, bei uns in Bayern ist das je nach Witterung zirka ab Mitte Mai der Fall: "Das Risiko einer allergischen Reaktionen aufgrund der neuen Raupen beginnt, wenn sie diese Prozessionen bilden - das ist die Phase ab Mitte Mai und dann zunehmend bis Mitte Juni", erklärt Dr. Petercord. Die Brennhaare reichern sich in der Umwelt an, denn "mit jeder Häutung der Raupen werden natürlich auch die alten Brennhaare an die Umgebung abgegeben und neue werden gebildet".

Zwar verpuppen sich die Raupen zirka gegen Mitte bis Ende Juni - in den Gespinstnestern oder im Unterholz bleiben die giftigen Brennhaare aber noch lange erhalten:

"Die Raupen verpuppen sich dann so Ende Juni, die Falter schlüpfen aus den Nestern raus und dann bleiben diese teilweise recht großen Gespinstsäcke hängen, natürlich mit den ganzen Brennhaaren. Und dieser Nester bleiben über Jahre teilweise noch in Resten an den Bäumen hängen und die bleiben auch gefährlich."

Dr. Dr. habil. Gabriela Lobinger, Mitarbeiterin in der Abteilung Waldschutz, Bayerische Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft.

Eichenprozessionsspinner melden

Wenn Sie eine Raupenprozession an öffentlichen Orten wie Parks oder Plätzen entdecken, sollten Sie die örtliche Gemeinde informieren. Wenn Sie in Ihrem eigenen Garten Raupen oder Nester sehen, entfernen Sie diese bitte keinesfalls selbst! Das ist eine Aufgabe für professionelle Schädlingsbekämpfer, die entsprechende Schutzausrüstungen haben und dafür sorgen, dass die Raupen mitsamt ihrer Brennhaare gründlich entfernt werden. Denn mal abgesehen von der Gefahr für Ihre eigene Gesundheit: Wenn Sie selbst versuchen gegen die Tiere oder die Gespinste vorzugehen, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Sie Brennhaare in der Umgebung verteilen.

Prozessionsspinner Bayern

Auch wenn der Eichenprozessionsspinner nicht das ganze Jahr über öffentlich wie bei den Prozessionen in Erscheinung tritt, gibt es leider keinen Anlass zur grundsätzlichen Entwarnung. "Die Art ist nicht wieder weg", so Waldschutz-Experte Dr. Petercord, "wo im letzten Jahr etwas war, werden auch jetzt wieder welche auftauchen."

Wie kann ich mich vor Eichenprozessionsspinnern schützen?

  • Meiden Sie betroffene Gebiete und nehmen Sie entsprechende Warnschilder unbedingt Ernst.
  • Berühren Sie keinesfalls die Raupen oder ihre Gespinstnester - am besten, Sie halten großen Abstand zu beidem.
  • Warnen Sie besonders Ihre Kinder.
  • Sollten Sie Kontakt mit den Raupen oder Nestern gehabt haben, wechseln Sie Ihre Kleidung, duschen Sie und waschen sich die Haare. Bei gesundheitlichen Problemen wenden Sie sich am besten umgehend an Ihren Hausarzt.

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