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Siegel "Geprüfte Qualität Bayern"

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    "Geprüfte Qualität Bayern": Was sagt dieses Siegel wirklich aus?

    Das Siegel "Geprüfte Qualität Bayern“ wird vom bayerischen Landwirtschaftsministerium vergeben. Staatlich geprüft ist es also. Aber wie gut schlägt sich das Siegel bei den Themen Regionalität und Tierwohl? Von Eva Huber und Gabi Dunkel

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    Wenn man Produkte mit diesem Siegel kauft, kann man sich sicher sein: Es ist bayerisch. Zum Beispiel beim Schweinefleisch heißt es, dass die Tiere in Bayern geboren und aufgewachsen sind und auch hier geschlachtet wurden. Allerdings gibt es keine ähnlichen Bestimmungen für die Futtermittel. Einzig sollen sie "qualitätsgesichert“ sein. Bei pflanzlichen Produkten wie Brot müssen Hauptbestandteile wie Mehl aus Bayern kommen und alles hier verarbeitet werden. In punkto Regionalität hält das Siegel also, was es verspricht.

    Kaum mehr Tierwohl als der gesetzliche Standard

    Das Tierwohl spielt allerdings nur eine geringe Rolle. Der größte Unterschied liegt beim Transport: So dürfen Schweine und Rinder nach dem Beladen nur vier Stunden transportiert werden – im gesetzlichen Standard sind bis zu acht Stunden möglich. Wenn aber sowieso verpflichtend alle Produktionsschritte in Bayern stattfinden, lassen sich vier Stunden Transportzeit gut einhalten. Auf der anderen Seite haben zum Beispiel Mastschweine im Stall nicht mehr Platz als gesetzlich vorgeschrieben - dies sind exakt 0,75 m². Im Vergleich dazu haben Bioschweine 1,3 m² zur Verfügung.

    Die Vorgaben des Siegels liegen also insgesamt nur minimal über den gesetzlichen Standard. Das kritisieren die bayerischen Grünen.

    "So ein Schwein muss ja auf einem dreiviertel Quadratmeter leben und bewegt sich kaum, wächst aber wahnsinnig schnell: Wir haben ja Tageszunahmen von einem Kilo Fleisch am Tag. Auf der anderen Seite ist es auch eine ethische Frage, wie wir mit dem Tier umgehen." Rosi Steinberger, B90/Grüne, Verbraucherexpertin

    Mehrheit der Deutschen will bessere Tierhaltung

    Eine aktuelle Umfrage des Bundesministeriums ergab, dass sich 87 Prozent der Befragten eine bessere Tierhaltung wünschen. Eine artgerechte Haltung steht sogar vor der Produktqualität. Doch ein Mehr an Tierwohl im Siegel lehnen die CSU und das Ministerium ab, Sie setzen auf Freiwilligkeit.

    "Den Marktbeteiligten steht es frei, geprüfte Qualität Bayern um eigene Kriterien zu erweitern oder auch mit anderen Siegeln zu kombinieren. Denken Sie zum Beispiel an das Tierschutzlabel des Deutschen Tierschutzbundes oder auch ohne Gentechnik oder heimische Futtermittel." Michael Lüdke, Bayerisches Landwirtschaftsministerium

    Fazit: Wem vor allem wichtig ist, dass das Produkt aus Bayern kommt, der sollte zu Lebensmitteln mit dem Siegel "Geprüfte Qualität Bayern" greifen. Wer einen hohen Tierschutz will, muss auf andere Labels achten. Zum Beispiel auf das bayerische Bio-Siegel, das Regionalität mit Bio-Tierschutzstandards verbindet.