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Trendsetter sein: Staatstheater Nürnberg setzt auf Jazz-Operette | BR24

© dpa

Jens-Daniel Herzog

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    Trendsetter sein: Staatstheater Nürnberg setzt auf Jazz-Operette

    Mit dem neuen Generalintendanten Jens-Daniel Herzog, Jahrgang 1964, gibt es nicht nur einen Stabwechsel, sondern einen richtigen Generationswechsel am Staatstheater Nürnberg. Er setzt auf Debatten über Europa, Barock-Oper und Jazz. Von Dirk Kruse

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    Ein großer Umbruch auch für das Sprechtheater in Nürnberg: Nach der 18 Jahre langen Ära von Schauspielchef Klaus Kusenberg, kommt der 37-jährige, international bekannte Regisseur Jan Philipp Gloger leiten.

    Wichtig ist mir, dass wir ein riesengroßes Spektrum an Theatersprachen zeigen auf der Höhe der Zeit. Wir haben Boris Nikitin, ein Star der freien Szene, der bei uns eine Produktion macht. Wir haben aber auch die Theaterlegende Dieter Dorn, der für das psychologische Schauspielertheater steht. Ich bin von Herzen an beiden Fronten tätig und bin auch als Regisseur jemand, der sich stilistisch nicht festlegen muss und will. Und das spiegelt sich in unserem sehr, sehr vielfältigen Programm für ein vielfältiges und auch diverses Publikum. - Jan-Philipp Gloger

    "Me too" und Europa

    Neben Klassikern wie Tschechows „Möwe“, Euripides „Troerinnen“ oder Shakespeares „Macbeth“ wird es zahlreiche zeitgenössische Stücke und sogar sechs Uraufführungen geben. Etwa von der Costa Compagnie, die multimediales Performancetheater macht, oder dem neuen Hausautoren Philipp Löhle. Das ganze Spektrum des Theaters und seiner vielfältigen Formen soll es sein. Voraussetzung: Alle Stücke müssen Bezüge ins Hier und Heute haben.

    Wichtig ist mir nach Europa zu fragen, nach der Zukunft Europas. das tun wir gleich mit mehreren Produktionen. das tun wir auch mit unserer internationalen Reihe Import-Export, in der wir an drei Wochenende in die Welt schauen. Da hängen auch andere Themen dran: Postkolonialismus, Globalisierung, die deutsche Geschichte. Aber auch Themen unserer Zeit wie die Feminismus-Sexismus-Debatten, Stichwort me too, werden in einer Produktion „Die kleine Geschichte der Bewegung“ in der Regie von Armin Petras, einem avancierten prominenten Regisseur, untersucht werden. - Jan-Philipp Gloger

    "Querformat" im Historischen Rathaus

    Noch stärker ist der Generationswechsel in der musikalischen Leitung der Staatsphilharmonie Nürnberg zu spüren. Auf Marcus Bosch folgt Nürnbergs erste Generalmusikdirektorin. Die erst 32-jährige Joana Mallwitz knüpft an die erfolgreichen Konzertprogramme wie die Kammerkonzerte, die Kinder- und Jugendkonzerte und die Lunchkonzerte im Germanischen Nationalmuseum an, hebt aber auch neue Formate ins Programm. So die Konzerte der Reihe „Querformat“ im Historischen Rathaussaal in Nürnberg und die neuen "Expeditionskonzerte". Das meint nicht, dass die Staatsphilharmonie andere Spielplätze erobert, sondern eine Expedition in ein Werk wie Beethovens Siebte oder Schuberts große C-Dur-Symphonie unternimmt.

    Das ist ein Format, das sich an wirklich alle Menschen richtet. Sowohl regelmäßige Konzertgänger, als auch Menschen, die sich nicht unbedingt ins Philharmonische Konzert trauen würden. Und da begeben wir uns mit dem ganzen Orchester auf eine Art Erkundungsreise zu jeweils einem großen Werk der Musikgeschichte. Ich werde diese Konzerte dirigieren und vom Klavier aus moderieren, denn so kann man vieles zeigen und den ganzen Kosmos eines Werkes erforschen und hoffentlich nochmal neu hören. - Joana Mallwitz

    Jazz-Operette der dreißiger Jahre

    Auch Jens-Daniel Herzog, der als Staatsintendant und Operndirektor selbst drei Opern inszenieren wird, hat in den bisherigen Schwerpunkten einiges verlagert. Anders als sein Vorgänger Peter Theiler verzichtet er auf Belcanto und Grand Opéra. Mit Prokofjews „Krieg und Frieden“ und Rihms „Jakob Lenz“ setzt Herzog auf die Oper des 20. Jahrhunderts. Und auch bei der leichteren Muse gibt es neue Akzente.

    Wir werden stark auf die Jazz-Operette der zwanziger, dreißiger Jahre gehen. Ich glaube, da ist vieles unerhört. Und ich prophezeie der Operette: Das, was in der Alten Musik an historischer Informiertheit passiert ist, steht der Operette bevor. Und da wollen wir Trendsetter sein. Wir werden das Rockmusical ans Haus holen, weil ich fest davon überzeugt bin, dass in den letzten hundert Jahren ein Repertoire im Musical entstanden ist, das einfach hochdifferenziert und hochspannend sein kann. Für mich ist das Musical die opera buffa der Neuzeit. - Jens-Daniel Herzog

    Auslastung startet bei 85 Prozent

    Einen weiteren neuen Schwerpunkt legt der neue Operndirektor auf die Barockoper, aber natürlich werden auch Mozart, Wagner und Puccini gespielt. Herzog will das Haus noch weiter für das Publikum öffnen mit Workshops, Werkeinführungen und öffentlichen Proben.

    Wir machen ein Theater für ein volles Haus. das wollen wir weitermachen und wir hoffen, dass wir da erfolgreich sind. Ich habe in Dortmund an meiner letzten Station gezeigt, wie ich das mache. Da sind wir von leider nur 40 Prozent auf 85 Prozent hochgefahren. Hier übernehme ich ein Haus bei 85 Prozent. mal sehen, wohin die Reise geht.