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Corona: Ideen für mehr Impfungen mit gleichviel Impfstoff | BR24

© dpa-Bildfunk/Eric Lalmand

Spritzennadel in Impfstoff-Fläschchen

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    Corona: Ideen für mehr Impfungen mit gleichviel Impfstoff

    Die EU hat bei Biontech 300 Millionen zusätzliche Impfdosen bestellt. Aber da der Impfstoff nach und nach geliefert wird, könnte er trotzdem immer wieder knapp werden. Es gibt mehrere, teils umstrittene Ideen, wie man mehr Menschen impfen könnte.

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    Von
    • Moritz Pompl

    Aus fünf mach sechs: Die Europäische Arzneimittelagentur EMA hat den Weg freigemacht für die wohl unproblematischste Idee, mit dem vorhandenen Impfstoff mehr Menschen gegen Corona impfen zu können: Weil in einer Ampulle von Biontech/Pfizer offiziell genug Impfstoff für fünf Personen steckt, die Fläschchen aber "überfüllt" sind, lässt sich eine sechste, vollwertige Dosis rausholen. In den USA und der Schweiz wurde das bereits offiziell so anerkannt, jetzt ist die EMA diesem Beispiel gefolgt.

    Jeder bekommt die volle Dosis

    Der Virologe Leif Erik Sander von der Berliner Charité begrüßt das Vorgehen im Gespräch mit dem BR. Es mache Sinn, wertvollen Impfstoff nicht wegzuschmeißen. Der sei genauso gut und wirksam wie die ersten fünf Dosen. Tatsächlich bekommt trotzdem jeder der sechs Patienten die volle vorgesehene Dosis. Und selbst nach Entnahme der sechsten Dosis verbleibt ein kleiner Rest in der Ampulle, der aber nicht mehr für eine siebte Dosis ausreicht.

    Einfach später auffrischen?

    Die nächste Idee, um mehr Menschen gegen Corona impfen zu können, wird in Großbritannien schon praktiziert: Statt nach höchstens sechs Wochen - wie vom Hersteller und der Ständigen Impfkommission STIKO empfohlen - gibt es die Auffrischung erst nach 12 Wochen. Dadurch können mehr Menschen schon mal eine erste Dosis bekommen.

    Biontech warnt aber davor, ebenso wie die sonst eher für schnelle Zulassungen bekannte amerikanische Zulassungsbehörde FDA. Die Gefahr: Je länger ein nur vorläufiger Schutz vorhanden ist, desto leichter kann das Virus Resistenzen bilden. Laut der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie könnten rund neun Wochen Abstand zur zweiten Impfung ein guter Kompromiss sein.

    Auch Leif Erik Sander von der Berliner Charité plädiert dafür, dass man diesen Abstand etwas flexibel betrachtet. Die zweite Dosis müsse ganz klar gegeben werden. Aber da habe man zeitlich etwas Luft. Andere Beispiele, etwa bei der Hepatitis C-Impfung, hätten gezeigt, dass mit einem größeren Abstand zur ersten Impfung das Immunsystem sogar stärker reagieren würde und sich damit ein besserer Impfschutz ausbilde.

    Auffrischung mit anderem Impfstoff?

    Eine dritte Idee für mehr Impfungen mit derselben Menge an Impfstoff: Die Auffrischung mit einem anderen Impfstoff durchzuführen. Ob ein solcher Mix funktioniert, ist aber noch unklar. Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission STIKO, Thomas Mertens, empfiehlt es nicht. Es fehlten Daten zur Sicherheit und Wirksamkeit. Wenn Großbritannien das jetzt ausprobiere, dann sei das eine Panikentscheidung, die man bei der STIKO nicht nachvollziehen könne, so Mertens im Interview mit dem BR.

    Manche Virologen wie der Münchner Tropenmediziner Michael Hölscher von der LMU München glauben aber, dass das Immunsystem genauso gut gegen Corona trainiert wird, wenn es mit zwei unterschiedlichen Impfstoffen angestachelt wird. Schließlich wenden sich die verschiedenen Impfstoffe gegen die selbe Struktur auf der Oberfläche des Virus, das sogenannte Spike-Protein. Bei früheren Studien, etwa mit Impfstoffen gegen Ebola oder HIV, habe sich gezeigt, dass die Impfreaktion sogar deutlich besser ausfallen könne, wenn Impfstoffe von verschiedenen Herstellern kombiniert würden, so Hölscher. Im Fall von Corona müssten hier zwar Studien gemacht werden, diese seien aber relativ einfach möglich, weil "nur" Studien zur Höhe des Antikörper-Spiegels gemacht werden müssten.

    Wichtig: Vertrauen in die Impfung stärken

    Viele Virologen sagen aber auch: Wenn man jetzt beim empfohlenen Impfschema bleibe, könnten mehr Menschen der Impfung vertrauen. Klaus Stöhr, ehemaliger Leiter des globalen Influenza-Überwachungsprogramms & Pandemievorbereitung bei der Weltgesundheitsorganisation WHO glaubt: Gerade jetzt, wo die Impfungen ganz neu seien, sei es eigentlich ein Unding, noch mehr Verunsicherung in die Debatte über das richtige Impfen zu bringen. In einer Zeit, in der viele Menschen ohnehin schon verunsichert seien und viele Informationen falsch interpretierten. Etwa die: In einem Pflegeheim in Franken haben sich mehrere Bewohner angesteckt, eine Woche nachdem sie geimpft wurden. Das habe aber nichts mit der Impfung zu tun und könne immer passieren, erklärt Virologe Leif Erik Sander von der Berliner Charité. Das Immunsystem bräuchte nach der Impfung einfach ein paar Tage, um einen Immunschutz aufzubauen.

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