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Der junge Michael Strauss in einer Fabrik des Unternehmnes.

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    Familie Strauss – eine Jeckes-Dynastie

    Der Familienkonzern ist einer der größten in ganz Israel – nun ist der langjährige Chef, Michael Strauss, gestorben

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    Von
    • Benjamin Hammer

    Seine Eltern flohen vor den Nazis aus Deutschland und fingen in Israel bei Null an. Sie kauften zwei Kühe und verkauften Milch. Heute kennen alle Israelis den Lebensmittelkonzern Strauss.

    Hier geht's zum Audio-Beitrag.

    Während des Interviews mit Michael Strauss vor einem Jahr klingelte sein Handy. Der israelische Unternehmer ging dran – und natürlich sprach er auf Hebräisch. Seine Muttersprache war aber eine andere.

    "Nur Deutsch. Wir haben zu Hause nur Deutsch gesprochen. Meine Eltern konnten eigentlich keine andere Sprache sprechen. Sie konnten nie richtig Hebräisch sprechen." Michael Strauss
    © BR/Benjamin Hammer
    Bildrechte: BR/Benjamin Hammer

    Ein Jecke bis zuletzt: Der Unternehmer Michael Strauss rund ein Jahr vor seinem Tod.

    Als kleines Kind von Deutschland nach Israel

    Michael-Peter Strauss wurde 1934 in Ulm geboren. Seine Eltern stammten aus erfolgreichen Unternehmerfamilien. Hilda und Richard Strauss glaubten nicht, dass die Nationalsozialisten ihre Macht bald wieder verlieren würden. Außerdem waren sie überzeugte Zionisten.

    "Als meine Eltern aus Deutschland auswanderten, war ich zwei Jahre alt. Die Juden in Deutschland hatten damals keine Zukunft. Das haben sie gesehen." Michael Strauss, Unternehmer

    Den Firmennamen „Strauss“ kennen heute alle Israelis.  Der Lebensmittelkonzern ist eines der größten Unternehmen des Landes. Strauss stellt zum Beispiel Kaffee her, Humus, Schokolade und Wasserspender. Am Anfang standen jedoch Molkereiprodukte: Desserts, Käse und Milch. Mit Rezepten aus der alten Heimat. Die Familie lebte damals in Naharija, einer Stadt im Norden des heutigen Israels. Dort lebten viele Jeckes, wie deutschsprachige Juden in Israel bis heute genannt werden. Für die Familie Strauss waren die ersten Jahre eine schwierige Zeit. Zu Beginn lebten sie in einer einfachen Hütte und kauften sich zwei Kühe.

    "Was meine Eltern in Deutschland gelernt oder studiert hatten, damit konnten sie gar nichts machen hier. Sie haben hier von vorn angefangen. Mein Vater ist jeden Tag um vier Uhr aufgestanden und hat angefangen zu arbeiten. Und wir haben die Milch mit Fahrrädern verteilt. Und mit einem Esel." Michael Strauss, Unternehmer
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    Mit zwei Kühen fing alles an: Später fuhr Michael Strauss die Milch aus.

    Das neue Leben in Israel

    Den Nationalsozialisten entkommen, wurde die Familie Strauss mit neuen Konflikten konfrontiert. Im damaligen Mandatsgebiet Palästina kam es immer wieder zu Konfrontationen mit Arabern und britischen Soldaten. Die Familie unterstützte die damalige jüdische Untergrundorganisation Haganah, versteckte Munition in Milchkannen. Und der Jugendliche Michael fuhr nachts schon mal aufs Meer hinaus und half jüdischen Einwanderern an Land, obwohl die britische Mandatsmacht das nicht erlaubte. Die Geschichte der Familie Strauss steht stellvertretend für die Geschichte des Staates Israel. Die Staatsgründung wenige Jahre nach dem Holocaust. Die vielen Kriege in den Jahrzehnten danach, die Wirtschaftskrisen eines weitgehend isolierten Landes – Michael Strauss sagte dazu: „Wir haben es trotzdem geschafft.“  Zu Deutschland habe seine Familie immer ein enges Verhältnis gehabt.

    "100 Prozent gibt es Emotionen. Das geht nicht weg. Das bleibt. Bei uns zu Hause gibt es Spätzle mit Linsen. Und meine Enkelkinder sind sehr happy mit Spätzle. Wir versuchen, die Tradition zu halten. Auch von meinen Eltern." Michael Strauss, Unternehmer

    Der Holocaust sei nicht vergessen, sagte Michael Strauss. Die Nähe zum heutigen Deutschland aber kein Problem mehr. Michael Strauss gab die Führung des Unternehmens vor 20 Jahren an seine Tochter Ofra ab. Auch sie spricht Deutsch. Mittlerweile hat der Konzern weltweit 15.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Es ist ein Unternehmen, das seine deutsch-jüdischen Wurzeln nicht vergessen will. Die Werte und Tugenden der Jeckes, so sah es Michael Strauss, haben zum Erfolg des Unternehmens beigetragen.

    "Man sagt doch bei uns in Deutschland: Von nix kommt nix. In Ulm sagt man: Schaffe, schaffe, Häusle baue. Also: Sehen Sie!" Michael Strauss, Unternehmer

    Michael Strauss starb im Alter von 86 Jahren in einem Krankenhaus in Tel Aviv.