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Frei von Gluten, Konservierungsstoffen, Laktose Was Bezeichnungen auf Lebensmitteln bedeuten

Ohne Gluten, Laktose oder Zusatzstoffe: Auf vielen Lebensmitteln prangen Labels, die suggerieren können, dass ein Produkt besonders gesund ist. Was die Bezeichnungen wirklich aussagen und warum "ohne" nicht unbedingt gesünder ist.

Stand: 30.05.2017

Auf einem Etikett steht "Ohne Zusatz von Konservierungsstoffen". | Bild: picture-alliance/dpa

"Nur mit natürlichen Zutaten"

Klingt erst einmal gesund, dass nur natürliche Zutaten enthalten sind, hat aber kaum Aussagekraft. "Die Bezeichnung 'natürlich' ist da auch Definitionssache. Glukosesirup kann zum Beispiel auch als natürliche Zutat gelten, ist aber als hochverarbeiteter Inhaltstoff nicht unbedingt gesund", sagt Daniela Krehl, Ernährungsexpertin bei der Verbraucherzentrale Bayern. Wer also erwartet, nur die reinen Naturprodukte zu essen, wird enttäuscht. Ein Blick in die Zutatenliste ist da meist aufschlussreicher.

"Vegan"

Dass Säfte und Weine mit dem Label "vegan" werben, ist erst einmal irritierend. Grundsätzlich dürfen Hersteller nicht mit selbstverständlichen Tatsachen werben, also damit, dass eine Banane vegan ist zum Beispiel - denn das ist keine Besonderheit.

"Normalerweise sagt das Lebensmittelrecht, dass man nicht mit Selbstverständlichkeiten werben darf. Das ist auch der Grund, warum auf Pflanzenölen nicht mehr 'cholesterinfrei' draufsteht, weil eben jedes Pflanzenöl cholesterinfrei ist."

Daniela Krehl, Ernährungsexpertin bei der Verbraucherzentrale Bayern.

Lebensmittelhersteller filtern aber Weine und Säfte häufig mit Hilfe von Ei oder Fischprotein, deren Einsatz den Wein zu einem nicht-veganen Produkt macht. "Es gibt technische Hilfsstoffe, die in der Zutatenliste nicht aufgeführt sind. Ein Veganer kann dann nur durch so eine Bezeichnung prüfen, ob solche tierischen Stoffe verwendet wurden", sagt Daniela Krehl.

"Ohne Zusatzstoffe"

"Es steht zwar häufig drauf 'ohne Zusatzstoffe', der Industrie ist es aber mittlerweile gelungen, dann Zutaten zu verwenden, die keine E-Nummern haben, aber im Prinzip die gleiche Wirkung haben", sagt Daniela Krehl. Das heißt zum Beispiel, dass in dem Produkt zwar nicht der Geschmacksverstärker Glutamat zum Einsatz kommt, in der Zutatenliste aber zum Beispiel Hefeextrakt auftaucht, der den Geschmack ähnlich intensiviert.

"Laktosefrei"

Laktoseintoleranten Menschen fehlt ein Verdauungsenzym, um den Milchzucker verarbeiten zu können. In Deutschland sind das etwa zehn Prozent der Bevölkerung. Auch wenn das Label "laktosefrei" auf vielen Lebensmitteln prangt, eine klare Regelung gibt es nicht: "Wieviel Laktose dann noch im Produkt enthalten sein darf, ist lebensmittelrechtlich bislang noch nicht geregelt. Es wird aber ein maximaler Gehalt von zehn Milligramm pro hundert Gramm empfohlen", sagt Daniela Krehl.

Grundsätzlich gibt es für Menschen ohne Unverträglichkeit keinen Grund auf Laktose zu verzichten, denn der ist gut für die Darmflora: "Der Milchzucker unterstützt uns auch bei der Aufnahme von Kalzium, prinzipiell würde ich ihn deshalb auch als gesundheitsförderlich bezeichnen", sagt Krehl. Deshalb: Wer das laktosefreie Produkt nicht braucht, sollte nicht auf den Milchzucker verzichten.

"Ohne Konservierungsstoffe laut Gesetz"

Produkte mit dieser Kennzeichnung dürfen laut Lebensmittelgesetz gar keine Konservierungsstoffe enthalten - zum Beispiel Dosensuppen. "Würden Sie nur 'ohne Zusatzstoffe' draufschreiben, wäre es wieder Werben mit Selbstverständlichkeiten", sagt Krehl. Mit dem kleinen Zusatz "laut Gesetz" können die nicht eingesetzten Zusatzstoffe doch aufs Etikett.

"Mit der Bezeichnung 'frei von …' suggeriert man Leichtigkeit und besonders gesunde Eigenschaften eines Produkts."

Daniela Krehl, Ernährungsexpertin bei der Verbraucherzentrale Bayern.

"Glutenfrei"

"Das Glutenfrei-Zeichen der Deutschen Zöliakie Gesellschaft (DZG) – eine durchgestrichene Ähre –oder die Angabe ,glutenfrei' sind freiwillige Kennzeichnungen, die rechtlich geregelt sind", sagt Daniela Krehl. Laut EU-Verordnung dürfen die Lebensmittel dann nicht mehr als 20 Milligramm Gluten, also Klebereiweiß, enthalten.

Für Menschen, die unter Zöliakie leiden ist die Kennzeichnung sehr wichtig, da schon kleine Mengen Gluten enorme Auswirkungen auf ihre Gesundheit haben können. "Für alle anderen bieten glutenfreie Produkte keinen Mehrwert", sagt Ernährungsexpertin Krehl. Denn um die Eigenschaften eines Lebensmittels mit Klebereiweiß zu imitieren, enthalten die Produkte häufig besonders viel Salz und Fett - natürlich gibt es auch hier Bio-Varianten aus natürlichen Zutaten. Wer aber nicht muss, der sollte auch nicht auf Gluten verzichten, da ihm sonst wichtige Ballaststoffe aus Getreide fehlen können.


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