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Nürnberger Menschenrechtspreis Auszeichnung für Gewerkschafter aus Bangladesch

Als Präsident der Textilarbeiter-Gewerkschaft in Bangladesch setzt sich Amirul Haque Amin für diejenigen ein, die unter den Dumping-Löhnen auf dem Bekleidungsmarkt leiden. Jetzt hat er den Nürnberger Menschenrechtspreis 2015 erhalten.

Stand: 27.09.2015

SPD-Chef Gabriel gratuliert Amirul Haque Amin | Bild: picture-alliance/dpa

Die Jury hatte bei ihrer Entscheidung heuer erstmals die sozialen und wirtschaftlichen Menschenrechte ins Zentrum gestellt. Sie würdigte, dass sich der 54-jährige Amin seit 1984 mit "Hartnäckigkeit und Unerschrockenheit für die Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen und damit für die Würde der Menschen einsetzt, die in der exportorientierten Bekleidungsindustrie von Bangladesch tätig sind". Seit über 30 Jahren kämpfe er mit bewundernswertem Mut für die Rechte der Arbeiterinnen und Arbeiter in der Textilindustrie.

"Die Auswahl von Herrn Amin als Preisträger wirkt auch auf uns, weil wir uns an die eigene Nase fassen müssen: Die Frage ethischen Konsumentenverhaltens ist eine Frage, die sich jeder von uns stellen müsste, wenn er im Laden steht und etwas anprobiert oder vielleicht nach dem nächsten Schnäppchen greift ."

Ulrich Maly (SPD), Oberbürgermeister von Nürnberg

Gabriel verlangt verändertes Kaufverhalten

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) rief in seinem Grußwort die Bundesbürger zu bewusstem Kleidungskauf auf. Es gebe einen Zusammenhang zwischen schlechten Arbeitsbedingungen und Flüchtlingsbewegungen. Auch Wirtschaftsflüchtlingen dürfe man deshalb nicht verächtlich gegenübertreten.

"T-Shirts für vier Euro und Jacken für etwas mehr als 20 Euro werden am Ende von den Menschen bezahlt, die die Textilien herstellen."

Wirtschaftsminister und Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD)

Der bayerische DGB-Chef Matthias Jena forderte bei dem Festakt alle Textilunternehmen auf, Verantwortung für die Arbeitsbedingungen entlang ihrer Lieferketten zu übernehmen und dem Bündnis für nachhaltige Textilien beizutreten. Die Laudatorin für den Preisträger, Alke Boessiger vom Gewerkschaftsdachverband UNI Global Union, nannte das Geschäftsgebahren vieler Textilfirmen "schäbig". Gerade das Bekleidungsunternehmen KIK sei in alle Unglücke in Bangladesch und Pakistan in der jüngsten Zeit verstrickt, weigere sich aber, Entschädigungen zu zahlen.

Kampf für bessere Arbeitsbedingungen

Amirul Haque Amin ist Präsident und Mitbegründer der National Garment Workers Federation NGWF. Die Textilarbeitergewerkschaft ist die größte in Bangladesch. Die Organisation setzt sich seit 1984 für die Rechte und Menschenwürde der Arbeiterinnen und Arbeiter in der Bekleidungsindustrie von Bangladesch ein. Noch immer haben viele Modeunternehmen keine Entschädigungszahlungen nach dem Unglück in einer Textilfabrik im April 2013 geleistet. Die NGWF hat die Unternehmen gebeten, eine Vereinbarung über Brandschutz und Gebäudesicherheit zu unterzeichnen. Diese wurde zwar 2012 verfasst, doch die Mehrheit der Unternehmen weigert sich bis heute, sie zu unterschreiben.

Gefährliche Gewerkschaftsarbeit

Die Gewerkschaftsarbeit in Bangladesch sei außerordentlich gefährlich, betonte die Stadt Nürnberg. Aktivisten liefen nicht nur Gefahr, ihre Arbeitsstelle zu verlieren, sie würden oft auch schikaniert, bedroht oder verhaftet. Die Jury sah ihre Entscheidung auch als Signal, das Amirul Haque Amin "und seinen Mitstreitenden den notwendigen Schutz gibt, um ihre wichtige Arbeit für menschenwürdige Arbeitsbedingungen fortsetzen zu können".

"Ich freue mich, dass die Jury zum ersten Mal die sozialen und wirtschaftlichen Menschenrechte ins Zentrum ihrer Entscheidung gestellt hat und mit Amirul Haque Amin einen Aktivisten für die Arbeitnehmerrechte gekürt hat."

Ulrich Maly (SPD), Oberbürgermeister von Nürnberg

Niedrige soziale Standards

Seit den 1980er-Jahren seien bereits einige Fortschritte erzielt worden. So gebe es bereits Anspruch auf eine Woche Urlaub, einen bezahlten Feiertag am 1. Mai und einen niedrigen Mindestlohn. Allerdings gebe es noch viele Probleme. Ein globalisierter und freier Handel ohne die Einhaltung sozialer Standards widerspreche grundlegenden menschenrechtlichen Anforderungen, so die Jury.

"Bangladesch steht für ganz Südostasien, wo oft unter nicht hinnehmbaren sozialen aber auch nicht hinnehmbaren ökologischen Bedingungen T-Shirts hergestellt werden, die als Billigware in unseren Läden landen."

Ulrich Maly (SPD), Oberbürgermeister von Nürnberg

Preisverleihung Ende September 2015

Die Stadt Nürnberg vergibt den Internationalen Nürnberger Menschenrechtspreis alle zwei Jahre. Laut Satzung ist er ein Symbol, dass aus der Stadt der nationalsozialistischen Reichsparteitage und der menschenverachtenden Rassegesetze "in Gegenwart und Zukunft nur noch Signale des Friedens und der Völkerverständigung ausgehen". 2013 war die Auszeichnung an Kasha Jacqueline Nabagesera gegangen, die sich in ihrer Heimat Uganda für die Rechte von Schwulen, Lesben, Bi- und Transsexuellen einsetzt.

Hintergrund: Katastrophe in Textilfabrik

Beim Einsturz einer Textilfabrik im Rana Plaza-Gebäude in der bangladeschischen Hauptstadt Dhaka im April 2013 sind 1.135 Menschen gestorben, 2.000 Personen wurden verletzt. Seitdem seien den Beschäftigten und ihren Angehörigen noch immer keine Entschädigungen gezahlt worden, so die Jury des Nürnberger Menschenrechtspreises.


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Kommentare

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A. D., Dienstag, 29.September 2015, 09:00 Uhr

3. Verantwortung deutscher Politik von Gabriel unterschlagen

Sigmar Gabriel parliert von „T-Shirts für vier Euro und Jacken für etwas mehr als 20 Euro, die am Ende von den Menschen bezahlt würden, die die Textilien herstellen." Was will er damit sagen, außer dass er sein eigenes Nichtstun und Versagen beschreibt? Er ist Wirtschaftsminister und Vizekanzler und als solcher für Politik zuständig: für alle Importe, jedes importierte Textil, dessen Lizensierung, Verzollung. Das haben er und die Politik zu regulieren, ggfs. mit Sonderzöllen, Bestimmungen und Gesetzen, nicht der Verbraucher! Man appelliert an Verantwortung oder Bewußtsein des Verbrauchers oder der (vielleicht bösen) Importunternehmen, nicht an die eigene Unterlassung und Pflichtverletzung der Politik und ihrer Verantwortung gegenüber den Textilarbeiterinnen in Bangladesch. Dazu hat er - ob seiner Krokodilstränen - am 27.09. nichts gesagt

Tommy, Sonntag, 27.September 2015, 19:43 Uhr

2.

"Gabriel verlangt verändertes Kaufverhalten. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) rief in seinem Grußwort die Bundesbürger zu bewusstem Kleidungskauf auf."

Sagt einer, der die massive Ausweitung des Niedriglohnsektors in Deutschland mit zu verantworten hat.

Eva, Sonntag, 27.September 2015, 14:30 Uhr

1.

Jeder kann etwas ändern: Billig Artikel die unter Mißachtung der Menschenrechte hergestellt werden nicht zu kaufen!
Aber "schlaue" Kommentare von Herrn Gabriel(dem WIRTSCHAFTSMINISTER) hier einzustellen ist sicher kein weiterführendes Beispiel!
Herr Gabriel könnte wenn er nur wollte, morgen früh etwas an dieser Situation ändern. Will er vielleicht gar nicht? Er hatte schon lange die Möglichkeit dazu!