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Kreuzimpfung Erst AstraZeneca und dann? Wie gut bin ich bei einer Kreuzimpfung geschützt?

Viele, die bisher einmal mit AstraZeneca geimpft wurden, fragen sich jetzt, wo der Impfstoff wohl ausläuft: Ist eine Impfung mit zwei verschiedenen Impfstoffen überhaupt wirksam - oder kann sie sogar gefährlich sein? Wir klären die wichtigsten Fragen mit BAYERN 1 Wissenschaftredakteurin Jeanne Turczynski.

Stand: 08.06.2021 | Archiv

AstraZeneca-Impfstoff | Bild: mauritius-images

Es geht voran beim Impfen - wenn auch langsam. 5.747.661 Bayern wurden bisher zumindest einmal geimpft (Stand: 7. Juni). Viele davon mit dem Impfstoff von AstraZeneca (offizieller Markenname seit Ende März "Vaxzevria").  

Zuerst wurde AstraZeneca nur an Menschen unter 65 Jahren verimpft, dann nur an über 60-Jährige, dann wurde die Impfreihenfolge für diesen Impfstoff ganz aufgehoben - und die EU hat jetzt erstmal kein weiteren AstraZeneca Impfstoff mehr bestellt. Was heißt, dass der Impfstoff wohl allmählich ausläuft.

Werden jetzt AstraZeneca-Impfdosen für die Zweitimpfungen zurückgehalten?

Derzeit noch unklar: Wird im Juni AstraZeneca-Impfstoff geliefert?

Wird es im Juni 2021 genügend AstraZeneca-Impfstoff in den niedergelassenen Arztpraxen geben, um sich zweitimpfen zu lassen? BAYERN 1 Wissenschaftsredakteurin Jeanne Turczynski erklärt dazu: "Grundsätzlich gab es aus dem Bundesgesundheitsministerium die Angabe, dass Arztpraxen jetzt zunehmend mehr Impfstofflieferungen von AstraZeneca erhalten sollen und die anderen mRNA-Impfstoffe vor allem in den Impfzentren verimpft werden. Allerdings: Wenn man auf die Seite des Ministeriums geht, wo konkrete Lieferangaben gemacht werden, dann steht da für Juni zunächst mal gar nichts. Was daran liegt, dass AstraZeneca immer sehr kurzfristig Angaben dazu macht, wann was geliefert wird. Insofern ist es derzeit tatsächlich noch unklar, ob im Juni und in welchem Umfang dann AstraZeneca-Impfstoff geliefert wird."

Kreuzimpfung mit zwei verschiedenen Impfstoffen - ist das gefährlich?

Immunologisch gibt es kein Problem, betont Jeanne Turczynski - die Impfstoffe "vertragen" sich: "Es gibt also keinerlei Gefahr, dass die Impfstoffe miteinander oder aufeinander reagieren könnten - da braucht sich niemand Sorgen zu machen."

Wie gut schützt mich eine Kreuzimpfung vor Corona?

Eine gesicherte Antwort gibt es auf diese Frage zwar noch nicht, aber immerhin einen deutlichen Hoffnungsschimmer. "Dazu gibt es tatsächlich bisher noch keine guten (= belastbaren; Anm.d.Red) Daten", sagt Jeanne Turczynski. "Studien dazu laufen in Großbritannien - aber da wird es mit Ergebnissen wohl noch etwas dauern. Im Laufe des Mai ist damit noch nicht zu rechnen. Deswegen hat auch die Weltgesundheitsorganisation WHO bisher diese Kreuzimpfung nicht empfohlen." Die Wissenschaftsredakteurin betont aber auch: "Was wir wissen aus früheren Studien zur Immunisierung mit unterschiedlichen Impfstoffen: Das kann tatsächlich auch eine bessere Immunantwort auslösen. Beide Impfstoffe stacheln gewissermaßen unterschiedliche Formen des Immunsystems an, lösen unterschiedliche Immunantworten aus - und das kann dann sogar besser funktionieren. Dafür sprechen zumindest erste Ergebnisse, die wir in Tierversuchen gesehen haben."

Über sogenannte heterologe Impfungen, also Impfungen mit zwei verschiedenen Arten von Impfstoffen, schreibt das Robert Koch-Institut:

"Die STIKO betrachtet eine heterologe Impfung von Personen <60 Jahren nicht nur als wirksam, sondern auch als sicherer als die zweimalige Gabe der COVID-19-Vaccine Vaxzevria (AstraZeneca)." Robert Koch Institut

Kann ich überhaupt noch AstraZeneca als Erstimpfung bekommen?

In den Impfzentren wird in Bayern derzeit nicht mehr mit AstraZeneca erstgeimpft.

"Wer sich beim Hausarzt impfen lässt, muss sich beraten lassen und kann beides machen", erklärt Jeanne Turczynski, "denn nach Beratung ist ja durchaus eine Erstimpfung mit AstraZeneca auch bei Menschen unter 60 möglich, wenn man informiert wurde über die bestehenden (sehr seltenen) Risiken von Nebenwirkungen. Wenn man das will, kann man sich also mit AstraZeneca erstimpfen lassen."

Soll ich mich überhaupt noch mit AstraZeneca impfen lassen?

Für Wissenschaftsredakteurin Jeanne Turczynski ist die Antwort klar: "Ich halte den Impfstoff von AstraZeneca nach wie vor für einen sehr guten Impfstoff und würde tatsächlich jeden Impfstoff nehmen, der zur Verfügung steht - denn er schützt auf jeden Fall vor Infektionen und vor schweren Verläufen."

Und weiter: "Nachdem wir auch wissen, dass er gut kombinierbar ist mit anderen Impfstoffarten, sehe ich überhaupt kein Problem - selbst wenn er später nicht mehr so zur Verfügung stehen sollte und man eine Auffrischungsimpfung bräuchte, dann wäre auch das kein Problem, wenn man sich mit einem Vektorimpfstoff von AstraZeneca hat impfen lassen."


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