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1938: Österreichs „Anschluss“ | BR24

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© BR Cornelia Zetzsche

Prix-Goncourt-Preisträger Éric Vuillard über Literatur

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1938: Österreichs „Anschluss“

Industrielle als Steigbügelhalter Hitlers und das Desaster von Österreichs Kanzler Schuschnigg. Prix-Goncourt-Preisträger Éric Vuillard erzählt historische Schlüsselmomente aufregend anders. Auch Österreichs "Anschluss" 1938. Von Cornelia Zetzsche

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Steigbügelhalter

 Mit flapsigen Worten wandte sich Bankier Hjalmar Schacht an 24 deutsche Großindustrielle, die am 20. Februar 1933 ins Berliner Reichstagspalais geladen waren, um mit ihren Wahlkampf-Spenden Hitler zur Macht zu verhelfen. Krupp, Siemens, Opel – alle waren in dieser Allianz von NSDAP und Großfinanz, gegen Gewerkschaften und die „rote Gefahr“.

„Und nun, meine Herren, an die Kasse!“ (Roman-Zitat)

So beginnt Eric Vuillards kühner Versuch, die Anfänge des Nationalsozialismus, über den wir alles zu wissen meinen, neu zu erzählen, eindringlicher als jedes Geschichtsbuch.

„Ich denke, man kann „Die Tagesordnung“ ein Buch über die Gefälligkeit, den Kompromiss nennen. Ganz oben steht die Korruption und am anderen Ende des Spektrums die Gefälligkeit, die nicht einfach zu fassen ist, nicht dokumentiert, überall und nirgends.“ (Éric Vuillard)

Schlüsselmomente

Vuillard führt mit „Die Tagesordnung“ in die Hinterzimmer der Macht. Auch an jenem 12. Februar 1938, als Hitler von Bundeskanzler Schuschnigg den „Anschluss“ Österreichs erpresste.

„Der österreichische Bundeskanzler verspürte eine dumpfe Angst. Was suchte er nur in diesem Wespennest?“ (Roman-Zitat)

Der „Anschluss“

Für Schuschnigg ist das Treffen auf dem Obersalzberg katastrophal. Aber 99,75 % der Österreicher stimmen später für den „Anschluss“ Österreichs ans Reich. Unter den Juden in Wien aber steigt die Selbstmordrate. Helene Kuhner ist eine von ihnen.

„Im Lächeln der Wiener Backfische an jenem 12. März 1938, umgeben vom Geschrei der Menge, im frischen Duft der Vergissmeinicht, mitten in dieser sonderbaren Wonne, all der Euphorie, muss sie einen tiefen Kummer verspürt haben.“ (Roman-Zitat)

In virtuosen Nahaufnahmen konzentriert der Schriftsteller und Filmemacher Éric Vuillard scheinbar bekannte Fakten, Porträts, Szenen und lässt weltbewegende historische Schlüsselszenen neu lesen, wie den Anschluss Österreichs vor 80 Jahren.

Éric Vuillard: „Die Tagesordnung“, Übersetzung: Nicola Denis, Matthes & Seitz, 18 Euro