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Neandertaler mochten Meeresfrüchte und Fisch | BR24

© Mariana Nabais © João Zilhão

Neandertaler an der portugiesischen Küste hatten eine reiche Palette an Nahrungsmitteln zur Verfügung.

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    Neandertaler mochten Meeresfrüchte und Fisch

    Neandertaler lebten nicht nur nördlich der Alpen, sondern auch auf der iberischen Halbinsel. Was sie dort gegessen haben, erstaunt Paläontologen: Meeresfrüchte, Fisch und Robben. Das kannte man bisher nur vom Homo sapiens, dem modernen Menschen.

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    Wer am Meer lebt, lebt auch vom Meer. Das trifft nicht nur auf unsere heutige Gesellschaft mit ihrer Fischerei und Seefahrt zu, sondern offensichtlich auch auf Neandertaler.

    Vor über 80.000 Jahren lebten Verwandte des modernen Menschen an der Atlantikküste in Portugal, und zwar in der Figueira Brava-Höhle, etwa 30 Kilometer südlich des heutigen Lissabon.

    Eine Neandertaler Höhle voller Essensreste

    Ein internationales Forscherteam hat die Höhle genauer untersucht. Die Kalkablagerungen dort sind zwischen 86.000 und 106.000 Jahre alt. Das bedeutet: Alle Fossilien, die man wiederum in diesen Kalkablagerungen findet, sind ebenso alt.

    Die Höhle mit ihren drei Eingängen liegt heute direkt am Meer, doch zu Zeiten der Neandertaler lag sie noch etwa zwei Kilometer im Landesinneren, so die Forscherinnen und Forscher. Reste von Mahlzeiten der Neandertaler finden sich als Fossilien in der Höhle, und die Mischung ist erstaunlich.

    © João Zilhão

    In der Figueira Brava-Höhle lebten Neandertaler.

    Miesmuscheln, Venusmuscheln, Braune Krabbenspinnen, Hai, Aal, Meeräsche, Gans, Kormoran, Tölpel, Seebrassen, Delfine oder sogar Seehunde standen auf dem Speiseplan der Neandertaler. Dazu kam noch Wild vom Land: Hirsche, Ziegen, Pferde oder Auerochsen, aber auch kleine Schildkröten. Des Weiteren fanden die Forscher in der Höhle Reste von Olivenbäumen, Weinreben, Feigen und anderen typisch mediterranen Pflanzensorten.

    Am häufigsten war Pinienholz zu finden, das wahrscheinlich als Brennmaterial genutzt worden ist. Zusätzlich entdeckten die Forscher auch Pinienzapfen.

    Neandertaler lebten nicht nur im kalten Nordeuropa

    Für die Forscherinnen und Forscher der Universität Göttingen und der Universität Barcelona, die die Studie im Fachmagazin Science veröffentlicht haben, sind die Ergebnisse aus mehrerlei Gründen interessant.

    Erstens habe man bisher den Verzehr von Meeresfrüchten oder Fisch nur bei Homo sapiens nachweisen können. Jetzt erstmals bei den Neandertalern.

    Zweitens herrsche oft noch das Bild vom Neandertaler vor, der die kühlen, nördlichen Breiten Europas oder Asiens bewohnt hat. Das ließe sich wohl so nicht halten:

    "Die meisten Neandertaler haben wohl in südlichen Regionen gelebt, vor allem in Italien oder der iberischen Halbinsel. Wahrscheinlich war ihre Lebensweise sehr ähnlich wie die der Neandertaler von der Figueira Brava-Höhle." Prof. Joao Zilhao, Universität Barcelona

    Und drittens zeige dieser Fund, dass Menschen früher als gedacht am und vor allem mit dem Meer gelebt haben, Neandertaler wie Homo sapiens.

    "Das könnte erklären, wie es Menschen vor 45.000 bis 50.000 Jahren geschafft haben, einen Teil des Indischen Ozeans, die Timorsee, zu überqueren, um so Australien und Neu Guinea zu bevölkern. Und dann, vor etwa 30.000 Jahren, die in der Nähe liegenden Inseln des Westpazifik." Prof. Joao Zilhao, Universität Barcelona

    Fisch macht auch Neandertaler schlau

    Darüber hinaus sind fette Seefische oft sehr reich an Omega-3-Fettsäuren, die für die Gehirnentwicklung wichtig sind.

    "Wenn das einen Einfluss hat, dann hatte es den für alle Menschenarten, auch Neandertaler, nicht nur die afrikanische Homo sapiens-Bevölkerung, die später nach Europa gekommen ist." Prof. Joao Zilhao, Universität Barcelona

    Und dass Neandertaler nicht dümmer oder primitiver gewesen sind als Homo sapiens, gilt mittlerweile als gesichert. Sie konnten zum Beispiel mit Feuersteinen Feuer machen oder haben auch Höhlenmalereien angefertigt.

    In der Frühzeit der Menschheit lebten zahlreiche Menschen der Gattung "Homo" auf der Erde, zum Beispiel der Denisova-Mensch, der Homo floresiensis, der Homo luzonensis und der Homo naledi, die sich zum Teil auch miteinander vermischt haben. So haben sowohl moderne Europäer als auch Afrikaner Neandertaler-Gene in ihrem Erbgut.

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