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Masken dämmen die Sars-CoV-2-Übertragung durch die Luft ein | BR24

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Verschiedene Studien zeigen, wie wichtig ein Mund-Nasen-Schutz ist, denn er bremst infektiöse Aerosole von Infizierten ein.

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    Masken dämmen die Sars-CoV-2-Übertragung durch die Luft ein

    Die Maskenpflicht war zunächst weltweit umstritten. Forscher der California University San Diego belegen jetzt, warum sie so wichtig ist - gerade, um uns vor infektiösen Aerosolen zu schützen.

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    “Masken schützen nicht”, hieß es ganz am Anfang der Coronavirus-Pandemie. Das hat sich mittlerweile geändert. Forscher gehen davon aus, dass ein Mund-Nasen-Schutz den Träger selbst zwar nicht, aber seine Mitmenschen schützen kann. Eine aktuelle Einschätzung der California University San Diego, die im Fachblatt “Science” am 28. Mai 2020 veröffentlicht wurde, legt nahe, wieso Masken so wichtig sind. Die Forscher tragen zusammen, wie schnell sich nicht nur Tröpfchen, sondern vor allem Aerosole - kleinste Partikel - in der Luft bewegen. Besonders gefährlich wird es bei Infizierten, die keine Symptome aufweisen, Viren aber übertragen können.

    Übertragung von Coronaviren

    Laut Christian Drosten, Leiter der Virologie der Charité in Berlin, wird das Sars-CoV-2-Virus knapp zur Hälfte über Tröpfcheninfektion übertragen, zu etwa zehn Prozent durch Schmier- oder Kontaktinfektion und fast die andere Hälfte durch Aerosole. Aerosole sind im Unterschied zu Tröpfchen viel, viel kleiner. Größere Tröpfchen stoßen wir etwa beim Niesen oder Husten aus. Aerosole fliegen schon beim Sprechen oder Atmen durch die Luft. Das Gefährliche: Da sie viel kleiner und leichter sind, fallen sie nicht so schnell zu Boden wie Tröpfchen.

    Aerosole wie Rauch

    Die Forscher fanden heraus, dass Aerosole nicht nur sehr weite Strecken zurücklegen, sondern auch eine sehr lange Zeit in der Luft zirkulieren können. Sie vergleichen das mit einem Raucher: Stellen Sie sich vor, Sie befinden sich draußen an der frischen Luft. Ihnen steigt Rauch-Geruch von einer Zigarette in die Nase, Sie suchen nach der Quelle. Der Raucher kann mehrere Meter entfernt stehen und trotzdem riechen Sie es. Wind kann den Rauch zusätzlich über weite Distanzen tragen. Aus so einer Entfernung könnten Sie infektiöse Aerosole einatmen. Da sie so klein sind, können sie bis in die Lunge vordringen und dort die gefährliche Krankheit Covid-19 auslösen.

    Infektiöse Aerosole von Asymptomatischen

    Die Wissenschaftler warnen vor allem vor infektiösen Aerosolen von infizierten Menschen ohne Symptome. Sie könnten unbewusst zur Ausbreitung des Sars-CoV-2-Virus beitragen und beigetragen haben. In einer Studie fanden Forscher heraus, dass bereits in einer Minute lauten Sprechens zwischen 1.000 und 100.000 virenbelastete Aerosole ausgestoßen werden. Gerade in Innenbereichen können diese Aerosole stundenlang in der Luft zirkulieren. Ein Aspekt, der für Krankenhäuser, Restaurants, Flugzeuge und andere Orte mit wenig Luftzirkulation wichtig ist.

    Masken reduzieren Aerosole

    Masken reduzieren nachweislich die Anzahl der ausgestoßenen Viren - gerade bei Infizierten mit nur leichten oder gar keinen Symptomen, die sich nicht in Isolation befinden, weil sie noch nicht getestet wurden. Damit können gesunde Menschen vor Aerosolen geschützt werden. Gute selbstgenähte Masken werden als Schutz mittlerweile ähnlich angesehen wie medizinische Masken. In geschlossenen Räumlichkeiten sind sie daher besonders wichtig.

    © Bayerischer Rundfunk

    Maximale Gefährdung zwischen Menschen besteht, wenn keiner einen Mund-Nasen-Schutz trägt, minimale Gefährdung, wenn beide einen tragen.

    Abstandsregeln einhalten

    In diesem Zusammenhang erwähnen die Forscher, dass die empfohlenen Abstandsregeln überprüft werden müssen und schwierig einzuschätzen ist, inwieweit sie noch Bestand haben. Die empfohlenen 1,5 bis 2 Meter Abstand stammen von Studien mit Tröpfcheninfektionen aus den 1930er Jahren, die durch die Gravitation und ihr Gewicht relativ schnell zu Boden fallen. Damals war es technisch noch gar nicht möglich, Aerosole ausfindig zu machen. Berechnungen gehen davon aus, dass ein Tröpfchen (was bei Husten oder Niesen ausgestoßen wird) ohne Wind nach etwa 4,6 Sekunden zu Boden fällt. Ein Aerosol hingegen, das etwa einhundert Mal kleiner ist, benötigt 12,4 Stunden.

    Taiwan als Vorbild

    In dieser Hinsicht sind nicht nur Masken, sondern auch regelmäßige Desinfektion, Händewaschen und Lüften immens wichtig. Die Autoren der Studie führen Taiwan als Beispiel an - ein Land, das von der Sars-Pandemie 2002/2003 schwer getroffen war, danach einen Katastrophenplan entwickelte und den in der momentanen Krise schnell umgesetzt hat. Jetzt gilt das Land mit seiner sehr frühen Maskenempfehlung als Vorbild.

    Niedrige Infektionszahl

    Direkt am Anfang haben die Taiwanesen Exporte von Schutzmasken ausgesetzt, dafür die eigene Produktion hochgefahren. Die Regierung hat dafür gesorgt, dass jeder Bürger schnell und kostengünstig an genug Masken kam. Eine App zeigt an, in welchem Laden es noch Masken gibt. Obwohl der erste Corona-Fall bereits am 21. Januar 2020 bekannt wurde, liegt die Zahl der insgesamt Infizierten laut Johns-Hopkins-Universität bei 441 und sieben Toten (Stand: 28. Mai 2020). Eine vergleichsweise niedrige Infektionszahl lässt sich auch für Singapur, Südkorea und Hongkong feststellen, die den Forschern zufolge auf eine zeitige Maskenempfehlung zurückzuführen ist.

    Forschung noch nicht abgeschlossen

    Noch ist schwer einzuschätzen, wie lange und wie weit sich Aerosole in der Luft verbreiten können. Viele Faktoren spielen dabei eine Rolle, die weiter erforscht werden müssen. Die Forscher sind sich aber sicher, dass gerade innerhalb von Räumlichkeiten eine gut sitzende Maske plus dem empfohlenen Sicherheitsabstand notwendig sind. Denn gerade in Räumen und Gebäuden können sich die Aerosole sehr lange in der Luft halten.

    Schutzvisier statt Maske?

    In diesem Zusammenhang liest man immer wieder von Schutzvisieren gegen Corona. Sie sind durchsichtig, schützen das ganze Gesicht, verdecken es aber nicht. Die Besonderheit: Sie schützen auch die Augen, die laut Forschern als Eintrittspforte für Viren dienen können. Die Plastikscheiben sind leicht zu reinigen, halten Tröpfchen fern und sind wiederverwendbar. Der Nachteil: Die Visiere sind an den Seiten und nach unten offen. Zum einen kann man, wenn man selbst infiziert ist, so andere durch Husten oder Niesen infizieren - wenn die Tröpfchen nach unten fallen. Durch die Öffnungen können aber auch gerade infektiöse Aerosole an einen herangetragen werden, wenn man selbst noch gesund ist.

    Visiere nur als Zusatz

    Das bayerische Landesgesundheitsamt formuliert es so:

    “Visier-Schutzmasken sind nicht zur Verhinderung der Virenausbreitung geeignet und erfüllen nicht die Anforderungen des Infektionsschutzes. Sie dürfen zwar genutzt werden, können aber lediglich ergänzend zur Mund-Nasen-Bedeckung verwendet werden.”

    Die Kombination von beidem würde sich für medizinisches Personal anbieten, das Patienten mit Atemwegsinfektionen versorgt.

    Weiterhin gilt also: Sicherheitsabstand wahren - auch mit Maske. Gerade in geschlossenen Räumlichkeiten sollte dieser eingehalten, wenn nicht sogar vergrößert werden. Damit einher gehen regelmäßiges Händewaschen, Desinfektion und Lüften.