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Verschwunden: Taliban-Mitbegründer Abdul Ghani Baradar (Archivbild)

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    Schlägerei und Mord? Machtkampf in der Taliban-Führung

    In der neuen Regierung Afghanistans tobt offenbar ein handfester Streit. Spekulationen über einen Mord an Taliban-Mitbegründer Baradar machen die Runde. Er sei "auf Reisen", heißt es dagegen von offizieller Seite.

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    • BR24 Redaktion

    In Afghanistan gibt es innerhalb der Taliban-Führung offensichtlich massive Spannungen. Die britische BBC meldet, dass es in der vergangenen Woche im Präsidentenpalast von Kabul zu einer Schlägerei gekommen sei. Der Hintergrund: Rivalisierende Gruppen streiten über die Machtaufteilung in der Regierung. Unter anderem sollen der stellvertretende Regierungschef und Taliban-Mitbegründer Abdul Ghani Baradar und ein Mitglied seines Kabinetts aneinander geraten sein.

    Inzwischen wurden Fragen über Aufenthaltsort und Gesundheitszustand von Baradar laut, weil der Chefdiplomat der Taliban am Sonntag einem Gespräch mit dem Außenminister von Katar, Mohammad bin Abdulrahman Al-Thani, nicht beiwohnte. Baradar hatte die Taliban-Delegation bei den Verhandlungen mit den USA im katarischen Doha geleitet und gilt als prominentester Kopf der Gruppe. Spekulationen in sozialen Netzwerken zufolge ist Baradar umgebracht worden.

    Taliban dementieren Tod Baradars

    Die Taliban-Führung dementierte jedoch, dass Baradar getötet worden sei und veröffentlichte einen Audio-Clip mit einem angeblichen Statement Baradars, der versicherte, er befinde sich "auf Reisen". Ein Taliban-Sprecher sagte, Baradar halte sich in der südafghanischen Stadt Kandahar auf.

    Gerüchte über einen blutigen Streit zwischen der sogenannten Doha-Fraktion der Taliban und den Mitgliedern des Hakkani-Netzwerks, die in der Taliban-Regierung unter anderen den Innenminister und den Minister für Flüchtlinge stellen, sind bereits unmittelbar nach der Machtübernahme der Taliban Mitte August aufgekommen.

    Auch andere Mitglieder der Taliban-Führung verschwunden

    Der 53-jährige Baradar ist im Moment nicht das einzige Mitglied der Taliban-Führung mit unklarem Aufenthaltsort. Auch der oberster religiöse Führer der Taliban, Mullah Hibatullah Akhundzada, ist seit 2019 nicht mehr gesichtet worden. Gerüchten zufolge soll Hibatullah bei einem Anschlag in Pakistan ums Leben gekommen sein.

    Die Taliban hatten auch jahrelang den Tod von Taliban-Gründer Mullah Omar bestritten, dessen Ableben erst im Juli 2015 bestätigt wurde. Zuvor hatten die Taliban noch Statements in dessen Namen veröffentlicht.

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