Kultur - Literatur


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Monika Mann Schiffbruch - nach dem ersten großen Glück

Ihr Musikstudium führte Monika Mann zunächst nach Südfrankreich, später nach Florenz. 1940 überlebte sie eine Schiffskatastrophe, ihr Mann ertrank. In den USA führte sie ein "wildes Emigrantenleben" und verfasste Essays.

Stand: 03.11.2011 | Archiv

Badefreuden im französischen Exil: Monika Mann 1933 in Sanary-sur-Mer

Vielleicht war der "Rauswurf" aus dem elterlichen Hause nicht das Schlimmste, was ihr passieren konnte: Nach eigener Aussage fühlte sie sich fern der Familie am wohlsten. Ihren künstlerischen Neigungen folgend, nahm sie ab 1926 unter anderem ein Musikstudium in Lausanne auf. 1933 ging sie ins französische Sanary-sur-Mer. Dorthin folgte sie ihren Eltern, für die nach Hitlers Machtübernahme der Mittelmeerbadeort ebenso als erste Zuflucht diente wie für viele deutsche Emigranten, so auch Thomas Manns Bruder Heinrich.

Florentinische Etüden

Luigi Dallapiccolo 1968

Im Januar 1934 übersiedelte Monika Mann nach Florenz zu einem privaten Klavierstudium bei Luigi Dallapiccola, einem der bedeutendsten modernen Komponisten Italiens. Monika Mann verliebte sich in die Stadt mit ihren "Mauern, Türmen und Kuppeln" - und in Jenö Lányi. Der ungarisch-jüdische Kunsthistoriker hatte sich mit Publikationen zur italienischen Frührenaissance einen Namen gemacht und hielt sich zwecks Donatello-Studien in Florenz auf. 1938 gingen Lányi und Monika Mann nach London, nachdem Mussolini antisemitische Rassegesetze erlassen hatte. In England heiratete Monika Mann Lányi, der zunächst am Londoner kunsthistorischen Warburg Institute weiterarbeiten konnte.

Dem Untergang entronnen - die Schiffskatastrophe

"City of Benares"

Wieder war das Glück kurz: 1940 startete Nazi-Deutschland seine Luftoffensive gegen England und überzog London mit einem Bombenhagel. Das Ehepaar entschloss sich zur Überfahrt nach Amerika. Nachdem der inzwischen in den USA lebende Thomas Mann für seine Tochter und Lányi ein kanadisches Visum erwirkt hatte, gingen beide am 13. September 1940 in Liverpool an Bord der "City of Benares". Der geplante Trip in die Freiheit sollte zur Höllenfahrt werden.

Vier Tage später - mitten im Atlantik, 1.000 Kilometer von Land entfernt - wurde das Schiff von einem deutschen U-Boot-Torpedo getroffen und sank sofort. Die meisten der etwa 400 Passagiere ertranken, auch Jenö Lányi. Nach eigener Aussage hörte Monika Mann ihn noch dreimal nach ihr rufen, dann verstummte er für immer. Sie selbst trieb 20 Stunden lang im Ozean, in einem winzigen Rettungsboot, bis ein englisches Kriegsschiff die wenigen Überlebenden aufnahm und nach Schottland brachte. Die Schwester Erika Mann besuchte sie dort im Krankenhaus und schrieb an die Mutter: "Sie ist überzeugt, und mag recht haben, dass (Lányi) sich aufgegeben hat, weil er sie für verloren hielt. Er hat ... in ganz ungewöhnlichem Maße an ihr gehangen. Wann, je, wird sie dergleichen wiederfinden?" Nun, Monika Mann sollte "dergleichen" wiederfinden.

"Wildes Emigrantenleben" in den USA

Doch zunächst wurde sie in den USA von ihren Eltern aufgenommen. Mit ihnen zog sie von New York ins kalifornische Pacific Palisades und begann ihr "wildes Emigrantenleben", wie sie es nannte. Dort störten aber die alten Differenzen bald wieder den Familienfrieden, es kam zum eingangs erwähnten Zerwürfnis. 1942 ging sie zurück nach New York, zur von ihr so bezeichneten "stählernen, abstrakten Mutter". Die anonyme Großstadt "ohne Erinnerung" bekam ihr zunächst besser als das Asyl bei den Eltern. In New York entdeckte auch Monika Mann das Schreiben und verfasste Essays und Feuilleton-Geschichten.


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