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Insektenstiche Was hat mich gestochen? Warum wir auf manche Mückenstiche extrem reagieren

Nicht immer erwischt man den Übeltäter auf frischer Tat - woran Sie erkennen, welches Insekt Sie gestochen hat und wann Sie unbedingt einen Arzt aufsuchen müssen.

Stand: 14.07.2022

Mann steht in einem Garten und kratzt sich am Hals | Bild: mauritius images

Mückenstich - wie sieht er aus

Mücken stechen häufig unbemerkt zu: Während des Stiches injizieren sie nicht nur einen gerinnungshemmenden Stoff, um das Blut saugen zu können, sondern auch eine Art Betäubungsmittel. Wer also Opfer einer Mückenattacke wurde, bemerkt das oft erst etwas später. "Nach dem Stich juckt die Stelle, ist gerötet und es bildet sich eine Quaddel. Die Stelle erhebt sich sozusagen und es sieht ähnlich aus wie nach einem Sturz in eine Brennnessel", sagt Dermatologin Dr. Marion Moers-Carpi.

Nach etwa 20 bis 24 Stunden wird diese Quaddel zu einer Art Knötchen, das nach einiger Zeit abheilt. "Aus Stichen kann sich manchmal bei empfindlicher Haut ein sogenanntes Dermatofibrom bilden: Ein festes Knötchen, das nicht vergeht und das man in der Haut spürt, weil zu viel Bindegewebe abgekapselt wird", sagt Dr. Moers-Carpi. Dermatofibrome seien in den allermeisten Fällen harmlos.

Wer unterwegs - am See oder beim Wandern - gestochen wird, kann Schmerzen und Jucken übrigens ganz einfach mit einem Heilpflaster aus Spitzwegerich lindern.

Was sind Überschwemmungsmücken

Überschwemmungsmücken wie Auwaldmücke und Wiesenmückelegen legen ihre Eier in den Boden und der Nachwuchs schlüpft, wenn das Gebiet überschwemmt wird. Was sie unterscheidet: "Diese Mücken sind anders als unsere Hausmücken. Die Hausmücken sind sehr vorsichtig im Anflug, die kann man mal wegpusten, wegschlagen - dann gehen sie für ein, zwei Minuten wieder auf Tauchgang und fliegen dann wieder an. Das machen die Überflutungsmücken nicht. Überflutungsmücken sind wie kleine Kamikazeflieger. Die setzen an und stechen, um die Blutmahlzeit wirklich schnell zu bekommen", so Dr. Doreen Werner vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung im Interview mit BAYERN 1.

Wie vermeiden - und was hilft, wenn's passiert ist: Tipps zum Schutz vor Mückenstichen

Überschwemmungsmücken - Stiche erkennen

Auf die Stiche dieser Mückenarten reagieren viele Menschen besonders extrem - denn anders als bei Stichen durch Hausmücken, ist unser Immunsystem an diese Stiche nicht gewöhnt, wenn es etwa ein paar Jahre hintereinander eher trockene Sommer gab. Mückenforscherin Werner erklärt das so:

"Die Mücke injiziert einen Proteincocktail in die Wunde, der bei den verschiedenen Mückenarten variiert. Und unser Immunsystem lernt, mit dem Proteincocktail umzugehen. So werden wir Zeit unseres Lebens mit den Hausmücken konfrontiert und unser Immunsystem weiß, dass die Hausmücken uns letztendlich nicht gefährlich sind. Wenn die Überflutungsmücken aktiv sind und wenn Menschen, die in bestimmten Region vielleicht nie oder selten mit ihnen in Berührung kommen, plötzlich von ihnen gestochen werden, dann reagiert das Immunsystem sehr heftig. Dann kann es schon zu größeren Quaddeln und verstärktem Juckreiz kommen."

Bienenstiche - wie erkennt man diese Insektenstiche

Im Gegensatz zu einem Mückenstich ist der Bienenstich deutlich unangenehmer und wird dadurch auch meist schneller bemerkt: Die Stelle schwillt stark an und ist gerötet. Recht eindeutig von anderen Insektenstichen zu unterscheiden ist der Bienenstich, da häufig der Stachel in der Haut bleibt.

"An dem Stachel ist meistens noch so ein kleines Säckchen dran, der Giftsack, und wenn der Stachel noch in der Haut bleibt, dann gibt er meistens noch dieses Bienengift ab und das kann weh tun. Deshalb sollte man den Stachel entfernen", empfiehlt Dermatologin Moers-Carpi.

Wespenstich

Auch bei Menschen ohne Allergie führt ein Wespenstich zu starken Symptomen: "Ähnlich wie bei einem Bienenstich schwillt die Stelle stark an und ist gerötet, nur bleibt eben kein Stachel in der Haut", sagt Moers-Carpi. Wespen können den Stachel aus der Einstichstelle herausziehen und nochmals zustechen. Wer eine Allergie gegen Wespen- oder Bienenstiche hat, sollte immer ein Notfallset bei sich tragen.

Notfallset bei Insektenstichallergie

"Ein Notfallset besteht aus drei Dingen: Ein Antihistaminikum in flüssiger Form, damit der Patient im Notfall  ein schnelle Wirkung hat. Außerdem ein Cortisonpräparat, auch in Form einer Flüssigkeit, und ein Pen, mit dem man sich Adrenalin selber injizieren kann, damit es nicht zum Kreislaufschock kommt"

Dr. Marion Moers-Carpi, Hautärztin

Bremsenstich - woran erkennt man den Insektenstich

Gerade in der Nähe von Gewässern tummeln sich im Sommer häufig Bremsen. Da sie unter anderem von Schweiß angezogen werden, erwischen sie gerne Sportler unter freiem Himmel. "Bremsenbisse sind sehr schmerzhaft, weil Bremsen ein säbelartiges Maulwerkzeug haben, mit dem sie 'beißen' bzw. stechen", sagt Moers-Carpi.

Durch dieses Maulwerkzeug zeigt sich an der Stelle häufig ein kleiner Bluterguss, der als blaues Pünktchen zu erkennen ist. Außerdem kommt es zu einer Schwellung und Rötung um die Stelle und zu starkem Juckreiz.

Kriebelmücke - Stich

Meist einen größeren blauen Fleck hinterlässt ein Biss der Kriebelmücke. Die Kriebelmücke ist ein sogenannter Poolsauger - sie reißt ein kleines Loch in unsere Haut und sagt dann das austretende Blut auf. Und das meist unbemerkt.

Flohstiche

Im Vergleich zu größeren Insekten sind Flohstiche deutlich weniger schmerzhaft - und relativ leicht zu erkennen: "Flohstiche sieht man nie einzeln, es sind immer mehrere gruppiert nebeneinander. Sie sind nicht so groß, ein bisschen erhöht und jucken leicht", sagt Moers-Carpi. Auch wenn der Juckreiz stärker ist, sollten Sie nicht kratzen, weil sich die Stiche dann entzünden können.

Wann sollte ich nach einem Stich zum Arzt?

"Wenn man merkt, dass die Schwellung immer größer wird oder sehr stark ist. Oder wenn man irgendeine Beteiligung der Organe bemerkt, wenn ich zum Beispiel Übelkeit, Atemnot oder Herzrasen bekomme."

Marion Moers-Carpi, Hautärztin

Aber auch, wenn die lokale Reaktion generell sehr stark oder eine besonders empfindliche Region, den Hals oder ein Auge betrifft, rät die Dermatologin dazu, einen Arzt aufzusuchen.

Sie wurden von einer Zecke gestochen? Dann sollten Sie die Stelle genau beobachten. Alle Infos zu FSME und Borreliose finden Sie hier.


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