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Bildrechte: REUTERS

Einer der meist beachteten Fälle von Polizeigewalt liegt nun in der Hand der Geschworenen. Kurz vor dem erwarteten Urteil im Fall George Floyd gingen die Menschen in Minneapolis auf die Straßen und forderten Gerechtigkeit.

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George-Floyd-Prozess in Minneapolis: Nun tagt die Jury

Im Prozess um den Tod des Afroamerikaners George Floyd berät nun die Jury über ein Urteil. Vor dem Gebäude machen Demonstrierende bereits klar, was passieren werde, wenn ein weiterer Polizist freigesprochen wird.

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Von
  • Torsten Teichmann

Die US-Abgeordnete Maxin Waters hatte bei einer Demonstration in Minneapolis die Stimmung der Straße auf den Punkt gebracht: Sie verlange eine Verurteilung von Derek Chauvin, erklärte die US-Demokratin Waters am Wochenende. Und auf Nachfrage sagt die 82-Jährige, wenn es anders kommt, gehe der Protest weiter. "Wir werden stärker die Konfrontation suchen und sicher stellen, dass sie verstehen, dass wir es ernst meinen."

Draußen kommt das an. Drinnen im Gerichtssaal sagt Richter Peter Cahill, der Versuch der Abgeordneten, die Geschworenen zu beeinflussen, könnte Grundlage für eine spätere Berufung sein.

Anwälte halten Schlussplädoyers

Aber noch ist es nicht soweit. Noch gibt es kein Urteil. Erst einmal haben Verteidigung und Staatsanwaltschaft ihre Schlussplädoyers im Prozess gegen den Ex-Polizisten Chauvin gehalten. Die versuchte Festnahme des schwarzen Amerikaners George Floyd im Mai 2020 sei kein Polizeieinsatz gewesen, sondern Mord, sagt Steven Schleicher als Vertreter der Anklage. Chauvin drohen im Fall einer Verurteilung bis zu 40 Jahre Haft.

Noch einmal zeigt die Staatsanwaltschaft Bilder und Videos, wie Chauvin in die Festnahme eingreift und später dem am Boden liegenden Floyd neun Minuten und 29 Sekunden das Knie in den Hals drückt - wie die Anwälte immer wiederholen. "Er rief George Floyd zu, 'Du kannst nicht gewinnen'. Und George Floyd antwortete 'Ich versuche nicht, zu gewinnen. Ich habe Angst.'"

Verteidiger spricht von "angemessenem" Verhalten

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft war es Chauvin, der sich in der Konfrontation um jeden Preis durchsetzen wollte. "Der Angeklagte versuchte zu gewinnen. Er wollte sich nicht sagen lassen, was er zu tun hat. Er wollte seine Autorität nicht in Frage gestellt sehen. Er versuchte zu gewinnen." Und George Floyd bezahlte mit seinem Leben. Chauvins Verteidiger, Eric Nelson zog die Anklage in Zweifel, außerdem die Aussage vieler Augenzeugen und die Berichte von Sachverständigen. Das Verhalten seines Mandanten nannte er angemessen. "Alle Beweise belegen, dass Derek Chauvin seiner Ausbildung folgte. Er befolgte die Richtlinien der Polizei von Minneapolis. So wurde er ausgebildet."

Chauvin verlangt Freispruch

Chauvin habe keinen Vorsatz gehabt, George Floyd zu töten, so Verteidiger Nelson. Er verlangt Freispruch. George Floyds Abhängigkeit von Opioiden und bestehende Herzprobleme seien entscheidende Faktoren für den Tod während des Polizeieinsatzes gewesen. Nun müssen zwölf Geschworene entscheiden. Sie beraten und werden für die Zeit nicht nach Hause zurückkehren können. Erst, wenn sie ein Urteil gefällt haben, tritt das Gericht wieder zusammen. Das kann Tage dauern, vielleicht aber auch Wochen.

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