Bayern 1


86

Impfzentrum Corona Wie bekommt man einen Termin, um sich gegen Corona impfen zu lassen?

Die Impfung gegen Corona ist derzeit die einzige Möglichkeit, die Pandemie zu beenden. Doch wie bekommt man einen Termin in den Impfzentren Bayerns? Alle Details hier.

Stand: 04.03.2021

Covid | Bild: mauritius-images

Impfzentrum Bayern Terminvergabe?

Wer in Bayern wohnt und sich gegen das Coronavirus impfen lassen will, hat verschiedene Möglichkeiten sich für eine Impfung anzumelden: Man kann sich telefonisch und auch online melden.

Sie können jedes regionale Impfzentrum in Bayern direkt telefonisch erreichen. Hier finden Sie eine Übersicht über die Telefonnummern aller Impfzentren in Bayern. Oder Sie kontaktieren die bundesweit einheitliche Rufnummer 116 117. Die Hotline verbindet Sie direkt mit dem für Sie zuständigen Impfzentrum.

Online erreichen Sie das Impfportal unter www.impfzentren.bayern (Wichtig: Tippen Sie "Impfzentren" und nicht "Impfzentrum" in Ihre Browserzeile ein).

Online-Anmeldung zum Impfen

Das Online-Registrierungssystem besteht aus zwei Stufen: Anmeldung und Terminvergabe. Anmelden können Sie sich jederzeit. Dafür benötigen Sie lediglich eine Mailadresse. Mittlerweile ist es auch möglich mehrere Personen auf eine Mailadresse anzumelden.

Man kann sich in den bayerischen Impfzentren nur mit einem Termin impfen lassen. Diese werden nach der jeweiligen Priorisierung vergeben.

Unter www.impfzentren.bayern melden Sie sich mit einer Mailadresse an und wählen selbst ein Passwort. Im Anschluss bekommen Sie eine Mail, um Ihre Mailadresse zu verifizieren. Danach werden persönliche Daten abgefragt, wie Geburtsdatum und Adresse (auch, ob Sie in einer Gemeinschaftseinrichtung wohnen). Sie müssen angeben, ob Sie in Pflege- oder medizinischen Einrichtungen arbeiten, in Schulen oder Kindergärten, in Einrichtungen zur Aufrechterhaltung des öffentlichen Lebens oder sonstigen Berufen mit hohem Personenkontakt. Ebenso müssen Sie angeben, an welchen Vorerkrankungen Sie leiden, ob Sie bereits eine labordiagnostisch bestätigte COVID-19 Erkrankung hatten, Schwanger sind oder stillen. Danach ist der Anmeldevorgang abgeschlossen und Sie werden kontaktiert, wenn Sie sich impfen lassen können. So erhalten Sie dann auch einen Termin. Sollten Sie Fehler in Ihren Angaben gemacht haben, lassen sich diese jederzeit bearbeiten und ändern.

Eine weitere Kontaktaufnahme mit dem für Sie zuständigen Impfzentrum ist nicht nötig. Die zuständigen Behörden bitten darum, auf Nachfragen zu verzichten, da dies die Kapazitäten der Impfzentren belastet und zu Verzögerungen im Ablauf der Terminvereinbarungen führt. Übrigens: Eine frühzeitige Registrierung führt nicht zu einem schnelleren Impftermin.

Wie erfahre ich, ob ich geimpft werden kann?

Wenn Sie sich, wie oben beschrieben, online angemeldet haben, dann werden Sie per SMS und E-Mail benachrichtet, dass Sie sich jetzt einen Impftermin aussuchen können. Die Termine können relativ spontan am nächsten Tag oder innerhalb der kommenden Woche vergeben werden. Mit der Terminbestätigung erfahren Sie auch sofort, welchen Impfstoff Sie erhalten.

Wo kann ich mich mit dem Covid-Impfstoff impfen lassen?

In jedem Landkreis und in jeder Stadt sind Impfzentren eingerichtet. Wenn Sie einen Termin erhalten, dann fahren sie zu dem Impfzentrum in Ihrer Nähe. Die Adesse wird Ihnen aber auch bei der Terminvergabe mitgeteilt. Zudem gibt es mobile Impfteams für bewegungseingeschränkte Menschen und Pflegeeinrichtungen. Hier finden Sie die Impfzentren in Bayern.

Die Zentren haben eine Brückenfunktion. Sie sollen so lange die Massenimpfung übernehmen, bis die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte in Deutschland diese Aufgabe weiterführen können.

Wie läuft die Impfung ab?

Zu Ihrem Impftermin müssen Sie einen Personalausweis oder Reisepass, den Impfpass und wenn Sie im pflegerischen Bereich etc. tätig sind gegebenenfalls eine Bescheinigung vom Arbeitgeber mitbringen. In manchen Landkreisen werden Sie zudem darum gebeten Ihren Anmeldebogen selbst zu Hause auszurucken und mitzubringen.

Obwohl Sie einen festen Termin erhalten, rechnen Sie mit Wartezeit. Je nach Größe des Impfzentrums werden bis zu mehrere hundert Menschen zur selben Uhrzeit einbestellt. Daher kann es, wie bei Arztterminen auch zu Wartezeiten kommen. Die Helfer vor Ort tun das bestmögliche, um die Wartezeit so angenehm wie möglich zu gestalten. Sie bringen Rollstühle für ältere Menschen und kümmern sich darum, dass niemand friert, nass wird oder in der prallen Sonne steht.

Im Impfzentrum selbst gibt es verschiedene Stationen: Sie melden sich an, Ihre Körpertemperatur wird gemessen, Ihre Angaben bezüglich Vorerkrankungen etc. werden erneut gecheckt und Sie müssen einige Formulare ausfüllen und unterschreiben. Danach betreten Sie eine Impfkabine, in der Sie ein Arzt über alles, was Sie wissen müssen, aufklärt, für alle Fragen bereitsteht und Ihnen die Impfdosis in den linken Oberarm spritzt. Nach einer kurzen Ruhezeit nach der Impfung sind Sie dann entlassen. Direkt mit dem ersten Termin erhalten sie auch den Termin für die zweite Dosis drei Wochen später. Bringen Sie zum zweiten Impftermin unbedingt Ihre Unterlagen und alle Zettel, die Sie beim ersten Termin erhalten, mit. Ebenso sollten Sie nie ihren Personalausweis und den Impfpass vergessen. Bitte bewahren Sie diese Unterlagen auch nach der Impfung auf.

Kann man zwischen den unterschiedlichen Impfstoffen wählen?

Nein. Welchen Impfstoff Sie bekommen hängt davon ab, welche Impfstoffe gerade wie verfügbar sind und auch, ob sie über oder unter 65 Jahre alt sind. Denn die Ständige Impfkommission empfiehlt den Impfstoff von AstraZeneca nur an Menschen unter 65 Jahren zu verabreichen.

Virologe Prof. Klaus Stöhr beantwortet viele Fragen rund um den Impfstoff im BAYERN 1 Interview vom 23.12.2020:

Seit wann wird in Deutschland geimpft?

Am 26. Dezember 2020 kam die erste Lieferung eines Corona-Impfstoffes per Spezialtransport, tiefgekühlt und streng bewacht, in Bayern an. Am 27. Dezember wurden die ersten Menschen geimpft.

Wer wird zuerst geimpft?

In Deutschland gibt es keine Impfpflicht.

Wer wann geimpft wird, regelt eine Impfverordnung. Die erste Verordnung hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn am 18. Dezember 2020 unterschrieben, die zweite Impfverordnung trat am 8. Februar 2021 in Kraft. Beide Verordnungen beruhen auf Kategorien, die von der der Ständigen Impfkommission (STIKO) des Robert Koch-Instituts (RKI) erstellt wurden und die die Bevölkerung nach Dringlichkeit einteilt.

Als erstes werden Personen geimpft, die aufgrund ihres Alters oder ihres Gesundheitszustandes ein signifikant erhöhtes Risiko für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf haben, sowie Personen, die solche behandeln, betreuen oder pflegen.

Das bedeutet: Personen, die das 80. Lebensjahr vollendet haben. Personen, die in stationären und teilstationären Einrichtungen zur Behandlung, Betreuung oder Pflege älterer oder pflegebedürftiger Menschen behandelt, betreut oder gepflegt werden oder tätig sind. Personen, die im Rahmen ambulanter Pflegedienste regelmäßig ältere oder pflegebedürftige Menschen behandeln, betreuen oder pflegen, sowie Personen, die im Rahmen der ambulanten Pflege Begutachtungs- oder Prüftätigkeiten ausüben. Zur ersten Kategorie gehören auch Personen, die in Bereichen medizinischer Einrichtungen mit einem sehr hohen Expositionsrisiko in Bezug auf das Coronavirus SARS-CoV-2 tätig sind, insbesondere auf Intensivstationen, in Notaufnahmen, in Rettungsdiensten, als Leistungserbringer der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung, in den Impfzentren im Sinne von § 6 Absatz 1 Satz 1 sowie in Bereichen, in denen für eine Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 relevante aerosolgenerierende Tätigkeiten durchgeführt werden. Und Personen, die in medizinischen Einrichtungen regelmäßig Personen behandeln, betreuen oder pflegen, bei denen ein sehr hohes Risiko für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf nach einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 besteht, insbesondere in der Onkologie oder Transplantationsmedizin.

Danach folgen alle Personengruppen, die durch ihren Beruf einem sehr hohen Expositionsrisiko ausgesetzt sind und jene, die in zentralen Bereichen der Daseinsvorsorge und für die Aufrechterhaltung zentraler staatlicher Funktionen eine Schlüsselstellung einnehmen. Auch Risikopatienten wie Menschen mit Krebserkrankung, Personen mit schwerer Lungenerkrankung (COPD/Mukoviszidose), sehr ausgeprägter Adipositas, schwerem Diabetes mellitus, chronischer Leber- oder Nierenerkrankung, Personen mit einer chronischen neurologischen Erkrankung sowie einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung werden als erstes geimpft. Und auch auch Personen mit einer schweren psychiatrischen Erkrankung fallen in die erste Kategorie.

Für einen Termin im Impfzentrum müssen Sie zur entsprechenden Kathegorie gehören, die aktuell geimpft wird.

Danach folgen Menschen über 70 Jahre, Kontaktpersonen von Pflegebedürftigen und Schwangeren, Bereitschaftspolizisten sowie Menschen in Asyl- oder Obdachlosenunterkünften. Danach werden über 60-Jährige, Risikopatienten, Mitarbeiter in besonders relevanten Positionen in staatlichen Einrichtungen z.B. in Regierungen, bei der Polizei, der Feuerwehr, im Bildungssektor oder bei der Justiz geimpft. Hier finden Sie mehr Informationen über die verschiedenen Impfkategorien.

Wer wir innerhalb einer Priorisierungsgruppe zuerst geimpft?

Laut dem Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege werden auch in den jeweiligen Priorisierungsgruppen Personen getrennt nach Geburtsjahrgängen, beginnend mit den ältesten Jahrgängen, zeitversetzt zur Schutzimpfung eingeladen.

Die Gruppierung beruht auf ethischen und rechtlichen Überlegungen sowie komplexen Modellrechnungen. Dort wurden epidemiologische und gesundheitsökonomische Auswirkungen verschiedener Impfstrategien berechnet, wie: Wie vermeidet man Todesfälle und Klinikeinweisungen? Wie lässt sich die Ausbreitung des Virus effektiv stoppen und das knappe Gut 'Impfstoff' gerecht verteilen? Und: Was kann der Impfstoff überhaupt, wie wirkt er?

Wann werden Menschen mit Krebs und anderen schweren Krankheiten geimpft?

Bürgerinnen und Bürger, bei denen auf Grund ihrer gesundheitlichen Situation ein sehr hohes Risiko für einen schweren oder sogar tödlichen Krankheitsverlauf einer Infektion mit SARS-CoV-2 besteht, haben die Möglichkeit bei der Impfkommission prüfen zu lassen, mit welcher Priorität – also wann – sie die Corona-Schutzimpfung bekommen können. In vielen Fällen bekommen diese sofort einen Impftermin.

Wie funktioniert der Übergang von einer Priorisierungsgruppe zur nächsten?

Es ist von Landkreis zu Landkreis sehr unterschiedlich, wann alle Personen in einer Priorisierungsgruppe vollständig geimpft sind. In Landkreisen mit einem hohen Altersdurchschnitt kann es länger dauern, bis alle Menschen über 80 Jahren einen Termin bekommen. Die Impfzentren gehen bei der Terminvergabe gemäß der Coronavirus-Impfverordnung (CoronaImpfV) vor. Sind alle Personengruppen der höchsten Priorisierung geimpft, werden diejenigen für einen Termin kontaktiert, die der zweiten Priorisierungsgruppe angehören.

Laut dem Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege kann in Einzelfällen gemäß § 1 Abs. 2 CoronaImpfV von diesem Vorgehen abgewichen werden, wenn dies für eine effiziente Organisation und zur kurzfristigen Vermeidung des Verwurfs von Impfstoffen notwendig ist. Insbesondere bei einem Wechsel in die nächste Priorisierungsgruppe.

Was kostet die Impfung gegen COVID-19?

Der Impfstoff ist in Deutschland kostenlos. Die Kosten für den Impfstoff, aber auch für den Aufbau und die Organisation von Impfzentren, werden von Bund, Ländern und aus Mitteln der Krankenversicherungen getragen.

Ist man nach der Impfung noch ansteckend?

Studien zeigen, dass der Impfstoff eine COVID-19 Erkrankung verhindert. Man kann jedoch nicht ausschließen, dass der Körper das Virus trotzdem aufnimmt. So kann es sein, dass man trotz Impfung das Virus mit sich herumträgt. Man kann also theoretisch jemanden anstecken, obwohl man selbst nicht krank ist.

Beim Impfstoff von Biontech und Pfizer gibt es erste Hinweise, dass er auch vor Ansteckung schützt. Zu dem Ergebnis kommt eine israelische Studie. Die Untersuchung basiere auf Daten von 1,7 Millionen Geimpften und sei von den Herstellern selbst zusammen mit dem israelischen Gesundheitsministerium vorgenommen worden. Bisher wurden jedoch keine konkreten Daten veröffentlicht (Stand: 01.03.21).

Wie lange wirkt die Impfung?

Die Hersteller des Covid-Impfstoffs gehen davon aus, dass der Schutz der Impfung mindestens zwei Jahre hält – vielleicht sogar deutlich länger. Um diese Frage aber mit Sicherheit beantworten zu können, müssen die Testgruppen weiterhin beobachtet werden. Aktuell kann man darüber also keine gesicherte Aussage treffen.

Welche Nebenwirkungen gibt es?

Von den Impfstoffen, die in Europa eine Zulassung erhalten haben, sind bisher keine gravierenden Nebenwirkungen bekannt. In den Tagen nach der Impfung kann es zu Kopfschmerzen, Müdigkeit oder Schmerzen an der Einstichstelle kommen, ähnlich wie bei allen anderen Impfungen auch.

Welche Langzeitschäden der Impfung sind bekannt?

Natürlich sind zum jetzigen Zeitpunkt keine Langzeitschäden bekannt, da seit der Impfung bei den ersten Probanden nicht genug Zeit vergangen ist. Allerdings erfolgt die Zulassung eines Impfstoffes immer nur unter der Auflage, weitere Daten zu sammeln. Hersteller und Forschungsinstitute sind dazu verpflichtet, Geimpfte zu beobachten und Langzeitnebenwirkungen zu vermerken. Zudem gibt es in Deutschland eine Arzneimittelüberwachungsbehörde, deren Aufgabe genau darin besteht, seltene Nebenwirkungen und Langzeitfolgen im Blick zu haben.

Wie hoch muss die Impfquote sein?

Dem Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) zufolge genügt eine Immunisierung von etwa zwei Dritteln der Bevölkerung, um die Verbreitung von Corona aufzuhalten. Nach Ansicht von Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist eine Durchimpfungsrate von 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung nötig. Das wären in Deutschland mindestens rund 50 Millionen Menschen, die sich impfen lassen müssten.

Welcher Impfstoff gegen COVID-19 ist in Europa zugelassen?

In Europa sind aktuell drei Impfstoffe gegen Corona zugelassen: "BNT162b" von der Firma BioNTech aus Mainz und dem US-amerikanischen Unternehmen Pfizer, "mRNA-1273" vom US-Pharmakonzern Moderna und ein Covid-19-Impfstoff des britisch-schwedischen Pharmaunternehmens AstraZeneca. 

Die Impfung erfolgt bei allen drei Stoffenn in zwei Dosen. Nur der Abstand ist je nach Impfstoff unterschiedlich: Für den Impfstoff von BioNTech sind das 3-6 Wochen, für Moderna 4-6 Wochen und für AstraZenecca 9-12 Wochen. Die Studienergebnisse zeigen, dass die Impfung von Biontech und Moderna in 94-95 Prozent der Fälle den Ausbruch von COVID-19 verhindern. Bei dem Impfstoff von AstraZeneca hängt die Wirksamkeit von der Dosierung ab. Im Durchschnitt betrug die Wirksamkeit aber 70 Prozent.

Bei dem Impfstoff von AstraZeneca empfiehlt die Ständige Impfkommission diesen nur an Menschen unter 65 Jahren zu verabreichen. Laut STIKO liegen für die Beurteilung der Impfeffektivität bei älteren Menschen bisher keine ausreichenden Daten vor.

Symbolbild: Gespräch zwischen Ärztin und Patient  | Bild: mauritius-images zum Artikel Corona Impfstoff Wie fühlt man sich als Corona-Impfstoff-Tester?

Weltweit wird an einem Corona-Impfstoff geforscht. Einer der Stoffe, die jetzt zugelassen sind kommt von der Firma BioNTech aus Mainz und Pfizer aus USA. Joe nahm und nimmt an ihrer Impfstudie teil und erzählt im exklusiven BAYERN 1 Interview von seinen Erfahrungen. [mehr]

Wie lange ist Impfstoff haltbar?

Der Impfstoff von BioNTech und Pfizer "BNT162b2" kann nur bei einer Temperatur von -70 °C transportiert und gelagert werden. Der von Moderna bei minus 20 Grad. Das bedeutet einen großen logistischen Aufwand. Mittlerweile wurde der Stoff überarbeitet und aus den aktualisierten Handlungsempfehlungen von Biontech geht hervor, dass der Impfstoff auch schon als fertige Dosis in der Spritze bis zu sechs Stunden bei 2 bis 8 Grad transportiert werden kann. Damit kann die Impfkampagne flexibler gestaltet werden. "mRNA-1271" von Moderna kann 30 Tage lang im normalen Kühlschränk bei Temperaturen rund um 2° bis 8 °C gelagert werden. Der AstraZeneca Impfstoff kann bei normaler Kühlschranktemperatur von 2 bis 8 Grad mindestens sechs Monate aufbewahrt werden.

Wie funktioniert eine mRNA-Impfung?

Bei altbewährten Impfungen, wie den Impfungen gegen Masern oder Grippe, werden Lebend- oder Totimpfstoffe verwendet. Man injiziert also das Virus in abgeschwächter oder zerstörter Form und wartet auf die Reaktion des Körpers. Dieser bildet Antikörper und wird gegen das Virus immun. Mit dieser klassischen Impfung wird das Abwehrsystem des Körpers quasi trainiert. Man spricht von einer aktiven Impfung.

"Dieser Impfstoff wird die gesamte Impfstofftechnologie in den nächsten 10 bis 15 Jahren revolutionieren."

Epidemiologe Klaus Stöhr im BAYERN 1 Interview

Die Corona-Impfstoffe funktionieren nach einem anderen Prinzip. Bei der Entwicklung des Corona-Impfstoffs setzen die Pharmakonzerne auf mRNA-Impfstoffe oder sogenannte Vektorimpfstoffe. mRNA bedeutet "messenger RNA" bzw. ribonucleic acid. Ins Deutsche übersetzt - Ribonucleinsäure, weshalb der Stoff oft auch als RNS abgekürzt wird. mRNA ist nichts anderes als ein Bauplan für das Oberflächenprotein des Corona-Virus. Bei der Impfung wird also nicht das Virus selbst und auch nicht das Protein direkt gespritzt, sondern nur der genetische Code dafür. Dieser ist an sich vollkommen ungefährlich. Sowohl der Biontech Impfstoff als auch der von Moderna sind mRNA-Impfstoffe.

Einfach erklärt: Sie bekommen den Bauplan für ein Regal und müssen sich Holz, Bretter und Schrauben selbst im Keller zusammensuchen. mRNA, also der genetische Code, der Bauplan, gelangt in die Zelle und wird dort abgelesen. Unser Körper entwickelt daraufhin das Oberflächenprotein des Corona-Virus. Er baut die Oberfläche des Virus nach mit allem Material, das der Körper selbst zur Verfügung stellt. Unser Immunsystem erkennt die Struktur des Virus und produziert passende Antikörper. Von hier an funktioniert es wie bei einer aktiven Impfung. Das Abwehrsystem wird trainiert und ist so für den Notfall vorbereitet. Die mRNA selbst existiert nur ein paar Stunden in unserem Körper und wird dann wieder abgebaut.

Bisher gibt es weltweit keine Impfung, die nur mRNA enthält. Diese Technik könnte die Impftechnologie komplett revolutionieren.

Der Vorteil dieser Impfungen liegt darin, dass man den Impfstoff einfacher und in kürzerer Zeit in großem Stil herstellen kann. Bei herkömmlichen Impfungen muss man das Virus erst vermehren, um es dann direkt zu impfen. Trotzdem gibt es bisher weltweit keine Impfung, die nach diesem Prinzip funktioniert, also bei der nur mRNA gespritzt wird.

Was ist der Unterschied zwischen einem mRNA-Impfstoff und Vektorimpfstoff ?

Der AstraZeneca-Impfstoff ist ein sogenannter Vektorimpfstoff. Dabei wird die mRNA in ein abgeschwächtes Trägervirus verpackt, das für den Menschen nicht schädlich ist. Dieses Trägervirus bringt Teile des Erbmaterials des Virus in die Zelle. Die menschliche Zelle baut diese Teile des Virus nach. Auf diese Proteine reagiert das Immunsystem und bildet Antikörper.

Der Vorteil dieser Impfungen liegt darin, dass man den Impfstoff einfacher und in kürzerer Zeit in großem Stil herstellen kann. Bei herkömmlichen Impfungen muss man das Virus erst vermehren, um es dann direkt zu impfen. Trotzdem gibt es bisher weltweit keine Impfung, die nach diesem Prinzip funktioniert, also bei der nur mRNA gespritzt wird.

Wie wird ein Impfstoff entwickelt und getestet?

Bevor man einen Impfstoff entwickeln kann, muss man sich zunächst das Virus genau anschauen. In der sogenannten präklinischen Phase wird festgelegt, welche Bestandteile das Virus hat und was das für den Impfstoff bedeutet. Danach wird der Impfstoff an Tieren erprobt. Dieser Schritt wurde bei der Corona-Impfstoffenwicklung verkürzt. Anschließend wird er in einem dreistufigen Verfahren an Freiwilligen getestet. In Phase I testet man die Verträglichkeit eines Impfstoffs und seine Fähigkeit, eine Immunabwehrreaktion hervorzurufen. Das passiert an maximal 100 gesunden Freiwilligen. In der Phase II bekommen dann mehrere hundert Freiwillige die richtige Dosis gespritzt. Auch hier geht es darum, wie der menschliche Körper den Stoff verträgt. In Phase III erhalten mehrere tausend bis mehrere zehntausend Freiwillige den Impfstoff. Im Alltag soll erprobt werden, ob er wirklich vor einer Infektion schützt und sicher ist. Seltene Nebenwirkungen werden erkennbar. Phase III ist meistens für mehrere Jahre angelegt, um auch Langzeitfolgen zu erkennen. Die aktuellen Corona-Impfstoffe stecken mitten in Phase III. Trotzdem wurde das Zulassungsverfahren bereits eingeleitet bzw. sind Zulassungen erteilt.

Wie funktioniert die Zulassung eines Impfstoffs?

Ein Impfstoff erhält in Deutschland nur dann eine Zulassung, wenn nachgewiesen ist, dass er wirksam und verträglich ist. Diesen Nachweis muss der Hersteller durch vorklinische und klinische Untersuchungen selbst erbringen.

Bei der Zulassung des Corona-Impfstoffes wurden vorklinische Studien und bürokratische Prozesse abgekürzt. Deshalb ging alles viel schneller.

In Europa entscheidet die Europäische Kommission, ob ein Impfstoff zugelassen wird oder nicht. Die Kommission wird beraten von der Europäische Arzneimittelagentur EMA. Diese spricht eine Empfehlung aus oder eben nicht.

Der Impfstoff wird von Expertinnen und Experten der nationalen Arzneimittelbehörden Europas bewertet, also auch von den Experten des deutschen Paul-Ehrlich-Instituts. Sie bilden einen Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) und beurteilen, ob die Vorteile eines Impfstoffs nach EU-Arzneimittelgesetzgebung weitaus größer sind als alle Nebenwirkungen oder potenziellen Risiken. Zudem werden Einschätzungen zur Wirkung des Arzneimittels von Experten gesammelt und die vorgelegten Daten der Studien kontrolliert. Denn die Studien am Impfstoff werden bis zu diesem Zeitpunkt von den Pharmafirmen, die den Impfstoff entwickeln, selbst durchgeführt. Es ist wichtig, dass unabhängige Experten die Daten prüfen. Am Ende bewertet der Ausschuss für Risikobewertung im Bereich der Pharmakovigilanz (PRAC) die Arzneimittelsicherheit.

Für den Corona-Impfstoff wurden die Prozesse der Zulassung beschleunigt. Das bedeutet nicht, dass weniger Studien durchgeführt wurden als bei anderen Impfstoffen, sondern lediglich, dass Pharmafirmen ihre Impfstoffe bereits während der Phase III der klinischen Studien bei der EMA melden können. Vorklinische Studien und bürokratische Prozesse wurden abgekürzt. Die Prozesse wurden fusioniert.

Zudem ging die Impfstoffentwicklung für den Coronaimpfstoff deshalb so schnell, weil von vielen Seiten viel Geld investiert wurde. Damit konnten Studien ohne Zeitverzögerung in großem Stil durchgeführt werden.


86