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Cast von "Fack ju Göhte"

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Schwach besucht: Münchner "Fack ju Göhte"-Musical vor dem Aus

München ist wohl doch keine "Musical-Stadt": Was in der Branche ein offenes Geheimnis ist, wird durch die geringe Auslastung des Show-Experiments "Fack ju Göhte" bestätigt. Im September soll vorzeitig Schluss sein, meldet die SZ. Von Peter Jungblut.

Über dieses Thema berichtet: kulturLeben am .

Experimente können schief gehen, und als Experiment war das „Mjusicäl“ nach dem Erfolgsfilm „Fack ju Göhte“ erklärtermaßen angelegt. Nach Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ soll es nur noch bis Ende September in München laufen – die Auslastung sei nur „zufriedenstellend“ wird die Produktionsfirma Stage Holding zitiert, ohne "nähere Angaben" zu machen. Seit dem Start Ende Januar seien 58 000 Besucher gezählt worden. Die Kritiken, auch des Bayerischen Rundfunks, waren durchweg positiv, wenn auch nicht enthusiastisch ausgefallen. Gelobt wurde das Wagnis, die Kunstform Musical in eine Fabrik-Arena mit betont rauer Optik zu verlegen, dadurch Schwellenängste abzubauen und bei Wortwahl und Humor ein sehr viel jüngeres Publikum anzupeilen. Dafür war mit dem Theater „Werk 7“ im Münchener Osten eigens eine frühere Gewerbehalle umgebaut worden. Karten für das Musical zu bekommen, war jedoch zu keinem Zeitpunkt schwer.

Musical nur in Deutschland in der Krise

Deutschlands größter, in Hamburg ansässiger Musical-Betreiber, wollte eigentlich ausloten, inwieweit Jugendliche generell für die etwas verzopfte und angejahrte Kunstform Singspiel zu gewinnen sind. Das war auch bitter nötig, denn das Musical steckt hierzulande in der Krise – wohlgemerkt nur hierzulande, denn in den USA und in Großbritannien boomt die Branche, was demnächst auch wieder der Tony Award zeigen wird, der kommende Woche in New York für die erfolgreichsten Broadway-Produktionen in zahlreichen Kategorien verliehen wird. Doch die Stoffe, die dort für Furore sorgen, etwa „Hamilton“, ein patriotisches Musical über einen amerikanischen Finanzminister des 18. Jahrhunderts, kommen in Deutschland selten gut an. Das gilt auch für solche Dauerbrenner wie „Book of Mormons“ über die bizarre Religion der Mormonen oder „The Producers“ über einen jüdischen Impresario, der ein absichtlich unterirdisches Hitler-Musical finanziert und damit einen Überraschungserfolg landet. Diese Art Humor zündete in Berlin und anderen Städten nicht, wenngleich das Stück in Regensburg einen Achtungserfolg hinlegte.

Selbst Andrew Lloyd Webber gefloppt

Die Zeit der kitschigen, ja infantilen Disney-Allerweltsware und der – pathetischen, aber völlig humorlosen – Andrew Lloyd Webber-Dauerbrenner scheint längst vorbei, selbst der Meister hatte mit neueren Arbeiten kein Glück. Seine Fortsetzung von „Phantom der Oper“ unter dem Titel „Love Never Dies“ schaffte es mangels Zuspruch in London nicht mal an den Broadway. Auch in Hamburg, Deutschlands Musical-Metropole, werden die Laufzeiten von neuen Produktionen immer kürzer. Demnächst soll dort der kanadische „Cirque du Soleil“ Abhilfe schaffen, der allerdings mehr auf Akrobatik als auf Theater-Handlung und Herzschmerz setzt.

München liebt die Operette

Das Deutsche Theater München, wo Tournee-Produktionen Station machen, feiert wechselnde Erfolge: Ein „Boygroup“-Musical war umjubelt, ein „Wolfgang-Petry-Musical“ fand Zuspruch, aber solche Projekte füllen ein Haus allenfalls wenige Wochen, nicht über Jahre. Das aber wäre nötig, um riesige Produktionskosten reinzuspielen. Also werden die Akustik immer dürftiger, die Kulissen immer sparsamer, der Cast immer kleiner. Hinzu kommt: München war nie empfänglich für das angloamerikanisch geprägte Musical. Hier zählt einerseits noch die gute, alte Operette im Gärtnerplatztheater, andererseits die hohe Kunst in der Staatsoper. Dazwischen tummeln sich zahlreiche Konzertveranstalter, die mit ihren Musik-Angeboten vom Ballett bis zur ungarischen Kostüm-Kompagnie den Bedarf offensichtlich mehr als decken. Die leidenschaftlichen Musical-Fans fahren dann lieber mal nach Hamburg oder Berlin.