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Typisierungsaktion in Freising rettet viele Leben | BR24

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Bildrechte: Stiftung Aktion Knochenmarkspende Bayern

Weil Niclas und Noah aus dem Landkreis Freising dringend Stammzellenspender suchten, startete vor genau vier Jahren in Freising eine große Typisierungsaktion. Heute sind die beiden jungen Männer geheilt – und nicht nur sie.

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Typisierungsaktion in Freising rettet viele Leben

Weil Niclas und Noah aus dem Landkreis Freising dringend Stammzellenspender suchten, startete vor genau vier Jahren in Freising eine große Typisierungsaktion. Heute sind die beiden jungen Männer geheilt – und nicht nur sie.

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Von
  • Birgit Grundner

Vor vier Jahren bangten der 20-jährige Noah aus Freising und der 16-jährige Niclas aus Kirchdorf um ihr Leben: Bei Noah war die längst überwunden geglaubte Leukämie wieder ausgebrochen, Niclas litt an der Knochenmarkskrankheit MDS. Helfen konnte beiden nur eine Stammzellenspende. Ihre Familien und die Stiftung Aktion Knochenmarkspende Bayern (AKB) organisierten daraufhin eine Typisierungsaktion, um geeignete Spender zu finden – mit großem Aufwand und ebenso großem Erfolg.

4.000 neue potenzielle Lebensretter

Fast 3.700 Menschen ließen sich am 18. Februar 2017 im Wissenschaftszentrum Weihenstephan und im Josef-Hofmiller-Gymnasium als mögliche Stammzellenspender für Noah, Niclas oder andere Erkrankte registrieren. Weitere kamen bei Folgeaktionen in Ingolstadt, Augsburg und Singen dazu. Am Ende standen insgesamt etwa 4.000 neue potenzielle Spender in der Datei der weltweit vernetzten Aktion Knochenmarkspende Bayern. Einige von ihnen konnten bereits Leben retten.

Stammzellenspenden für die ganze Welt

51 Menschen, die sich vor vier Jahren registrieren haben lassen, haben inzwischen tatsächlich Stammzellen gespendet – nicht an Noah und Niclas, dafür an Kranke auf der ganzen Welt. Ihre Stammzellen wurden in 17 verschiedene Länder transportiert – nicht nur innerhalb Europas, sondern etwa auch in die USA, nach Kanada und Israel. 26 Spenden blieben in Deutschland.

Durch die Rückmeldung der Transplantationskliniken ist bekannt, dass 20 der Stammzellen-Empfänger tatsächlich ihre Krankheit überwinden konnten, Von 21 Patienten gibt es noch keine Benachrichtigung, wie die AKB berichtet: "Es besteht also die Hoffnung, dass auch sie gerettet werden konnten.“ Und auch Noah und Niclas sind inzwischen geheilt.

Heilung für Noah und Niclas

Für die beiden jungen Männer fanden sich schließlich in der weltweiten Kartei geeignete Spender; im April 2017 bekamen sie gesunde Stammzellen. Der inzwischen 24-jährige Noah hat sein Sportstudium wieder aufgenommen und will später im Bereich Physiotherapie arbeiten. Beim Fußballspielen ist er auf dem besten Weg, wieder das Level zu erreichen, das er vor der Krankheit hatte. Noah hat bereits Kontakt mit "seinem“ Spender und hofft, dass die Corona-Situation bald ein erstes Kennenlernen zulässt. Niclas durfte diesen Moment schon erleben.

"Einer der emotionalsten Momente meines Lebens"

Der Mann, der Niclas Stammzellen gespendet hat, heißt Raymond. Den 37-jährigen Familienvater aus New Mexiko konnte der junge Kirchdorfer während eines New York-Aufenthalts mit der Familie treffen. „Obwohl es ja eigentlich ein ‚Wildfremder‘ war, kam es mir bei unserer ersten Umarmung direkt so vor, als ob wir uns schon ewig kennen“, erinnert er sich. Der Tag sei "einer der emotionalsten meines bisherigen Lebens“ gewesen.

Appelle der Betroffenen

Der mittlerweile 20-Jährige studiert Medizin, fährt nebenbei als Sanitäter im Rettungsdienst, und kann sein Hobby wieder ausüben: das Schwimmen. Er genießt es, "einfach wieder ein ganz normales Leben zu führen“, wie er sagt. Um das noch mehr Betroffenen zu ermöglichen, appellieren Niclas und Noah auch an alle, die noch nicht als Stammzellenspender registriert sind, sich typisieren zu lassen.

Kostenlose "Lebensretter-Sets"

Bei der Stiftung Aktion Knochenmarkspende Bayern kann dafür jeder und jede zwischen 17 und 45 Jahren ein kostenloses "Lebensretterset“ bestellen, mit dem man zu Hause einen Abstrich an der Mundschleimhaut machen kann. So kann man sich jederzeit als Spender registrieren lassen – denn Typisierungs-Aktionen können wegen der Corona-Pandemie derzeit nicht stattfinden. Auch bei den Blutspende-Terminen des Bayerischen Roten Kreuzes kann man sich als Stammzellspender in die AKB-Datei aufnehmen lassen.

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