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Wildwechsel Wildunfall - was nun?

Mehr als 200.000 Mal im Jahr kommt es im Verkehr zu Unfällen während des Wildwechsels. Diese Tipps helfen Ihnen, eine Kollision mit den Tieren zu vermeiden. Außerdem lesen Sie hier, wie Sie sich nach einem Unfall richtig verhalten.

Stand: 29.10.2018

Aus der Windschutzscheibe, Hirsch überquert Straße  | Bild: mauritius-images

2015 wurden bei Unfällen mit Wildtieren über 3000 Menschen verletzt und 13 starben sogar laut Zählung des Statistischen Bundesamts. Damit diese Zahlen wieder kleiner werden, ist es erstmal wichtig, die Warnschilder "Wildwechsel" immer zu beachten. Die meisten Kollisionen gibt es mit Rehen und Hirschen. Der Deutsche Jagdverband stellt zudem fest, dass Unfälle mit Wildschweinen stark zunehmen.

Wann ist eigentlich Wildwechsel?

Wild wandert eigentlich immer. Wo das Verkehrsschild darauf hinweist, sollten Sie immer konzentriert und vor allem nicht zu schnell zu fahren und bremsbereit zu sein. Besonders in der Dämmerung, nachts und bei Nebel sollten Sie Wald- und Straßenränder besonders im Visier haben. Unfallstatistiken zeigen, das Wild springt meist in kurzer Entfernung vor einem Fahrzeug auf die Straße.

Zeitumstellung als Gefahr für die Tiere

Von September bis Januar und von Juli bis August sind viele Tiere besonders quirlig, denn sie sind auf "Brautschau", also brunftig. Ihre Reaktionen sind dann für Auto- und Motorradfahrer noch gefährlicher. Im Herbst kommt es besonders häufig zu Wildunfällen. Der ADAC rät, im Herbst auf Straßen mit Wildwechselgefahr zwischen 17 Uhr abends und 8 Uhr früh besonders wachsam zu sein, weil das Wild in dieser Zeit am aktivsten ist.

Auch im Frühjahr müssen wir aufpassen. Die Umstellung von Winter- auf Sommerzeit kann zu mehr Unfällen führen. Während der Berufsverkehr eine Stunde früher beginnt, haben sich die Tiere noch nicht an den neuen Rhythmus angepasst. Bis zu zwei Wochen kann es dauern, bis sich das Wild an die neuen Verkehrszeiten gewöhnt hat. Außerdem sprießen im Frühling Pflanzen, die den Tieren als Nahrung dienen. Wild ist dann häufiger unterwegs um neue Futterstellen zu finden.

Wildwechsel: Mit Fernlicht fahren?

Ein Tipp des Deutschen Jagdverbands: Insofern es der Verkehr zulässt, möglichst mit Fernlicht fahren, da die Augen der Tiere wie Rückstrahler aus dem Dunkel leuchten und man sie so früher erkennen kann. Sehen Sie am Straßenrand ein Reh stehen, müssen Sie sofort abblenden, bremsen und hupen. Laut Jagdverband bringt das blendende Licht die Orientierung von Reh und Wildschwein durcheinander - schlimmstenfalls springen sie sogar in Richtung der Lichtquelle los. Außerdem warnt der Jagdverband: Ein Tier kommt selten allein, rechnen Sie immer mit "Nachzüglern".

Aber nicht nur im Verkehr sollten Sie auf Wildtiere achten. Auch in Waldgebieten (z.B. auf Rastplätzen und Wegen) sollen die Tiere ihre Ruhe haben - auch vor Hunden. Die Waldbewohner könnten aufgeschreckt werden und auf die Straßen laufen.

Wie verhalte ich mich bei einem Wildunfall?

Generell raten der Deutsche Jagdverband wie auch etwa die Bayerische Versicherungskammer (BVK), lieber einen Zusammenprall mit dem Tier zu risikieren als durch ein Ausweichmanöver in den Gegenverkehr oder die Baumreihe zu fahren - die Unfallfolgen sind hier meist viel schlimmer.

Bei kleinen Wildtieren wie Fuchs oder Hase bitte keine Vollbremsung hinlegen; es kann zu Unfällen mit dem nachfolgenden Verkehr kommen, die gefährlicher sind als der Wildunfall selbst. Kommt es aber zu einem Zusammenprall etwa mit einem Wildschwein oder Hirschen, sind die Folgen gravierender.
Daher zwar so intensiv wie möglich abbremsen, aber trotzdem Lenkrad festhalten und in der Spur bleiben.

Wildunfall immer melden - bei Polizei und Jäger

Hat es tatsächlich gescheppert, gilt wie bei allen Unfällen: Warnblinkanlage einschalten, Unfallstelle absichern und falls nötig, Verletzte versorgen. Erst dann das tote Tier an den Randstreifen legen, damit keine Folgeunfälle passieren. Ein Hinweis des Jagdverbands ist hier, wegen Tollwutgefahr das Tier nicht mit bloßen Händen anzufassen. Und auch keinesfalls als Sonntagsbraten mitnehmen - sonst droht eine Strafanzeige wegen Wilderei!

Der Rehbock hat die Windschutzscheibe beim Aufprall durchschlagen und liegt tot im Fußraum des PKW. Der Fahrer wurde dabei leicht verletzt.

Angefahrene und verletzte Tiere sollten Sie dagegen liegenlassen und nicht berühren. Verletztes Wild kann sehr aggressiv, aber auch in Panik gefährlich werden. Flieht das Unfallopfer, sollte man nicht folgen. Für die Meldung bei der Polizei bzw. dem Förster besser die Fluchtrichtung und genauen Koordinaten abgeben. Jäger oder Förster kümmern sich dann um das verletzte Tier.

In Bayern gilt eine Meldepflicht bei Wildunfällen. Die Beamten verständigen dann den Revierinhaber bzw. Förster. Lassen Sie sich dann eine Bescheinigung über den Wildunfall ausstellen - der Deutsche Jagdverband bietet sie als Download auf jagdverband.de an. Die Wildschadenbescheinigung ist wichtig für den Schadensersatzanspruch bei der Versicherung.

Wildunfall - immer fotografieren

Eine Vollkaskoversicherung zahlt für den entstandenen Schaden am Auto. Auch ihre Teilkaskoversicherung sollte in der Regel Wildschäden übernehmen. Allerdings muss es sich um einen Crash mit "Haarwild" handeln – also beispielsweise Hirsch, Wildschwein oder Hase.
Die BVK gibt zudem den wichtigen Hinweis: Der Autofahrer muss den Unfall beweisen können: "Fotografieren Sie die Schäden am Auto und wenn möglich, auch das Tier. Haare und Blutspuren am Wagen sollten ebenfalls auf Bildern festgehalten werden. Notieren Sie sich außerdem Namen und Telefonnummern von Zeugen," heißt es auf der BVK-Website.


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