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Operation oder Stent - Was hilft bei einem Herzinfarkt? | BR24

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Anzeichen eines Herzinfarkts? Ein Mann hält sich die Brust vor Schmerzen.

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    Operation oder Stent - Was hilft bei einem Herzinfarkt?

    Die Leitlinien zur Behandlung von Herzerkrankungen sollen überprüft werden. Der Berufsverband der Herzchirurgen hat seine Unterstützung zurückgezogen, nachdem einigen Patienten nach einem Herzinfarkt eventuell eine falsche Therapie angeboten wurde.

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    In der Regel bekommen Patienten bei Gefäßverengungen zur Unterstützung des Herzens Stents einsetzt. Das sind Implantate, die verhindern sollen, dass die Gefäße sich wieder verschließen. Die andere, für den Patienten meist belastendere Methode, ist eine Operation am offenen Herzen.

    Die Europäische Richtlinie empfiehlt bislang beide Methoden als gleichwertig für Patienten mit einem geringen Risiko für eine Herzerkrankung. Doch neuere Daten lassen Zweifel an dieser Empfehlung aufkommen.

    Studie von Stenthersteller gesponsert

    Hunderttausende Menschen weltweit werden jedes Jahr wegen einer Erkrankung der linken Koronararterie behandelt. Dieses Herzkranzgefäß versorgt den Herzmuskel mit Sauerstoff und Nährstoffen. Verengt sich dieses, bekommen die Patienten beispielsweise Atemnot. Die Richtlinie für die richtige Wahl der Therapie basiert auf einer Studie, die 2010 begonnen und vom US-Stenthersteller Abbott gesponsert wurde. An der Studie sollten 2.000 Patienten teilnehmen, die eine Hälfte erhielt einen Stent, die andere eine Operation am offenen Herzen.

    Herzinfarkt-Daten wurden zurückgehalten

    Anschließend wurde geschaut, wie viele Patienten nach dem Eingriff einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall bekamen bzw. wie viele verstarben. Das Forscherteam verwendete eine ungewöhnliche Definition eines Herzinfarkts, hatte jedoch angekündigt, dass es nebenher auch Daten für die allgemeinere "universelle" Definition eines Herzinfarkts veröffentlichen würde.

    Die Studie dauerte drei Jahre. Im Jahr 2016 wurden die Ergebnisse im New England Journal of Medicine veröffentlicht. Die Studie kam zu dem Schluss, dass Stents und Herzoperationen bei Patienten mit einer Erkrankung der linken Koronararterie gleichermaßen wirksam waren. Allerdings hatten die Forscher es versäumt, Daten für die allgemeine Definition eines Herzinfarkts zu veröffentlichen.

    Leitlinie zur Behandlung bei Herzproblemen

    Auf Basis dieser Studie hatten sich die Berufsverbände für Herzchirurgie und Kardiologie zusammengeschlossen, um eine neue Leitlinie zu erarbeiten, allerdings ohne die entsprechende Datenlage zu kennen. Die Europäische Vereinigung für Herz- und Thoraxchirurgie (EACTS) gab deshalb zu bedenken, dass aufgrund dieser Studienergebnisse einige Patienten von ihren Ärzten möglicherweise eine falsche Behandlung erhalten hätten, weil die Empfehlung gelautet hatte, beide seien gleich wirksam.

    Patienten mit Stent bekamen häufiger Herzinfarkt

    In diesem Jahr wurden weitere Ergebnisse der Studie veröffentlicht, aus denen hervorgeht, was fünf Jahre nach der Behandlung mit den Patienten geschehen war. Die neuen Daten ergaben, dass mehr Menschen starben, die Stents bekommen haben. Auf 135 mit Stent kamen nur 100 Todesopfer nach der Operation am offenen Herzen. Insgesamt starben 10 Prozent der Personen, die sich einer Operation unterzogen hatten, im Vergleich zu 13 Prozent, die Stents bekommen hatten.

    Die EACTS hat seine Mitglieder daraufhin aufgefordert, "die Leitlinien für die linke Hauptkrankheit vorerst nicht zu beachten". "Wir empfehlen Patienten, den Rat des multidisziplinären Herzteams in ihrem Krankenhaus einzuholen, bevor sie entscheiden, welche Therapie für sie am besten geeignet ist", sagte Domenico Pagano von der EACTS.