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Hans Pleschinski: „Wiesenstein“ | BR24

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© BR Cornelia Zetzsche

Schriftsteller Hans Pleschinski über Gerhart Hauptmann

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Hans Pleschinski: „Wiesenstein“

Hans Pleschinski ist unter den deutschsprachigen Autoren der Virtuose literarisch opulenter Biographien. Nach dem Herzog von Croy und Thomas Mann widmet er sich nun dem schlesischen Literaturnobelpreisträger Gerhart Hauptmann. Von Cornelia Zetzsche

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Der Olympier aus Schlesien

"Viele hielten sich die Hand vor Mund und Nase. Eine Woge von Husten auf den Bahnsteigen und um den Teeausschank. Auf den Bänken hüstelten Soldaten im Halbschlaf. Kaum merklicher Wind schob von der Altstadt beißenden und faulig süßlichen Gestank zwischen die Hallenstreben. Natürlich war die Gruppe schon länger aufgefallen. Das betagte Paar, eher Herrschaften, kam vielen bekannt vor." (aus: Wiesenstein“)

Die bizarre Geschichte beginnt Anfang 1945. Dresden ist zerbombt, Flüchtlingstrecks ziehen nach Westen. Nur der Literaturnobelpreisträger und Autor der „Weber“ reist mit seiner Entourage vom Dresdner Sanatorium nach Osten, ins schlesische Agnetendorf, zurück zu seinem Anwesen „Wiesenstein“; eine Jugendstilvilla mit Türmchen, Wandelhalle und Salons, Zitronenholzflügel, Dienerschaft und glänzenden Festen.

„Ich wusste, dass Gerhart Hauptmann 1946 in Schlesien starb. Und auf einmal merkte ich, das ist ungewöhnlich, dort starb fast kein Deutscher mehr, erst recht keines natürlichen Todes. Was war mit Gerhart Hauptmann? Warum war er dort in dieser Zeit des Schreckens?“ (Pleschinski)

„Wiesenstein“ als kulturelles Zentrum

Als Erster durfte Hans Pleschinski die Tagebücher von Margarete und Gerhart Hauptmann sichten und gewann Einblicke in ihr Leben: wie ambivalent Hauptmann handelte, in welchem Prunk er lebte und illustre Gäste empfing. Noch im Kriegsjahr 1944 herrschte Frackzwang.

Leben wie im Roman

In bildstarken Szenen erzählt der Roman, wie die Pracht vergeht; wie Hauptmann NS-Schergen empfing, sich schuldig machte und am Ende mit einer Kasperl-Puppe Zwiesprache hält über Schuld und Moral. Da ist der Meister 82 Jahre alt und krank, seine Welt vergeht. Während das alte Europa im Krieg versinkt und die Deutschen aus Schlesien vertrieben werden, thront die Villa „Wiesenstein“ wie eine Titanic auf dem Hügel, abseits des großen Elends.

Hans Pleschinski: "Wiesenstein", C.H.Beck, 24 Euro