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Zum 70. Geburtstag: Kardinal Müller will sein Bild gerade rücken | BR24

© pa/dpa

Kardinal Gerhard Ludwig Müller

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    Zum 70. Geburtstag: Kardinal Müller will sein Bild gerade rücken

    Neues Jahr, neues Glück? Heute feiert der Regensburger Ex-Bischof und Kardinal Gerhard Ludwig Müller 70. Geburtstag. Zuletzt lief es für ihn denkbar schlecht: Amtsentzug, Kritik vom Papst - nun will er sein Bild in der Öffentlichkeit geraderücken.

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    Es gibt sicherlich schönere Zeiten, einen runden Geburtstag zu feiern. Für Kardinal Gerhard Ludwig Müller lief es in seinem 70. Lebensjahr gar nicht rund, im Gegenteil.

    Der gebürtige Mainzer hat die wohl schlimmste Schmach seiner Laufbahn hinter sich. Im Juli verlängerte Papst Franziskus Müllers Amtszeit als Präfekt der Glaubenskongregation im Vatikan nicht. Eine Degradierung des einst so mächtigen deutschen Kirchenmannes, der wie wenig andere polarisiert.

    Müller will nach vorne schauen

    Zu seinem 70. Geburtstag will der ehemalige Regensburger Bischof nach vorne schauen.

    "Jedes Neue Jahr eröffnet uns Möglichkeiten und enthält Herausforderungen, die wir vielleicht noch nicht kennen. Die Zeit ist nicht das, was hinter uns in der Vergangenheit versinkt, sondern noch mehr die Zukunft, die vor uns liegt." Kardinal Gerhard Ludwig Müller

    Seiner Verbitterung über das Ende in der Glaubenskongregation machte er in den letzten Wochen und Monaten oft - manch einer findet zu oft - Luft. Hatte ihn Franziskus doch völlig überraschend und ohne Angabe von Gründen nach fünf Jahren vor die Tür gesetzt. Zu verschiedenen waren der deutsche Dogmatik-Professor und der argentinische Pontifex, der ihn 2014 in den Kardinalsstand gehoben hatte. Hier der konservative Glaubenshüter, der "Wachhund", dort der moderne "Pop-Papst" - so die landläufige Meinung.

    Kampagne gegen Kardinal?

    Müller vermutet eine Verleumdungskampagne gegen ihn. "Auf keinen Fall möchte ich in der deutschen Presse zu einem Kontrahenten des Papstes stilisiert werden", sagte er der "Zeit". Doch seine Äußerungen lassen diese Interpretation durchaus zu. So ist er beispielsweise nicht mit dem Weg des Papstes einverstanden, bei einigen Themen auf die Gläubigen und deren Realität zuzugehen - wie zum Beispiel bei der Frage, ob man wiederverheiratete Geschiedene zur Kommunion zulässt. "Gott ist das Maß der Realität. Und nicht einfach das, was faktisch ist", sagte er im Juli.

    Kritik am Regierungsstil des Papstes

    Er selbst sagt, er habe dem Papst nie im Wege stehen wollen. Dennoch kritisierte er das Kirchenoberhaupt in Interviews und ließ durchblicken, dass er eher wenig vom Regierungsstil des Papstes hält. "Es wäre besser, die Glaubensbotschaft des Papstes zu hören und darauf zu achten, statt mit sekundären Aufmerksamkeitselementen das Papsttum populär zu machen, mit schwarzen Schuhen, Santa Marta...", sagte er dem Bayerischen Rundfunk. Dabei bezog er sich auf Franziskus' Entscheidung, nicht die roten Papstschuhe zu tragen und nicht im Apostolischen Palast, sondern im einfachen Gästehaus Santa Marta zu wohnen.

    "Glaube an die Einheit der Kirche"

    Als Spitze einer Gegenbewegung gegen Franziskus will er sich nicht sehen.

    "Das werde ich niemals tun. Ich glaube an die Einheit der Kirche und gestatte niemandem, meine negativen Erfahrungen in den vergangenen Monaten zu instrumentalisieren." Kardinal Gerhard Ludwig Müller in der 'Corriere della Sera'

    Als er Franziskus nach dessen diesjähriger Weihnachtsansprache vor der römischen Kurie die Hand schüttelte, sah das dennoch frostig aus.

    Nicht von Papst-Kritik angesprochen

    Die Kritik des Papstes an "sanft" entfernten, ehemaligen Mitarbeitern der Kurie, die sich als "Märtyrer des Systems" stilisieren, statt ihre Schuld einzuräumen, muss in Müllers Ohren ungut geklungen haben - obwohl er sich nach eigenen Worten nicht davon angesprochen gefühlt hat. "Ich habe mich weder zum Märtyrer erklärt, noch wurde ich 'sanft' aus - welchem oder wessen? - 'System' entfernt", sagte er der "Zeit".

    Persönlich näher stand Müller der deutsche Papst Benedikt XVI., der ihn 2012 in die Glaubenskongregation geholt hatte und zu Müllers 70. auch ein paar ermutigende Worte für eine Festschrift verfasst hat.

    Kritik an Müller wegen Missbrauch-Aufklärung

    Als Chef der Glaubenskongregation unterlag es Müller, Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche zu verfolgen. Doch genau hier traf er laut seinen Kritikern nicht den richtigen Ton. Ihm wurde vorgeworfen, zu wenig zu tun, zu wenig "menschlich" zu sein und nicht auf die Opfer einzugehen.

    Müller wehrte sich, sah sich und die gesamte Kirche zu Unrecht an den Pranger gestellt. Bei der Glaubenskongregation stapelten sich aber unbearbeitete Fälle. Auch im Skandal um Hundertfachen Missbrauch bei den Regensburger Domspatzen, der während seiner Amtszeit ans Licht kam, lehnte er eine Entschuldigung ab, sprach von Einzelfällen. Vor diesem Hintergrund gerät sein positives Wirken, zum Beispiel gegen Rechtsradikalismus, in den Hintergrund.

    Wieder öfter in Regensburg

    In Regensburg ist er auch jetzt wieder öfter anzutreffen. Ende November feierte er im Regensburger Dom den 15. Jahrestag seiner Bischofsweihe, mit dabei unter anderem Kardinal Reinhard Marx, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz. Das Bistum ehrte seinen ehemaligen Bischof mit Kärtchen in Autogrammkarten-Optik.

    Doch eine Rückkehr nach Deutschland sieht Müller nicht. "Nach Deutschland komme ich gelegentlich zur Feier von Festgottesdiensten, Predigten und Vorträgen, aber nicht zur Übernahme einer bestimmten Aufgabe", sagte er der dpa. Es stünden nun "einige Publikationen an und größere Vortragsreisen auch in anderen Kontinenten".