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Handekzem Was hilft gegen juckende, schmerzende Hände?

Rötungen, Risse, Bläschen, Juckreiz – ein chronisches Handekzem ist meist äußerst unangenehm. Es kann über Wochen oder sogar Monate bestehen oder tritt schubweise auf. Nicht selten sind Betroffene in ihrem Alltag dadurch sehr eingeschränkt – manche müssen sogar ihren Beruf aufgeben. Rund zehn Prozent der Bevölkerung sind innerhalb eines Jahres betroffen. Damit ist das Handekzem eine der häufigsten Hauterkrankungen überhaupt. Gesundheit! hat zwei Patienten getroffen und zeigt, welche Behandlung hilft.

Von: Julia Richter

Stand: 14.01.2019

Handekzeme stellen die häufigste entzündliche Hautveränderung dar. Es handelt sich um eine nicht ansteckende Erkrankung, die sich ganz unterschiedlich zeigen kann. Die häufigsten Symptome sind:

  • raue, trockene Haut
  • Juckreiz
  • Rötungen
  • Bläschenbildung
  • Risse
  • Verhornung

Das Handekzem kann unterschiedliche Ausprägungen haben, in unterschiedlichen Schwergraden auftreten und unterschiedliche Gründe haben.

Handekzem: verschiedene Ursachen

Die gesunde Haut verfügt über eine natürliche Barriere, die den Körper vor dem Eindringen fremder Stoffe schützt. Je häufiger die Haut durch allergieauslösende oder aggressive Stoffe und durch Wasser gereizt wird, umso mehr greift das die Schutzbarriere an. Das kann soweit gehen, dass diese geschädigt oder zerstört wird. Die Folge: Die körpereigene Abwehr reagiert über - eine Entzündung entsteht. Genau das ist bei Manuel der Fall: Vor ein paar Monaten ging es bei ihm plötzlich los:

"Die Haut hat begonnen, einen Ausschlag zu bekommen - das habe ich dann am Anfang unterschätzt. Und anschließend hat sie sich dann geschuppt und gehäutet. Nach und nach waren dann auch Spannungsgefühle in der Haut drin - als wäre die Haut zu klein und dann hat sie auch geblutet und ist aufgeplatzt."

Manuel, Patient

Irritativ-toxisches Handekzem

Der 22-Jährige ist Industriemechaniker und macht viel mit den Händen. Bei rund der Hälfte der Patienten ist die Erkrankung – wie bei ihm - berufsbedingt: Besonders betroffen sind zum Beispiel Friseure, Fliesenleger, Bäcker oder Menschen, die im Gesundheitswesen arbeiten. Also Personen, die viel im Nassbereich tätig sind, mit chemischen Substanzen in Kontakt kommen, ständig Handschuhe tragen und oft die Hände waschen müssen.

Hier sprechen Ärzte von einem sogenannten irritativ-toxischen Handekzem, hervorgerufen durch äußere Einflüsse.

"Unser Patient arbeitet in einem Arbeitsumfeld, in dem er mit irritativen Stoffen zu tun hat, daher muss er häufig Handschuhe tragen und überdies noch die Hände waschen. All das zusammen führt zu einer Schädigung der Hautbarriere durch dieses feuchte Milieu und letztlich dann zum Handekzem."

Prof. Dr. med. Bernadette Eberlein, Dermatologin, TU München

Atopisches Handekzem

Daneben gibt es noch das sogenannte „atopische Handekzem“ – ausgelöst durch „innere“ Faktoren: Das ist bei Susann der Fall. Die junge Frau leidet seit Jahren unter einem Handekzem. Sie arbeitet im Musik-Marketing.

"Ich habe verschiedene Allergien, zum Beispiel gegen Hausstaub und Milben. Und dann kommt Stress dazu, den man natürlich schwer unterdrücken kann. Das äußert sich in kleinen Bläschen, die sich unter der Haut bilden, und die wahnsinnig jucken. Man fängt dann an, die aufzukratzen."

Susann, Patientin

Es gibt also Patienten, die eine genetische Veranlagung zu Neurodermitis, Heuschnupfen oder Asthma haben. Diese Menschen haben ein erhöhtes Risiko für ein Ekzem: Sie haben meist erblich bedingt eine geschwächte Hautbarriere und sind damit anfälliger.

Handekzem: Diagnose

Manuel geht es am Ende so schlecht, dass er stationär im Krankenhaus behandelt werden muss. Hier versuchen die Ärzte herauszufinden, was seinen Händen so massiv zusetzt.

Neben einer gründlichen Hautuntersuchung ist auch die Anamnese wichtig: Wann tritt das Handekzem auf, zu welcher Jahreszeit ist es besonders schlimm? Nach welchen Tätigkeiten? Diese Fragen können helfen, die Ursache zu finden.

Bei Manuel werden die Hautschüppchen untersucht, um auszuschließen, dass er einen Pilz oder zum Beispiel eine Schuppenflechte hat. Außerdem wird bei ihm ein sogenannter Epikutantest gemacht: Per Pflaster werden dazu geringe Mengen von Kontaktallergenen auf die Haut geklebt. So kann eine mögliche Allergie nachgewiesen werden – das könnte ebenfalls eine Ursache des Ekzems sein.

Der Befund von Manuel zeigt: Der Allergietest ist negativ –  welcher chemische Stoff seine Haut reizt, wissen die Ärzte bisher nicht.

Handekzem: die richtige Behandlung

Auch wenn die Ursache des Ekzems bei Manuel noch nicht klar ist, ist es wichtig die Haut zu schützen. Einer der wichtigsten Bausteine bei der Behandlung ist Kortison:

"Wir haben Kortisoncremes in verschiedenen Wirkstärken zur Verfügung. Die stark wirksamen wirken natürlich schnell antientzündlich, machen aber die Haut auch relativ schnell dünn - als Nebenwirkung. Deshalb gehen wir dann relativ rasch auf mittelstarke über - schleichen diese langsam aus. Das heißt, wir wenden sie nur noch jeden zweiten, dritten Tag an und versuchen dann ganz auf kortisonfreie Cremes umzusteigen."

Prof. Dr. med. Bernadette Eberlein, Dermatologin, TU München

Das Kortison hilft Manuel relativ schnell. Außerdem bekommt er eine spezielle Behandlung mit UV-A-Strahlung. Eine medizinische Creme macht die Haut lichtsensibler und erhöht die Wirksamkeit der Phototherapie. Nach kurzer Zeit geht es ihm tatsächlich besser, allerdings ist die Lichtbehandlung aufgrund der Strahlenbelastung nicht für eine Langzeittherapie geeignet.

Ganz wichtig in seinem Beruf: Die Wahl der richtigen Handschuhe.

"Entscheidend ist das Material des Handschuhs: Auf der einen Seite gibt es, Handschuhe aus Baumwolle, die sind günstig, weil sie luftdurchlässig sind. Auf der anderen Seite haben wir Handschuhe aus Gummi oder feste Arbeitshandschuhe. In diesen schwitzt der Patient und durch dieses feuchte Milieu kommt es zu einer Verschlechterung des Ekzems."

Prof. Dr. med. Bernadette Eberlein, Dermatologin, TU München

Manuel soll deshalb künftig immer Baumwollhandschuhe unter seinen Arbeitshandschuhen tragen.

In Susanns Fall kommt neben Kortison noch ein sogenannter Calcineurin-Hemmer zum Einsatz. Das Mittel setzt am Immunsystem an, das verrückt spielt und soll den Juckreiz lindern. Wenn all das nicht greift, gibt noch eine Alternative:

"In ganz schweren Fällen, in denen die äußerliche Therapie nicht ausreichend ist, können wir innerlich mit Vitamin-A-haltigen Tabletten behandeln. Die sind aber insofern problematisch, als dass man bei jungen Frauen unbedingt eine Schwangerschaft vermeiden muss, weil die Mittel fruchtschädigend sind. Falls man sie jungen Frauen geben möchte, ist also eine engmaschige Kontrolle erforderlich."

Prof. Dr. med. Bernadette Eberlein, Dermatologin, TU München

Das A und O beim Handekzem ist die richtige Pflege. Hier gilt: Viel hilft viel. Rückfettende Cremes wirken wie ein flüssiger Handschuh, der die Hautbarriere schützt. Bis zu 20 Mal am Tag cremt Susann ihre Hände ein. Wichtig ist, die Creme auch am Handgelenk, an den Nägeln und in den Zwischenräumen der Finger wirklich gut einzureiben.

Je nach Tätigkeit und Arbeitsplatz können bestimmte Hautschutzcremes zum Einsatz kommen, die am besten vor, während und nach dem Arbeiten aufgetragen werden. So kann die Hautbarriere wieder stabilisiert werden.

Patienten sollten nicht zu oft und nicht zu heiß die Hände waschen. Statt einer dufteten Seife, sollte man lieber eine ph-neutrale, milde, parfümfreie Seife nehmen.

Handekzem: die negativen Folgen

Hat sie es akut, ist für Susann jeder Handgriff mühsam, die Haut schmerzt und brennt. Auch der Juckreiz ist sehr belastend. Manche Patienten entwickeln wegen des Handekzems sogar eine Schlafstörung.

Kratzt sie, juckt es nur noch stärker. Ein Teufelskreis. Und dann ist da noch die psychische Komponente:

"Was mich besonders stört an dem Handekzem ist eigentlich tatsächlich, dass es eben die Hand ist, die man, gerade wenn man jemanden nicht kennt, als erstes präsentiert. Das heißt, man lernt jemanden kennen – förmlich – und das erste was der andere wahrnimmt, ist, dass man trockene Hände hat."

Susann, Patientin

Manuel macht sich große Sorgen – seit er wieder arbeitet, wird das Handekzem erneut schlimmer:

"Dass ich meinen aktuellen Beruf nicht weiter ausüben kann, das ist meine größte Angst. Allerdings muss ich natürlich auch an meine Gesundheit denken. Ich bin gerade mal 22 Jahre alt. Da braucht man seine Hände vermutlich noch länger."

Manuel, Patient

Susann hat gelernt, die Krankheit anzunehmen und die Schübe zu akzeptieren. Und sie achtet darauf, Stress abzubauen und auf ihren Körper zu hören. Auch das ist ein wichtiger Baustein bei der „Hautpflege“.


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