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Moritz Bartl, der Chef des Computerclubs "Zwiebelfreunde Augsburg", schreibt an einem Laptop
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Roswitha Polaschek
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Moritz Bartl, der Chef des Computerclubs "Zwiebelfreunde Augsburg", schreibt an einem Laptop

Moritz Bartl nimmt einen tiefen Zug von seiner selbstgedrehten Zigarette - seit dem Ereignis raucht er wieder. Sechs Ermittler haben ihn und seine Frau in aller Frühe mit einem Durchsuchungsbefehl überrascht. Er saß danach vier Stunden in Untersuchungshaft. Es geht um seinen Computer-Verein Zwiebelfreunde. Die Geschichte beginnt in den Tagen vor dem AfD-Parteitag in Augsburg. Im Internet sorgt ein Krawallreiseführer für Aufregung. Dort wird zum Beispiel erklärt, wie man am besten Autos anzündet.

Computerclub nutzt gleichen Internetanbieter wie Krawallführer-Macher

Die Macher des Krawallreiseführers nutzen einen amerikanischen Internetanbieter. Jeder kann darüber anonym Emails verschicken, weshalb auch Moritz Bartls Computer-Verein Zwiebelfreunde den US-Anbieter unterstützt, mit einem Spendenlink. Wohlgemerkt: Unterstützt wird der US-Internetanbieter, nicht die Macher des Krawallreiseführers. Und dennoch gerät Bartls Verein ins Visier der Ermittler. Anhaltspunkte dafür, dass Bartl Verbindungen zu dem Krawallreiseführer-Machern hat, gibt es, abgesehen von dem Spendenlink, laut der Münchner Generalstaatsanwaltschaft nicht.

Durchsuchungen und Beschlagnahmungen im Computerclub

Trotzdem werden Büros von Bartls Team durchsucht, Safes leergeräumt, Unterlagen, Laptops, und sogar private Handys beschlagnahmt. Für Moritz Bartl eine schwierige Situation: "Ich musste mir Urlaub nehmen. Ich leite verschiedene Angestellte, die jetzt alle aufgeschmissen sind, weil sie warten darauf, dass ich mit denen wieder weiterarbeiten kann." Die Zwiebelfreunde arbeiten beispielsweise an einem EU-Projekt, bei dem es um fünf Millionen Euro geht. Es könnte laut Bartl sein, dass der Computerclub jetzt Geld an die EU zurückzahlen muss.

Computerclub wird sein Eigentum einklagen

Moritz Bartl, dessen Verein früher Polizisten geschult hat, wie das Darknet funktioniert oder wie man sicher kommuniziert - er beschreitet nun den nervenaufreibenden Gerichtsweg, um sein Equipment zurückzubekommen. Doch die Mühlen der Justiz mahlen langsam, wie der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft, Joachim Ettenhofer, erklärt: "Die Auswertung von elektronischen Geräten kann dauern, das ist nicht prognostizierbar." 

Autoren

Roswitha Polaschek

Sendung

Mittags in Schwaben vom 18.07.2018 - 12:05 Uhr