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Nach dem Gipfel ist vor dem Gipfel

Internationale Klimapolitik Nach dem Gipfel ist vor dem Gipfel

Stand: 27.06.2019

Zähes Ringen im internationalen Klimaschutz ist nichts Neues: Schon seit Jahren stehen sich politischer Unwille und die immer dringlichere Notwendigkeit zu handeln gegenüber. Dem Klimawandel begegnen kann nur globale Politik.

Und das versucht sie auch, wenn auch nicht mit dem Tempo und Nachdruck, den sich viele Klimaforscher, Umweltschützer und "Fridays for Future"-Demonstranten wünschen würden. Doch Jahr für Jahr bemühen sich viele Staaten weltweit, verbindlichen Klimaschutz voranzubringen.

UN-Klimakonferenz in Bonn

Die "Friday for Future"-Aktivisten Maya Florinda Krieg und der Student Luca Samlidis nehmen als Beobachter an der UN-Klimakonferenz in Bonn teil.

Am 27. Juni 2019 endete die elftägige UN-Klimakonferenz in Bonn, die zur Vorbereitung auf den nächsten Klimagipfel im Dezember in Santiago de Chile dienen sollte. Umweltverbände kritisierten im Anschluss, dass Staaten wie die USA und Saudi-Arabien und einige andere sich in erschreckendem Maße den Erkenntnissen von Klimaforschern verweigerten.

Nächster Klimagipfel: Dezember 2019

Der nächste Klimagipfel, COP 25, wird im Dezember 2019 in Santiago de Chile stattfinden. "COP" steht für "Conference of the Parties", die Konferenz der Vertragsstaaten der Klimarahmenkonvention UNFCCC.

Erderwärmung schreitet voran

Die Teilnehmer der UN-Klimakonferenzen sind sich immerhin einig, dass die Erderwärmung zumindest gebremst werden muss. Doch statt den Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren, bläst die Menschheit immer mehr davon in die Erdatmosphäre. Im Jahr 2017 war die Konzentration an CO2 in der Erdatmosphäre so hoch wie noch nie, warnte die Weltorganisation für Meteorologie (WMO).

"Wir müssen uns klar darüber werden, dass wir heute noch Entscheidungsoptionen haben, dass wir ein Zeitfenster haben vielleicht von zwanzig Jahren, in dem wir darüber befinden, wie nachfolgende Generationen das Klima auf dieser Erde erleben werden."

Hans-Otto Pörtner vom Alfred-Wegener-Institut, anlässlich der Veröffentlichung des zweite Teils des fünften Weltklimaberichts des Weltklimarats IPCC im April 2014

Nach Einschätzung des Weltklimarats (IPCC) wird die Temperatur Ende des Jahrhunderts vier Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau liegen, falls keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Der Weltklimabericht des IPCC zeigt das deutlich.

Warum die Einigung im Klimaschutz so schwierig ist

Industriestaaten gegen Schwellenländer

Historisch betrachtet sind die heutigen Industrieländer die Hauptverantwortlichen für die Erderwärmung. Zwar stößt heutzutage das Schwellenland China deutlich mehr Treibhausgase aus als die USA. Aber CO2 wirkt in der Atmosphäre etwa 100 Jahre lang nach. Werden alle Emissionen seit Beginn der systematischen Aufzeichnungen um 1850 zusammengerechnet, führen die USA gefolgt von der EU die Liste an. Aus dieser Tatsache leiten aufstrebende Wirtschaftsnationen ab, sie hätten in Sachen Treibhausgase noch etwas gut, um in ihrer Entwicklung weiterzukommen.

Pro-Kopf-Ausstoß

Je nach Statistik lässt sich die Bevölkerung des einen oder eines anderen Landes zum Sündenbock in Klimafragen erklären. So kann man auch den Pro-Kopf-Ausstoß, also wie viel jeder einzelne Bürger eines Staates zur Erderwärmung beiträgt, in den Mittelpunkt der Berechnungen stellen. Nimmt man statt der nationalen Gesamtemissionen den Pro-Kopf-Ausstoß als Richtmaß, sind Australien, die USA, Saudi-Arabien und Kanada die Hauptsünder.

Entwicklungsländer zahlen drauf

Die klimatischen Veränderungen werden allen Vorhersagen und Statistiken zufolge besonders die Menschen in Entwicklungsländern treffen. Niedrig liegende Küstengebiete in Bangladesch und Inseln wie die Malediven sind von einem steigenden Meeresspiegel bedroht. In der Sahelzone werden durch mehr Dürren und Überschwemmungen die Nahrungsmittel und Trinkwasser noch knapper. Diesen Ländern mangelt es jedoch nicht nur an Geld und Technologie, um sich besser auf die Folgen des Klimawandels vorzubereiten. Sie haben kaum Lobby und nur eine schwache Verhandlungsposition in den internationalen Gesprächen.

Nationale Wirtschaftsinteressen

Häufig kollidieren internationale verbindliche Zusagen mit wirtschaftlichen oder machtpolitischen Interessen im eigenen Land. Für die Schwellenländer hat das Wirtschaftswachstum Priorität. Die Golfstaaten leben vom Export von Erdöl, Deutschland vom Export energie- und kostenintensiver Technologie. Brasilien rodet Amazonas-Regenwälder und belastet damit das Weltklima. Australien, die USA und Kanada setzen noch immer hauptsächlich auf fossile Brennstoffe. In der Vergangenheit haben diese Staaten die Verhandlungen oft ausgebremst.

Innenpolitische Abhängigkeiten

Die Klimapolitik eines Landes kann sich durch veränderte innenpolitische Konstellationen schnell ändern. In Deutschland lässt der Atomausstieg und der schleppende Ausbau regenerativer Energien die CO2-Emissionen wieder ansteigen. Die australischen Konservativen haben sich gegen die Klimaschutz-Steuer ihrer Vorgänger entschieden. Dem ehemaligen US-Präsident Obama fehlte die Mehrheit im Kongress, um sein geplantes Klimagesetz durchzusetzen. Sein Nachfolger Donald Trump kehrte die Marschrichtung beim Klimaschutz komplett um. Langfristige Klimapolitik ist so innenpolitisch oft nur schwer durchsetzbar.

Historische Schuld und künftige Sünder

Im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter ist die weltweite Durchschnittstemperatur bereits deutlich gestiegen. Der größte Teil der Treibhausgase wird weiterhin von den Industrieländern ausgestoßen. Die Pro-Kopf-Emission wird dort noch auf Jahre die der Entwicklungsländer deutlich übersteigen. Die Industrieländer haben daher eine historische wie aktuelle Verantwortung im Kampf gegen den Klimawandel - so sieht es jedenfalls die EU. Doch es ist auch klar, dass die Entwicklungsländer den Industriestaaten auf dem Weg des Fortschritts folgen wollen und somit mehr Treibhausgase ausstoßen werden.

Aufschwung ohne Emissionszuwachs

Besonders in Schwellenländern wie China und Indien werden die Emissionen in den nächsten Jahren stark zunehmen, wenn es nicht gelingt, das erwünschte wirtschaftliche Wachstum von der Zunahme der Treibhausgase zu entkoppeln. Doch viele Entwicklungsländer fürchten: Strenge globale Regeln für den Klimaschutz könnten ihr Wirtschaftswachstum bremsen. Das Kyoto-Protokoll hatte die Entwicklungsländer bislang von allen Verpflichtungen ausgenommen. Umso dringender war es, mit dem Abkommen von Paris ein neues globales Klimaabkommen zu finden, dem sich auch Schwellen- und Entwicklungsländer anschließen konnten.

Deutschland enttäuscht die Erwartungen

Und bei uns? Deutschland hat nicht mehr die Vorreiterrolle, die es in Sachen Klimaschutz in den vergangenen Jahren innehatte. Deutschland wird voraussichtlich die selbstgesteckten Klimaschutzziele für 2020 nicht erreichen. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) mahnt, dass die Bunderegierung sowohl die nationalen als auch die europäischen Klimaziele verfehlen werde. Und dass, obwohl nach Angaben von Bundesumweltministerin Svenja Schulze "jeder in Deutschland lebende Mensch pro Kopf rund doppelt so viele Emissionen jährlich verursacht wie der Durchschnitt der Menschheit".

  • Abschluss der Klimakonferenz. nano, 18.12. um 17:45 Uhr, ARD-alpha
  • Weltklimagipfel: Außer Spesen nichts gewesen? Unkraut, 17.12. um 19:00 Uhr, BR Fernsehen
  • Kommentar zum Klimagipfel in Kattowitz. radioWelt, 17.12. um 06:05 Uhr, Bayern 2
  • Geteiltes Echo auf den Klimagipfel in Kattowitz. Rundschau, 16.12.2018 um 18:30 Uhr, BR Fernsehen
  • Unkraut: Klimawandel: Sind wir noch zu retten? 6.11.2017, 19:00 Uhr, BR Fernsehen
  • nano: Klimagipfel Bonn. 7.11.2017, 16:30 Uhr, ARD-alpha
  • IQ - Wissenschaft und Forschung: Weltklimakonferenz in Bonn – Hält die Aufbruchstimmung an? 7.11.2017, 18:05 Uhr, Bayern 2
  • nano spezial: Klimagipfel live. 16.11.2017, 16:30 Uhr, ARD-alpha
  • IQ - Wissenschaft und Forschung: Klimagipfel in Bonn – Forscher ziehen erste Bilanz. 17.11.2017, 18:05 Uhr, Bayern 2
  • nano-spezial: Klima-Gipfel. 20.11.2017, 16:30 Uhr, ARD-alpha
  • orange: Meer essen Heimat auf - Fidschi und der Kampf gegen den Klimawandel. 6.11.2017, 9:05 Uhr, Bayern 2