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Verdauung anregen Ist ein Schnaps zur Verdauung sinnvoll?

Plätzchen, Gänsebraten, Verdauungschnaps hinterher. Regt Alkohol unsere Verdauung an? Tipps, was gegen Völlegefühl wirklich hilft.

Stand: 27.11.2018

Familie sitzt zu Weihnachten zum Weihnachtsessen zusammen | Bild: mauritius-images

Schon in der Adventszeit essen wir oft mehr, als unserem Bauch lieb ist. Aber das ist in Ordnung. Schließlich gehören Plätzchen, festliche Braten und Geflügel wie Ente und Gans einfach dazu zur Advents- und Weihnachtszeit. Tun wir uns etwas Gutes, wenn wir einen Verdauungsschnaps trinken? Hilft uns Alkohol bei der Verdauung?

Verdauungsschnaps sinnvoll oder nicht

Die schlechte Nachricht zuerst: Ein Verdauungsschnaps wirkt eher kontraproduktiv, sagen die Mediziner. Alle, die auf das Schnapserl nach dem Essen schwören, verspüren ein wohliges Gefühl in der Magengegend nach dem Digestif. Und das hat folgenden Grund: Der Alkohol bewirkt, dass sich unsere Muskeln entspannen, auch die des Magens. Und das ist nicht gut.

"Der Alkohol belastet den Magen zusätzlich, denn er hemmt die Magenmuskulatur und verlängert dadurch die Zeit, die der Speisebrei im Magen verbringt. Wenn überhaupt, so haben eher die in Kräuterschnäpsen enthaltenen ätherischen Öle der Kräuter positive Effekte auf die Verdauung, generell aber ist der Konsum hochprozentigen Alkohols nach dem Essen nicht empfehlenswert."

Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS)

Damit ist klar: Der Verdauungsschnaps hilft uns gar nicht, erst recht nicht, wenn es ein klarer Schnaps ist. Besser wäre demnach ein Kräuterschnaps.

Alkohol und Verdauung

Und dass Schnaps die Verdauung bremst, haben Forscher des Universitätsspitals Zürich in einer Studie ganz praktisch bewiesen. Das Schweizer Käsefondue wurde deutlich langsamer verdaut, wenn die Versuchspersonen Schnaps dazu tranken. Gab es zum Käsefondue dagegen schwarzen Tee, funktionierte die Verdauung sehr viel besser.

Warum Sie nur zwei bis drei mal in der Woche Alkohol trinken sollten

Nach dem üppigen Essen spazierengehen - das hilft tatsächlich gegen das Völlegefühl.

In der Adventszeit sorgen die Weihnachtsmärkte dafür, dass wir häufiger und mehr Alkohol zum Beispiel als Glühwein oder Feuerzangenbowle zu uns nehmen als sonst. Der Schwellenwert, ab dem Alkohol deutlich schädlich auf unseren Körper wirkt, liegt für Frauen bei einem Dreiviertelliter Wein in der Woche und für Männer ein Liter Wein oder vergleichbare alkoholische Getränke. Doch auch die Tatsache, an wie vielen Tagen der Woche wir Alkohol trinken, ist wichtig:

"Trinken wir täglich Alkohol, verändert sich der Stoffwechsel der Bakterien und es beginnt ein Artensterben der Bakterien im Darm. Mehr Pilze und andere schädliche Zwischenprodukte werden produziert. Das führt dazu, dass die Darmflora aus dem Gleichgewicht gerät. Deswegen sollten wir das Trinken von Alkohol auf zwei bis drei Tage in der Woche beschränken, damit die bakterielle Vielfalt in unserem Darm erhalten bleibt."

Christian Trautwein, Gastroenterologe und Direktor der Uni-Klinik für Gastroenterologie, Stoffwechselerkrankungen und internistische Intensivmedizin, Aachen

Verdauungsspaziergang hilft

Was unserem Bauch tatsächlich hilft, ist der gute alte Verdauungsspaziergang:

"Laufen und aktiv sein ist gut. An der alten Weisheit - nach dem Essen sollst du ruhen oder 1.000 Schritte tun - ist schon etwas dran. Durch die Aktivität werden Magen und Darm angeregt, der Speisebrei im Magen wird schneller weitertransportiert."

Christian Trautwein, Gastroenterologe

Der Spaziergang sollte mindestens 20 Minuten dauern. Losgehen sollten wir ungefähr 15 Minuten nach dem Essen - dann ist der Spaziergang am effektivsten, sagt eine Studie. Trost: Wir dürfen dabei in normalem Tempo gehen.

Nickerchen nach dem Essen

Sich nach dem Gänsebraten direkt hinzulegen, ist keine gute Idee. Denn, dadurch, dass der Magen prall gefüllt ist, wird die Magensäure nach oben in die Speiseröhre gedrückt - die Ursache für Sodbrennen.

Japanische Forscher hatten herausgefunden, dass Sodbrennen vermehrt auftritt, wenn wir uns innerhalb der ersten drei Stunden nach dem Essen hinlegen.

Kaffee Verdauung

Auch die Tasse Kaffee oder der Espresso helfen uns beim Verdauen des Festessens nur bedingt, denn Koffein wirkt nicht auf den überfüllten Magen.

"Für Kaffee und Espresso gilt: Die Getränke regen bei manchen Menschen die Darmtätigkeit an und beschleunigen die Darmentleerung. Bei der Entleerung des Magens helfen sie aber nicht."

DGVS

Wenig Kohlehydrate essen

Unser Experte Prof. Trautwein hält sich persönlich beim Weihnachtsessen an Folgendes: "Ich esse zwar gern, aber nicht zu viel und ich achte darauf, dass ich nicht zu viel Zucker und nicht zu viel Nudeln oder Kartoffeln zu mir nehme. Ich esse etwas Fleisch und dazu mehr Gemüse oder Salat. Und zum Nachtisch esse ich eher Früchte als Süßspeisen."


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