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Goethe-Institut: Stabwechsel in schwierigen Zeiten | BR24

© dpa / Fabian Sommer

Carola Lentz hat am 13. November die Leitung des Goethe-Instituts übernommen.

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    Goethe-Institut: Stabwechsel in schwierigen Zeiten

    Auch das Goethe-Institut hat mit den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie zu kämpfen: Die Klassen sind leer, die deutschen Häuser müssen mit Staatshilfen gestützt werden. In dieser schwierigen Situation tritt eine neue Präsidentin ihr Amt an.

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    Es war eine eher bescheidene, der Situation angemessene Amtsübergabe. Ein paar Blumen, ein paar Reden, etwas Kammermusik. Kein Pomp, und coronabedingt auch kein Publikum. Stattdessen wurde die Veranstaltung als Stream im Internet übertragen. Understatement in schwierigen Zeiten.

    Neue Präsidentin: Carola Lentz

    Carola Lentz ist die neue Präsidentin des Goethe-Instituts. Die habilitierte Kulturwissenschaftlerin ist 66 Jahre alt, lebt eigentlich in Mainz, wird jetzt aber mindestens zehn Tage pro Monat in der Zentrale in München die Geschicke des Instituts lenken.

    Sie freue sich, irgendwann wieder im Auftrag der Kultur unterwegs zu sein und viel zu Reisen, sagt sie im BR-Interview. Dabei wird das Dilemma deutlich: Reisen wäre schön, geht aber momentan nicht – die meisten Länder sind entweder im Lockdown, Risikogebiet oder beides. Da gibt es natürlich auch nicht viele ausländische Gäste, die Sprachkurse buchen, und darunter hat das Goethe-Institut zurzeit stark zu leiden.

    Deutschlands Kulturbotschafter

    Die höchst anerkannte Einrichtung vermittelt weltweit deutsche Sprache und Kultur. Da gibt es zum Beispiel im namibischen Windhuk Lesungen mit deutschsprachigen Autoren, im australischen Sidney werden im Rahmen eines Festivals deutschsprachige Kinofilme gezeigt, und in New York findet ein Kunstliederabend statt, wo unter anderem Schuberts Lied von der launischen Forelle zum besten gegeben wird.

    Für diesen hohen Anspruch werden die Goethe-Institute international sehr geschätzt. Die Intensiv-Sprachkurse gelten in der Branche als Premium-Produkte. Nicht wenige halten das Goethe-Institute für die besten Botschafter, über die die Bundesrepublik verfügt.

    Auswärtiges Amt unterstützt die ausländischen Institute

    Das Renommee gefällt auch der Bundesregierung. Deshalb finanziert sie übers Auswärtige Amt die Arbeit der ausländischen Institute. Die Goethe-Institute in Deutschland allerdings müssen sich selbst finanzieren. Normalerweise buchen knapp eine Viertelmillion Lernwillige jedes Jahr Sprachkurse. Im laufenden Jahr allerdings verzeichneten die Sprachvermittler hier in Deutschland Einbrüche von etwa 40 bis 50 Prozent. Das führt zu wirtschaftlichen Verwerfungen.

    Rund 9 Millionen Euro Defizit wegen Corona

    Klaus-Dieter Lehmann übergibt deshalb, wirtschaftlich gesehen, ein ungeordnetes Haus. Er war seit 2008 Präsident des Instituts, das sich unter seiner Leitung auf 157 Standorte in 98 Ländern erweitert hat.

    Es sei eine sehr schöne Zeit gewesen, in der er viel erlebt und gelernt habe, sagt der 80-jährige Naturwissenschaftler. Neben Bibliothekswissenschaften hat er auch Mathematik und Physik studiert. Der Mann kann also rechnen und deshalb spricht er auch beim Defizit der Inländischen Goethe-Institute Klartext: "Wir haben in diesem Bereich durch die Krise ein Defizit von rund neun Millionen-Euro angehäuft, das muss mit Liquiditätsüberbrückungen der Bundesregierung gedeckt werden.“

    Das Auswärtige Amt soll aber eine deutlich höhere Summe an Hilfsgeldern zur Verfügung gestellt haben, damit das Institut die Krise überleben kann.

    Digitalisierungsprogramm als Ausweg aus der Krise

    Kein leichtes Erbe also, das Carola Lentz übernimmt. In einer Krisensitzung des Vorstandes am Tag vor der Amtsübergabe wurde demnach auch intensiv diskutiert, wie sich die Einnahmen trotz Corona verbessern könnten, denn auf mittlere Sicht sollen sich die Standorte in Deutschland wieder selbst tragen. Ergebnis: Die Sprachkurse werden künftig verstärkt online angeboten.

    Das Digitalisierungsprogramm solle jetzt so schnell wie möglich umgesetzt werden, erklärt die neue Präsidentin und sie fügt zuversichtlich hinzu: „Wir sind absolut sicher, dass die Digitalstrategie auch nach der Pandemie zumindest teilweise fortgeführt wird und dass es uns gelingt, mit diesem Programm alle zwölf deutschen Standorte zu erhalten.“

    "Nur was sich ändert, bleibt bestehen"

    Die rund 700 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen haben das sicherlich gerne gehört. Carola Lentz muss sich jetzt gleich zu Beginn ihrer Amtszeit als Krisenmanagerin beweisen. Aber davor ist ihr offensichtlich nicht bange. Tatsächlich hat sich das Goethe-Institut ja in seiner fast 70-jährigen Geschichte schon mehrmals neu erfunden. „Nur was sich ändert, bleibt bestehen.“ Dieses Goethezitat darf hier weiterhin als Leitsatz verstanden werden.

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