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BR-BayernTrend - Januar 2021 | BR24

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BayernTrend 2021: die politische Stimmung nach einem Jahr Corona

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BR-BayernTrend - Januar 2021

Wenn in Bayern am kommenden Sonntag Landtagswahl wäre, könnte die CSU mit einer absoluten Mehrheit rechnen. Das zeigt der aktuelle BR-BayernTrend. Aber der Zuspruch zur aktuellen Corona-Politik der Staatsregierung ist rückläufig.

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Von
  • Stefanie Müller

Wenn in Bayern am kommenden Sonntag Landtagswahl wäre, käme die CSU auf 48 Prozent. Die Grünen würden 19 Prozent erreichen, die Freien Wähler 8 Prozent. SPD und AfD liegen im BR-BayernTrend bei 7 Prozent. Die FDP wäre genauso wie die Linke mit 3 Prozent nicht im Landtag vertreten. Dies ergibt eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts infratest dimap im Auftrag des BR-Politikmagazins Kontrovers.

Sonntagsfrage: Regierungsparteien legen zu

In der aktuellen landespolitischen Stimmung legt die CSU im Vergleich gegenüber dem letzten BayernTrend vom Oktober 2020 um 3 Prozentpunkte zu. Mit 48 Prozent hätten die Christsozialen aktuell Aussicht auf eine absolute Mehrheit. Auch die Freien Wähler gewinnen mit 8 Prozent an Zustimmung (+1). Dagegen verlieren die Oppositionsparteien Grüne, AfD und SPD leicht: Die Grünen kämen derzeit auf 19 Prozent (-2), die AfD auf 7 Prozent (-1) und die SPD ebenfalls auf 7 Prozent (-1). Die FDP würde unverändert 3 Prozent erzielen.

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Die Umfrageergebnisse im BR-BayernTrend zur Sonntagsfrage

Die Sonntagsfrage misst aktuelle Wahlneigungen und nicht tatsächliches Wahlverhalten. Sie ermittelt einen Zwischenstand im Meinungsbildungsprozess der Wahlbevölkerung, der erst am Wahlsonntag abgeschlossen ist. Rückschlüsse auf den späteren Wahlausgang sind damit nur bedingt möglich. Zum einen legen sich immer mehr Wähler kurzfristig vor einer Wahl fest, zum anderen hat die Bedeutung der letzten Wahlkampfphase mit der gezielten Ansprache von unentschlossenen und taktischen Wählern durch die Parteien zugenommen.

Wichtigste Probleme im Freistaat: Corona, Bildung, Umwelt

Bei den wichtigsten Problemen im Freistaat, die die Politik lösen soll, stehen Corona und die Eindämmung der Pandemie ganz oben. Für 56 Prozent der bayerischen Wahlberechtigten ist das die größte Herausforderung im Januar 2021. Mit deutlichem Abstand folgen die Themen Bildung mit 20 Prozent, Klima mit 17 Prozent und Wirtschaft mit 13 Prozent. An Bedeutung verloren haben die Flüchtlingspolitik mit 9 Prozent und das Thema Wohnen/Mieten mit 5 Prozent.

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Die wichtigsten Probleme im Freistaat: Corona, Bildung, Umwelt

Grundstimmung in Bayern geteilt

Ungeachtet der Corona-Pandemie gibt sich gut die Hälfte der Bayern im BR-BayernTrend optimistisch. Bei 54 Prozent überwiegt die Zuversicht, allerdings sind das 12 Prozent weniger als im April 2020. 40 Prozent der Wahlberechtigten sehen dagegen eher Anlass zur Beunruhigung, das sind 11 Prozentpunkte mehr als im April 2020. Positiv äußern sich die Anhänger der CSU (74:20), SPD (61:37) und die Anhänger der Grünen (54:43 Prozent). Skepsis dominiert dagegen die Wahrnehmung der AfD-Anhänger (5:94 Prozent) und mittlerweile auch die der Freien Wähler (37:61 Prozent).

Zuspruch zum Corona-Krisenmanagement geht deutlich zurück

60 Prozent der Befragten sind mit dem Corona-Krisenmanagement der Staatsregierung zufrieden. Allerdings ist dieser Wert deutlich gesunken. Im April bewerteten noch 89 Prozent das Handeln der Staatsregierung in der Pandemie positiv, im Oktober 79 Prozent. Sehr zufrieden mit dem Corona-Krisenmanagement im Vergleich zum Oktober sind aktuell noch 15 Prozent (-12), zufrieden 45 Prozent (-7). Weniger zufrieden sind 23 Prozent (+10), gar nicht zufrieden 16 Prozent (+8).

Die Corona-Politik des Freistaats findet Zustimmung bei den CSU-Anhängern (83 Prozent) und bei den Anhängern der Grünen (68 Prozent). Beim Koalitionspartner Freie Wähler liegt dieser Wert bei 50 Prozent (50:50), SPD-Anhänger sehen die Coronapolitik eher kritisch (42:58 Prozent), in den Reihen der AfD gibt es kaum Zuspruch (10:90 Prozent).

Die aktuellen Corona-Maßnahmen finden 56 Prozent der bayerischen Wahlberechtigten angemessen, für 12 Prozent gehen sie nicht weit genug. Dem stehen 31 Prozent gegenüber, denen der aktuelle Lockdown zu weit geht.

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Zuspruch zum Corona-Krisenmanagement geht deutlich zurück

Impfbereitschaft und Bewertung des Impftempos unterschiedlich

In Bayern wollen sich 50 Prozent der Befragten auf jeden Fall gegen das Corona-Virus impfen lassen, 27 Prozent wahrscheinlich. Dagegen wollen sich 10 Prozent wahrscheinlich nicht impfen lassen, 11 Prozent auf keinen Fall. Die Impfbereitschaft in Bayern ist durch ein deutliches Altersgefälle gekennzeichnet: Während sich bei den Menschen über 65 Jahren 68 Prozent auf jeden Fall impfen lassen wollen, sagen dies nur 38 Prozent der Menschen im Alter von 18-39 Jahren. Bei ihnen ist die Skepsis am größten.

Bei der Bewertung der Impfgeschwindigkeit sind die Menschen in Bayern gespalten: Zwar bezeichnen 40 Prozent das Tempo als angemessen – für 51 Prozent ist es allerdings zu langsam. Sowohl beim Impftempo als auch bei der Impfbereitschaft entsprechen die bayerischen Werte in etwa den Werten auf Bundesebene.

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Die Corona-Impfbereitschaft fällt sehr unterschiedlich aus

Kritik am Schul-Krisenmanagement des Kultusministeriums

Aktuell stehen in Bayern insbesondere die Schulen im Fokus. Mit dem Krisenmanagement des Kultusministeriums ist nur jeder Fünfte zufrieden, 74 Prozent der Befragten im BayernTrend gelangen zu einem negativen Urteil. Anhänger aller Parteien sehen die Arbeit des Kultusministeriums kritisch, auch jene der Freien Wähler (15:83 Prozent), die aktuell den Kultusminister stellen. Etwas weniger kritisch sehen Eltern mit schulpflichtigen Kindern das aktuelle Schul-Krisenmanagement: Hier sind 25 Prozent zufrieden, 73 Prozent unzufrieden.

Zufriedenheit mit Arbeit der Staatsregierung höher als vor Corona

Auch wenn die Unterstützung für das Corona-Krisenmanagement rückläufig ist, wird das Handeln der Staatsregierung positiver beurteilt als vor Ausbruch der Pandemie. 70 Prozent der Wahlberechtigten sind zufrieden mit der Arbeit der Staatsregierung (+6 Prozentpunkte im Vergleich zu Januar 2020). Auf die größte Zustimmung stößt die Koalitionsarbeit im Regierungslager von CSU (93 Prozent) und Freien Wählern (61 Prozent). Auch Anhänger von Grünen (70 Prozent) und SPD (63 Prozent) äußern sich zufrieden, unter den AfD-Anhängern sind es dagegen nur 9 Prozent.

Insgesamt wird die Arbeit der CSU besser bewertet als die der Freien Wähler. 66 Prozent sind zufrieden mit der Regierungsarbeit der CSU, 45 Prozent bewerten die Regierungsleistung der Freien Wähler positiv.

Was die Landtagsopposition angeht, wird weiterhin die Arbeit der Grünen am besten bewertet. Im Vergleich zum Januar 2020 kommen die Grünen hier auf 47 Prozent (-1). Die SPD kann auf 30 Prozent zulegen (+9), die FDP liegt weiterhin bei 24 Prozent, die AfD kommt auf 9 Prozent (-2).

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Zufriedenheit mit den Oppositionsparteien

Politikerbewertung: Söder am populärsten, verliert aber an Zustimmung

Wie die Landesregierung erzielt auch der Ministerpräsident höhere Zustimmungswerte als vor Ausbruch der Pandemie. Vor einem Jahr waren 67 Prozent mit seiner Arbeit zufrieden, im Juli 2020 waren es 87 Prozent. Jetzt zu Jahresbeginn 2021 stellen ihm 72 Prozent der Befragten im BR-BayernTrend ein positives Zeugnis aus.

Mit deutlichem Abstand zu Söder folgen Landtagspräsidentin Ilse Aigner mit einer Zufriedenheit von 56 Prozent und Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW) mit 54 Prozent. Aiwanger legt dabei um 5 Prozentpunkte im Vergleich zum Mai 2020 zu.  Auf den weiteren Plätzen folgen Katharina Schulze (Grüne) mit 32 Prozent, Michael Piazolo (FW) mit 24 Prozent, Ludwig Hartmann (Grüne) mit 23 Prozent und Natascha Kohnen (SPD) mit 20 Prozent. Martin Hagen von der FDP liegt bei 10 Prozent, AfD-Politiker Ingo Hahn bei 7 Prozent.

Mit 72 Prozent Zustimmung ist Markus Söder auch populärer als die abgefragten Bundespolitiker. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) kommt im Freistaat auf einen Zuspruch von 61 Prozent, SPD-Vizekanzler Olaf Scholz auf 52 Prozent. Die CSU-Bundesminister Horst Seehofer mit 46 Prozent Zustimmung und Gerd Müller mit 34 Prozent Zustimmung legen im Vergleich zu Januar 2020 um je 7 Prozentpunkte zu. Mit der Arbeit von Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) sind dagegen nur 15 Prozent zufrieden.

CDU/CSU-Kanzlerkandidat: Söder weiter vorn

Wer wird Kanzlerkandidat der Union? Aktuell sind vier Kandidaten im Gespräch, weiterhin auch Markus Söder. Der bayerische Ministerpräsident erfährt in dieser Frage die weitaus größte Zustimmung – für 63 Prozent der Menschen im Freistaat wäre er ein guter Kanzlerkandidat. Allerdings büßt er im Vergleich zum Juli 2020 14 Prozentpunkte an Zustimmung ein. Alle anderen Kandidaten können dagegen zulegen. Friedrich Merz kommt auf 32 Prozent Zustimmung (+5), Norbert Röttgen auf 31 Prozent (+12) und Armin Laschet auf 22 Prozent (+11).

Unter den CSU-Anhängern kommt Markus Söder auf 84 Prozent Zustimmung. Friedrich Merz erreicht hier 36 Prozent, Norbert Röttgen 33 Prozent und Armin Laschet 24 Prozent.

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Wer wäre ein guter Kanzlerkandidat?

Studieninformationen

Für die Umfrage wurden von infratest dimap im Zeitraum von 07. Januar bis 11. Januar 2021 1.000 Wahlberechtigte in Bayern telefonisch interviewt. Stichprobe: Repräsentative Zufallsauswahl. Fehlertoleranz: 1,4 bis 3,1 Prozentpunkte.