Kultur - Literatur


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Monika Mann Die Insel des zweiten Glücks

Anfang der 50er-Jahre verlässt Monika Mann die USA und findet in Italien ihr Glück. Sie verliebt sich in einen Fischer und lebt über 30 Jahre mit ihm auf Capri.

Stand: 03.11.2011 | Archiv

Auf Dauer bekam Monika Mann das "wilde Emigrantenleben" in den USA nicht gut. "Mir geht es eher dreckig", schrieb sie 1952 an den Schriftsteller Hermann Kesten, einen guten Freund aus New Yorker Emigrantentagen. Es zog sie nach Italien, das "schon lange die Heimat ihres Herzens ist." Noch im selben Jahr machte sie sich per Schiff auf den Weg nach Genua. Von dort ging es zunächst weiter nach Rom. Doch eigentlich hatte sie das Stadtleben satt und sehnte sich nach Ruhe.

Ein Tipp eines Freundes kam da zur rechten Zeit: "Geh doch mal nach Capri, in das Haus von Spadaro, wo auch ich war!" Sie geht und ist sofort begeistert von der Villa Monacone des drei Jahre älteren Fischers Antonio Spadaro. Später sagte sie, drei Dinge seien es gewesen, denen sie dort, beim Jahreswechsel 1954/55, nicht habe widerstehen können: "Das Haus, der Blick, der Mann."

Stille Tage in Capri - mit einem Capri-Fischer

Beinahe eine schicksalhafte Beziehung zum Meer

Monika Mann blieb dort gut 30 Jahre lang. Der Capreser Arzt Giuseppe Spirito sagte über sie: "Sie war sehr verschlossen ... Ihre Bindung an die Welt war Antonio. Dabei konnte es ja gar nicht zwei unterschiedlichere Menschen geben ... Also, ich will nicht sagen, für Monika sei Antonio der 'edle Wilde' gewesen, im Sinne Rousseaus, aber vielleicht doch irgendetwas in dieser Art." Auf Capri, beim einfachen Fischer Spadaro, scheint sie die menschliche Wärme gefunden zu haben, die ihr im amerikanischen Exil fehlte.

"Ich hatte die Intellektuellen ungeheuer satt. Und dann sah er (Antonio, Anm. d. Red.) unverschämt gut aus ... und ich verliebte mich in den Gedanken, endlich irgendwo zu bleiben," beschrieb Monika Mann ihr Refugium auf der Insel, wo sie mit Antonio Spadaro sehr zurückgezogen lebte.

Autobiografie verursacht neuen Familienzwist

Monika und Antonio "Toni" Spadaro Anfang der 70er-Jahre vor der Villa Monacone

Die Intellektuellen - sie hatten nur ein müdes Lächeln für ihre neue Existenz: Die Familie, die Monika nie recht ernst nahm, spottete aus der Schweiz über ihr Leben mit dem "alten Fischer". Doch sie hatte sich inzwischen - so gut es eben ging - vom "Sog des Familienschattens", wie es ihr Neffe Frido Mann ausdrückte, befreit. 1956 - ein Jahr nach dem Tod Thomas Manns und gleichzeitig mit Erikas Bericht über das letzte Jahr des Vaters - veröffentlichte sie "Vergangenes und Gegenwärtiges. Erinnerungen". Ihre ungeschönte Version der Manns passte allerdings nicht ins "offizielle" Familienbild: Katia Mann schimpfte über die "halb begabten" und "geschmacksunsicheren Produkte ... dieser dummen Person", die - im Fall der "Erinnerungen" - ausschließlich "ihrer Phantasie" entsprungen seien. Erika sprach ihrer Schwester sogar generell das Recht ab, persönliche Erinnerungen an den Vater zu verbreiten. Zu groß sei deren Entfernung von der Familie gewesen.

Vertreibung aus dem Paradies

Monika Mann, die auf Capri ihre im Exil begonnene journalistische Tätigkeit fortgeführt hatte, hielt sich nicht an Erikas "Schreibverbot" und verfasste unter anderem eine Reihe von Texten über ihre Familie. Die "Erinnerungen" brachten ihr publizistischen Erfolg ein, weitere Bücher folgten. Aus dem Insel-Paradies wurde sie jedoch jäh vertrieben, als 1985 Antonio Spadaro starb. Monika Mann musste die Villa Monacone innerhalb eines halben Jahres verlassen. 1986 zog sie ins elterliche Haus nach Kilchberg in der Schweiz, wo Golo Mann wohnte. Doch es wurde ein kurzes Intermezzo, die Geschwister kamen nicht miteinander aus. Monika Mann verließ Kilchberg und fand Zuflucht bei der Familie von Golos Adoptivsohn Hans Beck-Mann in Leverkusen, wo sie am 17. März 1992 starb.


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