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Avatar mit virtuellem Trikot von Werder Bremen

Werder Bremen verkauft nun virtuelle Trikots

Bildrechte: Screenshot: werder.de
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    Krypto-Boom erreicht den Fußball: Hoffnung auf gute Geschäfte

    Krypto-Währungen sind noch nicht im Mainstream angekommen. Durch ihre Zusammenarbeit mit Fußballclubs will die Branche das jetzt ändern. Die Vereine wollen junge Fans an sich binden - und neue Einnahmequellen generieren.

    Von
    Bernd OswaldBernd Oswald
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    Wenn im November die Fußball-WM der Männer in Katar angepfiffen wird, dann wird dort auch das Logo der Krypto-Börse crypto.com zu sehen sein. Der bislang größte Werbe-Coup der 2016 gegründeten Handelsplattform für Kryptowährungen, die auch in internationalen Fußballligen, im Eishockey und in der Formel 1 tätig ist. crypto.com ist ein gutes Beispiel dafür, dass die Krypto-Branche vermehrt im Sport, speziell im Fußball als Sponsor auftritt.

    In der englischen Premier League haben 17 der 20 Profi-Klubs eine kommerzielle Vereinbarung mit einem Unternehmen aus dem Krypto-Sektor. Besonders verbreitet sind Non-Fungible-Tokens (NFT), virtuelle Güter wie zum Beispiel Trikots. Beide Seiten erhoffen sich, von der Kooperation zu profitieren: Die Krypto-Firmen wollen bekannter werden, die Fußball-Clubs eine Präsenz in der Krypto-Szene aufbauen.

    Frankfurt, Wolfsburg, Bremen verkaufen Trikots als NFT

    Inzwischen ist der Krypto-Boom auch in der Bundesliga angekommen. Die Bundesligisten Eintracht Frankfurt und VfL Wolfsburg haben auf der Plattform "The Football Club" digitale Versionen ihrer Trikots auf NFT-Basis angeboten, die sehr schnell ausverkauft waren. Am Mittwoch bietet auch Zweitligist Werder Bremen eine digitale Trikotkollektion auf NFT-Basis an. Der Merchandise wird also virtuell.

    Bezahlt wird aber nicht mit Euro, sondern mit der Kryptowährung Flow US Dollar, kurz FUSD. Damit werden Fans automatisch zu Kryptowährungsbesitzern - und möglicherweise auch Händlern. Mit allen Chancen und Risiken, denn Kryptowährungen unterliegen teilweise starken Kursschwankungen.

    Juventus und Co haben eigene Kryptowährungen

    Große ausländische Klubs wie Juventus Turin, Paris St. Germain oder Atletico Madrid sind schon einen Schritt weiter: Ihre NFTs kann man nur mit club-eigenen Kryptowährungen, so genannten Fan-Tokens, kaufen. Inhaber von Fan-Tokens bekommen unter anderem kleine Privilegien: Sie können an Abstimmungen etwa über die Trikotgestaltung teilnehmen, bekommen Rabatte im Fan-Shop oder dürfen die Spieler persönlich treffen. Borussia Dortmund wollte ebenfalls solche Fan-Token einführen, zog das Vorhaben nach Protesten der Fan-Szene aber zurück.

    Neben dem Handel mit NFTs gibt es aber auch klassisches Sponsoring: Hertha BSC Berlin lässt sich seit Saisonbeginn von Caizcoin sponsorn, einer Kryptowährung, die damit wirbt, dass auch Muslime sie verwenden dürfen. Denn Caizcoins können nicht für Darknet-Transaktionen oder Gambling eingesetzt werden - zwei Bereiche, die im Islam als verboten gelten.

    Schwarze Schafe in der Kryptobranche

    Gerade im Darknet werden Drogen oder Waffen oft mit Kryptowährungen bezahlt. Außerdem stehen Kryptowährungen im Verdacht, dass sie zur Steuerhinterziehung und Geldwäsche genutzt werden.

    “Die Kryptobranche hat ein Reputationsproblem, weil es dort schwarze Schafe gibt", sagt Professor Bernhard Herz, der an der Universität Bayreuth unter anderem zu Geldtheorie und Geldpolitik forscht. Eine Währung, die per se anonym produziert wird, werde immer anfällig sein für Geschäfte wie Steuerhinterziehung, Terrorfinanzierung oder Drogenfinanzierung.

    Ähnlich sieht es sein Bayreuther Kollege Markus Kurscheidt: "Kryptowährungen kommen etwas aus der Schmuddelecke und sind noch relativ undurchsichtig", sagte Kurscheidt, Inhaber des Lehrstuhls für Sportwissenschaft II an der Universität Bayreuth. Mit dem Sport-Sponsoring versuchten Firmen aus der Kryptobranche, “für sich positive Imagesignale zu setzen und einen Imagetransfer zu erzeugen.”

    Beide Seiten erhoffen sich einen Imagegewinn

    Das zeigt sich auch an der Partnerschaft, die Fußball-Bundesligist TSG Hoffenheim im Februar mit der Kryptowährung Baby Doge abgeschlossen hat, die für Hoffenheim ebenfalls NFTs entwickeln soll. Baby Doge sieht in der Partnerschaft mit dem badischen Club eine Gelegenheit, seine Präsenz in der EU auszubauen, “unseren Nutzen zu präsentieren und als Akteur in der Sportwelt zu etablieren”, wie es in einer Pressemitteilung zu der Kooperation hieß. Die vielen noch etwas suspekte Krypto-Welt mehr in den Mainstream zu bringen, dürfte eine zentrale Motivation vieler Krypto-Firmen sein, die nun mit Fußballclubs zusammenarbeiten.

    Umgekehrt erhofft sich auch die TSG Hoffenheim einen Imagegewinn. Der Verein will mit der Zusammenarbeit seinen Ruf als “zukunftsorientierter, technologiegetriebener Bundesligist” stärken. Auch wenn das natürlich reinstes PR-Sprech ist: Nach Berührungsängsten mit einem Unternehmen aus der Schmuddelecke klingt das nicht.

    Auch Hertha BSC Berlin verspricht sich von seiner Kooperation mit Caizcoin eine "technologiebasierte Zukunft". Mit Partnerschaften mit Firmen aus der Kryptobranche scheinen sich die deutschen Fußballclubs eher ein innovatives, für neue Technologien aufgeschlossenes Image geben - und neue Einnahmequellen erschließen zu wollen.

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