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Ingwer in der Medizin Wie gesund ist Ingwer wirklich?

Scharf und exotisch: Ingwer ist beliebt und gilt als Heilmittel. Er soll gegen Erkältungen und Übelkeit helfen - und sogar schlank machen. Aber stimmt das wirklich - was ist dran an den Mythen um die Knolle?

Von: Monika Hippold

Stand: 12.11.2018

Heißer Ingwer-Tee – darauf schwören viele in der Erkältungszeit.

Ingwerprodukte aus der Apotheke und Drogerie.

In Apotheken und Drogerien gibt es außerdem eine Menge an Ingwer-Medikamenten: Von Ingwer-Lutschtabletten über Öle und Salben bis hin zu Kaugummis und Säften. Ingwer ist 2018 zur Heilpflanze des Jahres gewählt worden. Aber hilft er tatsächlich gegen verschiedene Krankheiten und stärkt die Abwehrkräfte? Was ist dran an den Mythen um die Pflanze?

Das Besondere an Ingwer: die Scharfstoffe

Ingwer, lateinisch: Zingiber officinale, enthält rund 150 Inhaltsstoffe. Er ist reich an ätherischen Ölen. Die Scharfstoffe, die sogenannten Gingerole, machen den scharfen Geschmack der Pflanze aus. Rein formal ist Ingwer ein Nahrungsmittel. In der Traditionellen Chinesischen Medizin wird die Wurzel aber schon seit mehr als 2.000 Jahren als Heilpflanze verwendet.

Was sagt die Schulmedizin dazu – bei welchen Krankheiten ist die Wirkung von Ingwer tatsächlich erforscht? Er weiß es: Prof. Roman Huber ist Internist und Leiter des Uni-Zentrums für Naturheilverfahren in Freiburg.

"Die wichtigsten Inhaltsstoffe des Ingwers sind die Scharfstoffe. Sie wirken auf unser Übelkeitsempfinden und gegen Erbrechen. Das ist die Hauptwirkung, die man bisher gefunden hat."

Prof. Dr. med. Roman Huber, Internist, Leiter des Uni-Zentrums für Naturheilverfahren, Universitätsklinikum Freiburg

Ingwer gegen Übelkeit

Zur Wirkung von Ingwer bei Reise- und Schwangerschaftsübelkeit ist bereits viel geforscht worden. Hier hilft Ingwer tatsächlich.

"Die Gingerole, wirken auf bestimmte Rezeptoren, und zwar auf die Serotoninrezeptoren. Diese triggern Übelkeit und befinden sich unter anderem im Magen, in der Magenschleimhaut. Wenn diese Rezeptoren von den Gingerolen besetzt oder blockiert werden, wirkt das gegen Übelkeit."

Prof. Dr. med. Roman Huber, Internist, Leiter des Uni-Zentrums für Naturheilverfahren, Universitätsklinikum Freiburg

Vor einer Reise gilt: Besser Ingwerbonbons oder-Plätzchen einnehmen statt Ingwer-Tee, rät Prof Huber. Denn im Magen sollte sich nicht zu viel Flüssigkeit befinden, für den Fall, dass es doch zu Erbrechen kommen sollte. Allerdings hilft Ingwer nicht jedem: Bei Menschen mit einem sehr empfindlichen Magen können die Scharfstoffe eine Reizwirkung entfalten.

Ingwer in der Chemotherapie

Auch bei der Behandlung von Krebspatienten wird Ingwer eingesetzt: Wird er vor oder während einer Chemotherapie eingenommen, kann er die Übelkeit lindern – oft eine Nebenwirkung der Chemotherapie. In den Studien dazu wurde die Wirkung von Ingwer-Trockenextrakten wie Ingwerpulvern untersucht. Das Ergebnis: Ingwer hilft zwar - aber nicht bei jeder Chemotherapie.

"Bei den Chemotherapien, die sehr stark Übelkeit auslösen, reicht Ingwer alleine auf keinen Fall und bringt selbst als Zugabe zu den normalen Mitteln nicht besonders viel. Weil einfach die toxische Wirkung so stark ist. Es sind eher die Chemotherapien, die ein mittleres Übelkeitspotenzial haben, bei denen man Ingwer zusätzlich gut einsetzen kann."

Prof. Dr. med. Roman Huber, Internist, Leiter des Uni-Zentrums für Naturheilverfahren, Universitätsklinikum Freiburg

Ingwer – ein Blutverdünner?

Im Netz finden sich viele Mythen um die Wirkung von Ingwer.

Ingwer gegen Übelkeit ist also gut erforscht. Im Netz finden sich aber auch viele Mythen um die Wirkung der Knolle. Sie soll blutverdünnend wirken und den Blutdruck senken.

"Ingwer wirkt zum Glück nicht blutverdünnend. Das wäre ja auch gefährlich, dann müsste man ihn zum Beispiel vor Operationen absetzen. Man hat das untersucht und gesunden Menschen einen Blutverdünner gegeben - Aspirin oder Marcumar - und dann die Gerinnungszeit gemessen. Dann hat man ihnen gleichzeitig zusätzlich Ingwer gegeben. Das hat die Wirkung der anderen Blutverdünner nicht verändert. Und auch den Blutdruck kann man mit Ingwer nicht senken."

Prof. Dr. med. Roman Huber, Internist, Leiter des Uni-Zentrums für Naturheilverfahren, Universitätsklinikum Freiburg

Dass Ingwer Herzinfarkten vorbeugen kann, ist ebenfalls bloß ein Mythos. Nachgewiesen ist dazu bisher nichts.

Ingwer gegen Erkältungen

Ein paar Scheiben frischen Ingwer mit heißem Wasser aufgießen, etwas Zitrone und einen Löffel Honig dazu - wie sieht es aus: Hilft Ingwer tatsächlich gegen Erkältungen?

Ingwertee - darauf schwören viele in der Erkältungszeit. Wie stark er wirkt, ist bisher nicht erforscht.

"Beim Ingwer weiß man tatsächlich, dass er gegen Rhinoviren, also Schnupfenviren, eine gewisse Wirkung hat. Die ist zwar nicht ausgeprägt, aber mal beschrieben worden. Von daher ist es denkbar, dass Ingwer örtlich eine Wirkung hat."

Prof. Dr. med. Roman Huber, Internist, Leiter des Uni-Zentrums für Naturheilverfahren, Universitätsklinikum Freiburg

Wie stark diese Wirkung ist, dazu gibt es allerdings keine Studien.

Abnehmen dank Ingwer?

Aber vielleicht ist ja da etwas dran: Ingwer soll die Verdauung fördern und so beim Abnehmen helfen.

Abnehmen durch Ingwer funktioniert nicht.

"Eine verdauungsfördernde Wirkung ist dem Ingwer sicherlich zuzusprechen. Aber davon nimmt man nicht ab, sondern da verdaut man besser. Da sind die Speisen bekömmlicher, da hat man vielleicht weniger Blähungen, insgesamt fühlt man sich wohler. Aber Abnehmen hieße ja tatsächlich entweder etwas nicht aufzunehmen oder auszuscheiden oder einfach keinen Appetit zu haben, weniger zu essen oder den Stoffwechsel so stark anzukurbeln, dass wir eben einfach mehr verbrennen. Und für keinen dieser Punkte ist bisher ein Nachweis erbracht worden."

Prof. Dr. med. Roman Huber, Internist, Leiter des Uni-Zentrums für Naturheilverfahren, Universitätsklinikum Freiburg

Ingwer als Schmerzmittel?

Hilft Ingwer bei Muskel- und Gelenksschmerzen?

Das bessere Mittel zum Abnehmen ist da immer noch: Sport. Aber was, wenn man es mit dem Sport übertrieben hat – und Muskeln und Gelenke schmerzen? Einfach die betroffenen Stellen mit Ingwersalbe einreiben oder gleich ein Ingwerbad nehmen - Mythos oder ein seriöser Tipp?

"Ingwer als äußere Anwendung hat ein sehr gutes Potenzial. Es gibt den sogenannten Ingwerwickel, bei dem man Ingwerpaste, also zerkleinerten Ingwer als Brei auf ein Tuch legt, und dann auflegt. Das hat eine recht tiefgreifend durchwärmende Wirkung."

Prof. Dr. med. Roman Huber, Internist, Leiter des Uni-Zentrums für Naturheilverfahren, Universitätsklinikum Freiburg

Ingwerwickel gegen Rückenschmerzen

Zu Ingwersalben und Ingwerbädern gibt es bisher keine Studien.

Die Wärme entspannt die Muskeln, die Schmerzen gehen zurück. Ingwerwickel haben sich bisher bei Rückenschmerzen oder Bronchitis bewährt. Allerdings besitzen die Scharfstoffe auch eine hautreizende Wirkung, sie sollten also nicht direkt auf eine entzündete Stelle auf der Haut gelangen. Zu Ingwersalben und -Bädern gibt es bisher keine Studien

Eine Heilpflanze für den ganzen Körper ist Ingwer also laut Studienlage nicht. Richtig angewendet verschafft die beliebte Wurzel aber trotzdem ein wohliges Gefühl in der kalten Jahreszeit.


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