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Buschfeuer in Australien - Ursachen und Auswirkungen | BR24

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Die Buschbrände in Australien sind eine Umweltkatastrophe von globalem Ausmaß. Ein Gespräch mit Professorin Ina Tegen, Klimaforscherin am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung in Leipzig, über die Folgen der Brände.

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Buschfeuer in Australien - Ursachen und Auswirkungen

Seit Wochen toben in Australien verheerende Buschfeuer. Das extreme Ausmaß der Brände hat mehrere Ursachen. Die Folgen der Feuer für Pflanzen und Tiere auf dem australischen Kontinent und das Klima weltweit sind noch nicht abzusehen.

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Das Klima in Australien ist überwiegend heiß und trocken. Buschfeuer und Waldbrände gibt es dort jedes Jahr. Im Süden brennt es meist, wenn auf dem Kontinent Sommer ist, im Norden vorwiegend im dortigen Winter. Doch in diesem Jahr suchen besonders heftige Waldbrände Australien heim. Mehrere Ursachen kommen in diesem Sommer zusammen, nämlich extrem hohe Temperaturen von fast 50 Grad Celsius sowie eine seit dem Frühjahr anhaltende Trockenheit. Eine natürliche Schwankung der Oberflächentemperatur im Indischen Ozean, der Indische-Ozean-Dipol, sorgte zudem dafür, dass vor allem im Zentrum und im Südosten Australiens im Winter und Frühling weniger Regen als sonst fiel.

Extreme Dürren immer häufiger

Heftige und großflächige Waldbrände gab es in Australien auch früher, aber deutlich seltener. Weil es aber immer heißer und trockener wird, können Feuer öfter entstehen und sich schneller ausbreiten. Vor Beginn der Industrialisierung ereignete sich in der Region etwa einmal in 500 Jahren eine extreme Dürre, ergab eine Analyse australischer Forscher. Seitdem sind die Durchschnittstemperaturen auf der Erde um rund ein Grad Celsius gestiegen und extreme Dürren treten etwa alle 50 Jahre auf. In seinem jährlichen Klimabericht für 2019 erklärte das australische Amt für Wetterkunde, das vergangene Jahr sei das wärmste in Australien seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1910 gewesen. Vor allem Hitzewellen würden häufiger und extremer.

"Mit der weiteren Erwärmung wird die Häufigkeit wahrscheinlich weiter zunehmen. Das Pendel schwingt immer weiter aus, es gibt immer neue Rekorde bei Temperatur, Trockenheit, Hitzewellen-Dauer, Niederschlagsdefizit." Kirsten Thonicke, Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK)

Zwischen Pflanzen und Klima gibt es zudem Rückkopplungen, die sich unmittelbar auf das Risiko für Waldbrände auswirken. Bei Trockenheit vermindere sich zum Beispiel der Kühleffekt durch Verdunstung, erklärte Mark Howden von der Australischen Nationaluniversität in Canberra. Bäume geben normalerweise das meiste aus dem Boden aufgenommene Wasser über winzige Poren in ihren Blättern als Wasserdampf wieder ab und kühlen so die Umgebungsluft. Bei Trockenheit kommt dieser Prozess ins Stocken. "Wenn es richtig trocken ist, wird es tendenziell auch sehr heiß", so Howden, Mitglied des Weltklimarats, IPCC. Umgekehrt trockne der Grund auch rascher aus, wenn es heiß sei. "Die beiden Dinge sind miteinander gekoppelt."

Eukalyptus - robust, aber gefährlich

Nach einem Waldbrand erholt sich die Natur in Australien manchmal erstaunlich schnell. Pflanzen wie der weit verbreitete Eukalyptus-Baum haben sich angepasst: Sie überstehen ein Feuer meistens ohne größere Schäden und wachsen schnell wieder nach. Eukalyptus und verwandte Pflanzen sind aber auch dafür verantwortlich, dass in Australien rasch immer neue Brände entstehen und sich rasant ausbreiten. Sie enthalten große Mengen ätherische Öle und Wachse. Diese entzünden sich schon bei wesentlich niedrigeren Temperaturen als Holz. Sie wirken deshalb als Brandbeschleuniger, oft explodieren die Bäume regelrecht. Brennende Teile werden dann hoch in die Luft geschleudert. Der Wind trägt sie Kilometer weit weg an Orte, an denen sie neue Brände auslösen können. Die immense Intensität der Feuer kann auch ein seltenes Phänomen verursachen, nämlich sogenannte Pyrocumolonimbus-Wolken oder Feuerwolken. Die aufsteigende heiße Luft reißt Asche- und Rußpartikel mit nach oben, aus denen sich in großer Höhe Wolken bilden. Diese bringen Wind und Regen, aber auch Blitze, die neue Brände entfachen.

Feuer vernichtet Pflanzen und Tiere

Rund 100.000 Quadratkilometer Land sind in Australien bereits niedergebrannt, eine Fläche etwa so groß wie Bayern und Baden-Württemberg zusammen. Das Feuer vernichtet nicht nur Pflanzen, sondern auch Tiere. Chris Dickman, Ökologe an der Universität Sydney, schätzt, dass mindestens eine Milliarde Säugetiere, Reptilien und Vögel bei den Bränden ihr Leben verloren haben, außerdem unzählige kleinere Lebewesen. Auch nach dem Verlöschen bleibt das Feuer tödlich. In der verbrannten Natur fehlt den Tieren die Nahrung und der Schutz vor Regen oder sengender Sonne. Außerdem können sie sich nicht vor Räubern wie verwilderten Katzen und Füchsen verstecken.

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In Australien regent es. Ein Segen im Kampf gegen die Buschbrände.

Brände bedrohen Tierarten in ihrer Existenz

Viele Tierarten Australiens gibt es wegen der isolierten Insellage nur dort. Die Feuer bedrohen nun einige Fisch-, Schlangen- und Insektenarten in ihrer Existenz. Auch das Bürstenschwanz-Felskänguru, die Känguru-Insel-Schmalfußbeutelmaus und der Braunkopfkakadu rücken wegen der Brände dem Aussterben näher. Probleme haben auch Zugvögel, die gewöhnlich an Australiens Ostküste rasten, wo jetzt Waldbrände wüten. Den Koalas setzen die Feuer ebenfalls schwer zu. Tiere, die die Feuer überleben, werden danach in der zerstörten Natur Schwierigkeiten haben, Nahrung zu finden.

Dauer der Erholung: ungewiss

Wie lange die Natur insgesamt brauchen wird, um sich zu erholen, lasse sich kaum abschätzen, erklärte der Ökologe Michael Clarke von der La Trobe University in Bundoora. Möglicherweise dauere das länger als bei Bränden zuvor. "Das Nachwachsen der Vegetation hängt vom Niederschlag ab, und der ist unvorhersagbar geworden." Schon vor 30 Jahren hätten Klimaforscher vor mehr Waldbränden in Australien durch die Erderwärmung gewarnt. "Wir sehen drei große Veränderungen", so Clarke: Es gebe häufiger Brände, sie würden heftiger und das räumliche Ausmaß der Feuersbrünste nehme zu. "Dieser Dreifachschlag vermindert die Fähigkeit der Tierwelt, sich wieder zu erholen."

Brände verstärken Treibhauseffekt

Während der Buschfeuer steigen immense Mengen an Rauch auf. Der Ruß und insbesondere der darin enthaltene Feinstaub bedrohen die Gesundheit der Menschen in Australien, auch in den Großstädten Sidney und Melbourne. Der Rauch breitet sich aber noch viel weiter aus. Im weit entfernten Südamerika färbten die Rauchpartikel den Abendhimmel ein. Beim Klima wirken die Brände in Australien weltweit, sagt die Klimaforscherin Ina Tegen vom Leibniz-Institut für Troposphärenforschung in Leipzig. Der Rauch dämpft zwar zunächst die Sonnenstrahlen für einige Wochen. Langfristig verstärkt jedoch der zusätzliche Ausstoß an Kohlendioxid den Treibhauseffekt. Nach groben Schätzungen haben die Brände bereits 200 bis über 300 Millionen Tonnen CO2 freigesetzt. Das ist etwa die Hälfte der Menge an Kohlendioxid, die Australien bereits ohne Waldbrände pro Jahr in die Atmosphäre bläst.

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Das verheerende Feuer in Australien hat zig Milliarden großen und kleinen Tieren den Tod gebracht. Und selbst jene, die überlebt haben, sind längst nicht über den Berg.