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Warum Lüften so gesund ist Die Luft, die wir atmen, entscheidet, wie es uns geht

Ein offenes Fenster sorgt drinnen für Luftaustausch. Banal, aber Lüften tut mehr für unsere Gesundheit, als wir denken. Gerade jetzt in der Corona-Pandemie.

Stand: 20.08.2020 | Archiv

Frau lehnt sich aus einem geöffneten Fenster. | Bild: mauritius images

Warum Lüften so wichtig ist - gegen Viren und Ansteckungsgefahr

Regelmäßiges Lüften in Innenräumen ist schon deswegen gesund, weil es immer die Konzentration von Krankheitserregern verdünnt, die da vielleicht in der Raumluft herumschwirren.

"In geschlossenen Räumen kann die Anzahl von Erregern stark steigen. Regelmäßiges Lüften insbesondere in Küche, Bad und Schlafzimmer senkt ein mögliches Ansteckungsrisiko besonders dann, wenn Erkrankte zu Hause auskuriert werden", schreibt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

Hilft Lüften gegen Corona?

In Zeiten der Corona-Pandemie ist Dauerlüften sogar eine wichtige Schutzmaßnahme geworden: Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité empfiehlt das Lüften von Innenräumen in der Gastronomie.

"Man sollte vielleicht auch in Innenbereichen sagen: Fenster aufreißen, gerade im Sommer, dann kann man wahrscheinlich auch drinnen sitzen."

Virologe Christian Drosten im NDR-Podcast 'Das Coronavirus-Update' am 12. Mai 2020

Was sind Aerosole?

Leere Wirthausstühle in Eichstätt während des Corona-Lockdowns - am 18. Mai dürfen die Biergärten in Bayern wieder geöffnet werden.

Grund: Aerosole - vereinfacht gesprochen sind das sehr feine Nebel mit sehr kleinen Tröpfchen, die infektiöse Viruspartikel aus der Ausatemluft von Infizierten enthalten können - spielen eine große Rolle bei der Weiterverbreitung des Corona-Virus. Nach Kenntnis der aktuellen Studien zu Sars-CoV-2 schätzt Virologe Drosten: "Fast die Hälfte der Übertragung ist Aerosol, fast die andere Hälfte ist Tröpfchen und vielleicht so zehn Prozent der Übertragung ist Schmier- oder Kontaktinfektion." Ein Luftumsatz sei immer mit einem Verdünnungseffekt des Aerosols verbunden. Der Virologe empfiehlt - auch für Schulen: Das Fenster öffnen und einen Ventilator so ins Fenster stellen, dass er die Innenluft nach draußen befördert.

Weil draußen genügend Luftbewegung herrscht, hält Drosten die Außenbereiche von Gaststätten, also Terrassen und Biergärten, für recht sicher und eine Ansteckungsgefahr für gering.

Gedämmte Häuser - wenig Luftaustausch: Lüften notwendig und wichtig

Frischluft verdünnt Virennebel in Biergärten, Gaststätten oder Büros und Werkstätten, aber warum muss auch zu Hause regelmäßig gelüftet werden - gerade, wenn wir jetzt viel Zeit zu Hause verbringen? Weil wir - allein durch unsere Atmung - Feuchtigkeit verbreiten. Atmen, duschen, kochen: Eine vierköpfige Familie sorgt pro Tag für rund sechs bis zwölf Liter Wasserdampf in der Raumluft. Die größte Menge an Feuchtigkeit entsteht dabei natürlich beim Duschen und durchs Kochen.

Warum Lüften so wichtig ist, wenn wir Wäsche in der Wohnung trocknen

Wer Wäsche drinnen trocknen muss, sollte immer dazu lüften.

Wer seine Wäsche in der Wohnung trocknet, bei dem ist es noch feuchter in den Wohnräumen. Experten raten daher, Wäsche möglichst immer in Trocknern, Trockenräumen oder Wäschekellern zu trocknen - sofern vorhanden. Zum Vergleich der verschiedenen Flüssigkeitsmengen, die im privaten Alltag entstehen: Duschen sorgt für bis zu 2.500 Gramm Flüssigkeit pro Stunde, beim Kochen fallen 600 bis 1.000 Gramm an (Quelle: Verbraucherzentrale). Das Trocknen von geschleuderter Wäsche erzeugt 50 bis 200 Gramm pro Stunde. Menschen in leichter Aktivität geben 30 bis 40 Gramm Feuchtigkeit in der Stunde an die Umgebung ab. (Quelle: Umweltbundesamt). "Wird Wäsche in der Wohnung getrocknet, sollte unbedingt gelüftet werden. Günstig ist es, in dieser Zeit ein Fenster anzukippen und die Zimmertür geschlossen zu halten. Die Heizung dabei nicht abschalten", empfiehlt das Umweltbundesamt.

Der Wasserdampf vom Duschen sollte direkt danach durch ein geöffnetes Fenster wieder nach draußen geleitet werden. Die Badtür bleibt dabei geschlossen und die Feuchte an den Kacheln wird bestenfalls mit einem Wischer abgezogen. Ähnliches gilt für die Küche: Dampf bei offenem Fenster gleich nach dem Kochen nach draußen schicken. Im Schlafzimmer: Morgens nach dem Aufstehen und abends vor dem Schlafengehen stoßlüften. Im Schlaf geben wir jede Nacht rund einen halben Liter Flüssigkeit ab. Für Menschen, die unter einer Pollenallergie leiden gelten besondere Lüftungsregeln: So schlafen Sie trotz Heuschnupfens besser

Der Wasserdampf, den wir erzeugen, müssen wir wieder aus unseren Wohnräumen hinausbefördern. Sonst kann durch die Luftfeuchtigkeit auf die Dauer Schimmel entstehen. Der Luftaustausch gelingt nur durch regelmäßiges Stoßlüften oder Querlüften, also das Öffnen zweier gegenüberliegender Fenster, oder am besten aller Fenster in der Wohnung. Zwei bis vier Mal pro Tag raten die Fachleute.

Warum Lüften so wichtig ist - so geht es richtig

Im Sommer lüften wir länger als im Winter. So lange sollten die Fenster offen bleiben:

"Im Winter bei niedrigen Außentemperaturen oder Wind reichen drei bis fünf Minuten. Im Frühjahr oder Herbst kann der komplette Luftaustausch zehn bis 20 Minuten dauern. Wer aus hygienischen Gründen auf frische Luft bedacht ist, sollte mindestens drei bis vier Mal pro Tag die Luft komplett austauschen. Wenn Sie den ganzen Tag abwesend sind, ist es wichtig, zumindest morgens und abends zu lüften."

Verbraucherzentrale

Unser Gehirn leidet unter verbrauchter Luft - Lüften bringt die Konzentration zurück

Auch unsere Ausatemluft sorgt nach einer Zeit für schlechte - "verbrauchte" Luft in Wohnzimmer oder Büro. Kein Wunder, denn wir atmen 15 Liter Kohlendioxid pro Stunde aus und das ohne körperliche Aktivität. Je mehr Menschen sich in einem Raum befinden, desto schneller sinkt der Sauerstoff-Anteil der Luft. Folgen: Wir ermüden rascher und unsere Konzentration leidet. Deswegen tut es so wohl, zu Hause und am Arbeitsplatz regelmäßig zu lüften.


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