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Duftstoff lässt Heuschrecken schwärmen - ein Weg zur Bekämpfung? | BR24

© picture alliance/AP Image/Fotograf: SCHALK VAN ZUYDAM

Ein bestimmter Duftstoff lässt Heuschrecken schwärmen, so das Fazit einer neuen Studie.

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    Duftstoff lässt Heuschrecken schwärmen - ein Weg zur Bekämpfung?

    Chinesische Forscher haben jetzt einen Duftstoff identifiziert, der die Wanderheuschrecke zum Schwärmen bringt. Die neuen Erkenntnisse könnten bei der Bekämpfung von Heuschreckenplagen helfen, so die Hoffnung der Wissenschaftler.

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    Heuschreckenplagen treffen vor allem Entwicklungsländer wie Regionen in Ostafrika besonders hart. Die Tiere fressen Felder kahl und nehmen der Bevölkerung die Nahrungsgrundlage. Bisher waren Pestizide das einzige wirkungsvolle Mittel gegen die Schädlinge - allerdings mit vielen Nebenwirkungen für Mensch und Umwelt. Nun haben die Wissenschaftler um Xiaojiao Guo von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in Peking einen Duftstoff ausgemacht, der für die Ansammlungen der Tiere zu Horden verantwortlich ist. Das könnte bei der Bekämpfung der Plagen künftig helfen. Die Heuschrecken-Studie wurde Mitte August 2020 im Fachblatt "nature" veröffentlicht.

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    Worauf Heuschrecken reagieren – die Identifizierung des Duftstoffs

    Für ihre Untersuchungen nahmen die Forscher die Europäische Wanderheuschrecke (Locusta migratoria) ins Visier und stellten fest: Die Tiere fühlen sich vom Duftstoff namens 4-Vinylanisol (4VA), den sie selbst ausstoßen, unabhängig vom Alter und Geschlecht angezogen. Bereits eine Ansammlung von vier bis fünf Wanderheuschrecken reicht dafür aus, dass sich immer mehr Tiere von diesem Duftstoff angelockt fühlen. Generell konnten die Forscher feststellen: Je größer der Schwarm, desto mehr des Duftstoffs 4 VA befand sich in der Luft.

    Wie Heuschrecken den Duftstoff wahrnehmen

    Dass die Heuschrecken den Duft überhaupt wahrnehmen, liegt an einem Rezeptor namens OR35 auf den Antennen der Tiere. Den Beweis dafür konnten die Wissenschaftler mithilfe eines Experiments liefern: Sie schnitten das Gen für den OR35-Geruchsrezeptor mit der Genschere Crispr/Cas9 aus dem Erbgut der Heuschrecken heraus. Nach der Manipulation fühlten sich die Tiere nicht mehr vom Duftstoff angelockt. Sie bildeten keine Schwärme mehr.

    Wie die Erkenntnisse bei Heuschreckenplagen helfen könnten

    Eine Option, die sich aus den neuen Erkenntnissen ergibt ist, die Tiere künftig genetisch zu verändern, sodass sie den für die Schwarmbildung verantwortlichen Duftstoff nicht mehr wahrnehmen können. Eine Ansammlung von Heuschrecken mit ihren verheerenden Auswirkungen würde demnach dann zwar unterbleiben. Die genetische Manipulation ist aber aus mehreren Gründen schwierig und nicht zuletzt aus ethischen Gründen höchst umstritten.

    Die Forscher sehen aber noch andere Möglichkeiten, ihre Erkenntnisse wirkungsvoll zur Heuschreckenbekämpfung einzusetzen. So könnte der Duftstoff in Fallen gegen die Tiere eingesetzt werden. Eine andere Idee der Wissenschaftler ist, den Rezeptor, der den Duftstoff wahrnimmt, mit einer anderen Substanz zu blockieren und so auch ohne Genschere auszuschalten. Eine Frage müssen die Forscher aber ohnehin noch klären: Wird der für die Schwarmbildung verantwortliche Duftstoff auch von anderen Heuschreckenarten oder nur von der untersuchten Locusta migratoria verbreitet?

    © picture alliance/imageBROKER/Fotograf: Mark Sisson/FLPA

    Einzeln zahm, in Horden eine Plage: Die Europäische Wanderheuschrecke, Gegenstand der Studie.

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