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Mehr Sprachverständlichkeit im Fernsehen

Pilotprojekt Dialog+ Mehr Sprachverständlichkeit im Fernsehen

Stand: 29.03.2021

Dreharbeiten an der Donaufähre bei Matting, unweit von Regensburg. | Bild: BR

Der Bayerische Rundfunk testet im Rahmen eines Pilotbetriebs die Ausstrahlung einer neuen Tonspur. Zuschauerinnen und Zuschauer erhalten damit die Möglichkeit, sich via HbbTV 2 für Dialog+ als Alternative zum regulären Sendeton (Originalmischung) zu entscheiden. Dialog+ ist ein zusätzliches Audioangebot mit dem Ziel, die Sprache in einer Fernsehsendung leichter und besser verstehen zu können. Dialog+ im BR Fernsehen wird noch bis Ende März zu ausgewählten Sendereihen angeboten: "Natur exclusiv" samstags um 16.15 Uhr und "Tatort" dienstags um 20.15 Uhr.

Bei Dialog+ Tonfassungen sind die Hintergrundtöne (Geräusche, Musik, Atmosphäre) verringert. Dadurch sind die Sprachanteile gegenüber der Originalmischung stärker hervorgehoben. Die Audioanalyse und Generierung der sprachbetonenden Dialog+ Fassung erfolgt dabei automatisiert auf Basis der Originalmischung durch einen Algorithmus.

Ziel von Dialog+ ist es, die Höranstrengung zu vermindern und gleichzeitig ein angenehmes Fernseherlebnis zu schaffen. Gestalterische und klangliche Aspekte sind zwar weiterhin von Bedeutung, stehen bei Dialog+ aber nicht im Vordergrund.

Welche Sendungen werden mit Dialog+ angeboten?

Bis Ende März wird die Sendereihe "Natur exclusiv" samstags um 16.15 Uhr im BR-Fernsehen mit Dialog+ angeboten. Erstmals ist das Angebot auch beim "Tatort" am Dienstag um 20.15 Uhr verfügbar.

Video zeigt Funktion von Dialog+

In diesem Video erfahren Sie, wie Dialog+, ein zusätzliches Audioangebot für bessere Sprachverständlichkeit, zur laufenden Fernsehsendung genutzt werden kann.

Sie sehen, wie Dialog+ Tonfassungen mit der Fernbedienung des Smart TV einfach ausgewählt werden können, um Höranstrengung zu vermeiden und so ein angenehmes Fernseherlebnis zu schaffen.

Wie nutze ich "BR Dialog+"?

Über die HbbTV-Startleiste stehen in der Applikation "BR Dialog+" die Originalmischung und Dialog+ Tonspuren mit unterschiedlich stark betonten Sprachanteilen zur Auswahl.

Welche technischen Voraussetzungen benötige ich?

Um die Dialog+ Tonspuren hören zu können, sind folgende technische Ausrüstung und Verbindungen erforderlich:

  • Empfang via Satellit oder Kabel (sofern der Kablenetzbetreiber das Signal durchleitet)
  • Ein HbbTV 2-taugliches Fernsehgerät (SmartTV), das mit dem Internet verbunden ist. (Geeignete Geräte zeigen die BR-Dialog+-Applikation in der HbbTV-Startleiste im BR Fernsehen an)

Pilotbetrieb nach Tests und Hörversuchen

Der BR hat in einem internen Innovationsprojekt in Kooperation mit dem Institut für Rundfunktechnik (IRT) und dem Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen (IIS) die Möglichkeit zur automatischen Erzeugung von Dialog+ Tonfassungen durch Dialogseparation untersucht. Zugleich wurden vom IRT mit Laien und Experten Hörversuche durchgeführt und die Wirksamkeit verschiedener automatischer Verfahren geprüft.

"Aufgrund der positiven Bewertung bei den Hörversuchen hat sich der BR für eine Fortsetzung und einen erweiterten Pilotversuch zu Dialog+ entschieden. Unser Ziel ist es, dabei noch mehr Erfahrungen mit nachträglicher Dialogseparation zu sammeln und letztlich auch ein breiteres Publikum mit einzubeziehen für die Beurteilung eines individuell nutzbaren und bedürfnisorientierten Zusatzangebots für mehr Sprachverständlichkeit."

Produktions- und Technikdirektorin Prof. Birgit Spanner-Ulmer

Dialog+ ist im Rahmen des Pilotbetriebs mit Naturdokumentationen am 5. Dezember 2020 im BR Fernsehen gestartet.

Technischer Hintergrund

Zum Einsatz kommt bei "BR Dialog+" der neue Technikstandard HbbTV 2, den auch das IRT entscheidend mitentwickelt hat. Kooperationspartner ist das Fraunhofer IIS mit einer KI-basierten Eigenentwicklung für die erforderliche Dialogseparation.

Arbeitsgruppe zum Thema Sprachverständlichkeit

Nicht nur der Bayerische Rundfunk arbeitet an dem Thema: Auch andere Landesrundfunkanstalten erproben, ob und wie Sprachverständlichkeit von Fernsehinhalten mit technischen Mitteln optimiert werden kann. Im Rahmen einer ARD-Arbeitsgruppe Sprachverständlichkeit werden die Erkenntnisse der einzelnen Häuser untereinander ausgetauscht und bewertet. Letztlich eint alle Landesrundfunkanstalten das gleiche Ziel – den Zuschauerinnen und Zuschauern einen Mehrwert bieten zu können.

Andere Anwendung – vergleichbare Technik:  BR Audiodeskription

In einem weiteren Pilotprojekt zeigt der BR gerade, dass individuell zuschaltbare Tonspuren ein zusätzliches barrierefreies Angebot ermöglichen: Die Sendereihen “Hubert und Staller" und "Monaco Franze" werden aktuell mit "BR Audiodeskription" ausgestrahlt.

Bei dieser Test-Applikation steht die Nutzung am Mobilgerät für ein inklusives gemeinsames Fernseherlebnis von nicht-sehenden und sehenden Menschen im Vordergrund.