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Nürnberger Kurden protestieren gegen Waffenlieferungen | BR24

© BR-Studio Franken/Ulrike Lefherz

Kurden bei einer Kundgebung in Nürnberg

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    Nürnberger Kurden protestieren gegen Waffenlieferungen

    Ein Bündnis verschiedener Kurdenverbände hat in den letzten Wochen in Nürnberg bereits 40 Mal öffentlich gegen die türkische Militäroffensive auf die nordsyrische Stadt Afrin protestiert. So auch gestern, mit einer Kundgebung vor dem Rathaus.

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    Bei der Kundgebung vor dem Nürnberger Rathaus am Donnerstag (15.03.18) forderte das Bündnis die Stadtspitze auf, die Angriffe auf die kurdische Zivilbevölkerung klar zu verurteilen. Enttäuscht reagierten die Aktivisten, dass Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) ihr dazu verfasstes Schreiben, einen offenen Brief, nicht entgegen nahm. "Wir können nicht verstehen, dass die Öffentlichkeit uns weitgehend ignoriert", sagten mehrere Demonstranten dem Bayerischen Rundfunk.

    Kritik der Kurden an den Waffenlieferungen an die Türkei

    Aufs Schärfste kritisiert das Bündnis zudem die Waffenlieferungen aus Deutschland in die Türkei. "Ohne Waffen aus Deutschland wäre Erdogan eine Null", schimpfte empört ein älterer Mann. Das Wirtschaftsministerium hatte eingeräumt, dass in den letzten Wochen 20 Waffenlieferungen an die Türkei genehmigt worden seien. Ex-Außenminister Siegmar Gabriel (SPD) dagegen hatte im Februar mehrfach erklärt, wegen der Militäroffensive der Türkei gebe es einen Export-Stop.

    Humanitäre Lage in Afrin katastrophal

    In der Stadt Afrin leben etwa 300.000 Flüchtlinge, die vor dem IS in die Stadt geflohen sind. Die humanitäre Lage sei katastrophal, heißt es. Das Bündnis für Frieden in Kurdistan vertritt nach eigenen Angaben rund 15.000 Kurden in der Metropolregion Nürnberg. Viele haben Angehörige in Nordsyrien und machen sich Sorgen um deren Sicherheit.

    "Tagtäglich erreichen uns Nachrichten, dass Zivilisten getötet werden. Es sterben Menschen. Mir fehlen die Worte, dass man da überhaupt nichts tut." Asya Karatas, vom Bündnis für Frieden in Kurdistan

    Maly hatte sich auf Filmfestival zum Thema geäußert

    Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly sagte dem Bayerischen Rundfunk, er habe sich bei der Türkei-Deutschland zu dem Thema geäußert. Diesen Rahmen habe er für das Thema angemessen gehalten.

    "Ich habe gesagt, dass im Moment zwischen der Türkei und Deutschland eine ganze Reihe von drängenden Fragen stehen. Und die drängendste ist die Offensive des türkischen Militärs in Nordsyrien zu Lasten der Kurden. Ich fand, dass das Publikum in der Tafelhalle ein richtiges ist, um so etwas zu äußern und es stand auch in den Zeitungen." Ulrich Maly (SPD), Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg

    Maly weist Vorwurf der Kurden zurück

    Bei der Übergabe des offenen Briefes am Donnerstag (15.03.18) habe es ein technisches Missverständnis gegeben. Die Beauftragte habe an einem anderen Ort gewartet. "Wir nehmen offene Briefe immer entgegen", sagte Maly. Auch wies er den Vorwurf zurück, die protestierenden Kurden zu ignorieren.

    "Wir ignorieren das nicht, weil uns Konflikte, die in Europa stattfinden bedrängen. Und wir wissen, dass viele Kurdinnen und Kurden in Nürnberg leben, und deshalb habe ich mich auch bei dem Anlass dazu geäußert." Ulrich Maly (SPD), Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg

    Seit Beginn der Militäroffensive am 20. Januar hat das Bündnis für Frieden in Kurdistan 40 angemeldete und spontane Demonstrationen und Kundgebungen in Nürnberg veranstaltet. Dem Bündnis gehören 28 verschiedene Vereine, Verbände und Einzelpersönlichkeiten in der Metropolregion Nürnberg an.