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Online Einkaufen im Ausland China oder Deutschland: Wo bestelle ich wirklich?

Große Auswahl und billige Preise: Fast zwei Drittel aller Onlinekäufer haben schon mal in einem Online-Shop im Ausland eingekauft – viele davon sogar, ohne es zu merken. Woran Sie erkennen, dass Sie gerade außerhalb der EU einkaufen und wie Ihr Online-Schnäppchen auch wirklich eines bleibt.

Stand: 13.05.2019

Frau packt Pullover aus einem Paket | Bild: mauritius-images

Hier ein Kleid, da ein Paar Schuhe - Einkaufen vom Sofa aus ist für uns mittlerweile völlig alltäglich. Und beim Shoppingtrip im Netz kaufen wir mittlerweile sehr häufig im Ausland ein – oft auch ohne, dass wir es bemerken. Das hat eine Studie der Uni Siegen ergeben: Fast zwei Drittel aller Onlinekäufer (66 Prozent) haben danach schon einmal online über Ländergrenzen hinweg eingekauft. Im Einkaufskorb landen dann Bekleidung und Elektronik-Artikel - vor allem aus Shops in China (36 %), Großbritannien ( 19,5%) und den USA (15,3%). Die Gründe dafür sind einfach: Die Auswahl ist größer und die Preise in der Regel geringer als auf dem deutschen bzw. europäischen Markt.

Bestellungen außerhalb der EU machen oft Probleme

Die meisten Käufer, die im Ausland shoppen, tun das in Web-Shops außerhalb der EU - und diese Tatsache fällt ihnen später immer wieder schmerzhaft auf die Füße: Bei ihrem Kauf haben sie den rechtlichen Raum der Europäischen Union verlassen, und damit den Schutz ihrer verbraucherfreundlichen Regelungen, wie etwa das 14-tägige Widerrufsrecht.

Sechs von zehn Kunden, die schon einmal in einem Online-Shop im Ausland bestellt haben (60,5 %), hatten der Siegener Studie zufolge damit schon mal Probleme - etwa weil die Waren nicht oder zu spät ankamen, falsche Waren gesendet wurden oder die Kommunikation mit dem Händler nicht klappte. Viele dieser Probleme sind beim Online-Einkauf im asiatischen Raum aufgetreten. Das bestätigt Katharina Grasl, Juristin bei der der Verbraucherzentrale Bayern:

"Was wir häufig haben, sind Kleidungsstücke, die dann nicht die Qualität haben, die man sich erhofft hat. Oder dass die Ware gar nicht ankommt oder in mangelhaftem Zustand."

Katharina Grasl, Juristin bei der der Verbraucherzentrale Bayern

Wer also ein Schnäppchen machen will, das den Namen verdient, sollte sich halbwegs gut auskennen.  

Woran erkenne ich, dass ich im Nicht-EU-Ausland einkaufe?

Hier steht, was wirklich zählt: das Impressum

Immer wieder berichten geprellte Onlinekäufer im Netz davon, dass sie bei einem Shop mit der Adressendung ".de" in dem Glauben eingekauft haben, es handele sich um ein deutsches Geschäft. Ein teurer Irrtum: Bei Reklamationen oder Umtausch war das Geld oft weg, der Händler nicht zu erreichen. Gut zu wissen: Die Top-Level-Domain ".de" sagt nichts darüber aus, wo der Händler sitzt oder von wo aus er seine Waren verkauft. Diese Informationen finden Sie wiederum im Impressum der Shop-Website. Zumindest sollte sie dort stehen. Tun sie das nicht, oder gibt es sogar überhaupt kein Impressum, sollten Sie dort besser nicht einkaufen. 

Auch beim Einkauf selbst bekommen Sie nochmal einen Hinweis auf den Sitz des Shops, betont Juristin Grasl, allerdings erst zu einem späten Zeitpunkt: "In der Widerrufsbelehrung und in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen sollte die Adresse des Händlers stehen - und darauf sollte zumindest im letzten Buchungsschritt hingewiesen werden. Sie muss man allerdings auch anklicken." Fehlen diese innerhalb der EU vorgeschriebenen Hinweise, liegt die Vermutung nahe, dass Sie im Begriff sind, im Nicht-EU-Ausland einzukaufen. Und damit hier alles reibungslos läuft, sollten Sie sich absichern.

Daran erkennen Sie einen seriösen Online-Händler im Ausland

Damit der Online-Einkauf im Ausland ein Schnäppchen bleibt: Vorher Impressum prüfen

Wenn Sie bei einem Händler bzw. auf einer Website noch nie bestellt haben, oder sie überhaupt nicht kennen: Suchen Sie zuerst wie bereits genannt nach dem Impressum - gibt es eines und ist es vollständig? Zudem sollten Sie die Kontaktmöglichkeiten prüfen: Gibt es welche und lässt sich auf diesem Weg auch tatsächlich jemand erreichen, der weiterhelfen kann? Und nicht zuletzt: Fahnden Sie per Suchmaschine nach Erfahrungsberichten anderer Kunden mit Ihrem Händler - so erhalten Sie zumindest einen Eindruck von dem Kundenservice, der Sie erwartet.
Hier finden Sie weitere Tipps, damit Sie sicher online einkaufen: Keine Chance für Fake-Shops: So erkennen Sie seriöse Online-Händler

Daran muss ich bei Einkäufen im Nicht-EU-Ausland denken

  • Es können zusätzliche Kosten für Zoll und Einfuhrumsatzsteuer anfallen - und dabei ist der Gesamtwert der Sendung entscheidend, also Warenwert plus Versandkosten. Grob kann man sagen: Bis 22 Euro fällt kein Zoll an; bei einem Warenwert zwischen 22 und 150 Euro ist die Sendung zollfrei, dafür müssen Sie Einfuhrumsatzsteuer in Höhe von 19 % miteinplanen. Ab 150 Euro Sendungswert kommt dann Zoll dazu. Da die Höhe der Kosten von der Art der Ware abhängt, sollten Sie sich in jedem Fall selbst beim nächstgelegenen Zollamt informieren.
  • Dorthin müssen Sie möglicherweise ohnehin, um Ihre Sendung abzuholen. Denn nur, wenn der Verkäufer eine vollständige Zollerklärung ausfüllt, landet das Paket direkt bei Ihnen, dem Kunden. Sonst geht das Paket an das für Ihren Wohnbereich zuständige Zollamt. Sie werden informiert und müssen die entsprechenden Infos vor Ort nachliefern.
  • Wenn das Kleid die falsche Farbe hat oder die Schuhe nicht passen, übernehmen die meisten europäischen Händler die Kosten für die Retoure. Diese Kulanz dürfen Sie allerdings im Nicht-EU-Ausland nicht unbedingt erwarten und je nachdem aus welchem Land der Welt etwa die Schnäppchen-Jeans an Sie verschickt wurde, kann die Rücksendung für Sie ziemlich teuer werden. Deshalb: Informieren Sie sich vor dem Einkauf über die Kosten und Verfahren für Retouren.
  • Gerade Elektronik-Artikel werden in asiatischen Shops meist deutlich günstiger als hierzulande angeboten. Technisch versierte Käufer profitieren davon, "Normalkunden" haben immer wieder Probleme damit, bestätigt die Siegener Studie: Bauteilen fehlt etwa die technische Kompatibilität oder auch die CE-Kennzeichnung. Damit ist nicht sichergestellt, dass die Ware den Sicherheits- und Gesundheitsanforderungen der EU entspricht - und der Zoll kann die Einfuhr verweigern.
  • Es ist wie bei den Strand-Händlern im Urlaub: Wenn Sie einen Markenartikel online zu einem deutlich niedrigerem Preis kaufen, besteht die Gefahr, dass es sich um eine Produktfälschung handelt. Diese zu kaufen, ist strafbar. Im besten Fall vernichtet der Zoll die Ware nur, im schlechtesten müssen Sie Ihre Unschuld nachweisen.

Was tun, wenn ich meine Bestellung schon abgeschickt habe?

Sollten Sie im Nachhinein ein ungutes Gefühl bekommen, etwa weil sie erst nach der Bestellung die wenig positiven Kundenbewertungen gelesen haben, besteht trotzdem noch Hoffnung: Widerrufen sie in jedem Fall den Vertrag schriftlich und versuchen Sie gleich, die Zahlung zurück zu holen. Bei einer Lastschrift ist das einfach; bei einer Überweisung oder Kreditkartenzahlung ist es schon schwieriger. Bezahlsysteme, die einen Käuferschutz anbieten - wie PayPal, Amazon Payments, TrustedShop u.a. können in solchen Fällen hilfreich sein; sie übernehmen meist die Kosten, wenn keine bzw. die falsche Ware geliefert wird. Aber: Die Bedingungen variieren je nach Anbieter und die Details machen den Unterschied. Ein Beispiel nennt Verbraucherschutz-Juristin Grasl: Wer etwa über PayPal per Rechnung bezahlt, ohne ein Konto bei dem Dienstleister zu haben, hat keinen Käuferschutz - den gibt es nur für alle, die ein PayPal-Konto besitzen.

Fazit: Risikobereitschaft gefragt

Wer außerhalb der EU auf Shopping-Tour im Internet geht, kann sich eine Menge Geld sparen. Demgegenüber stehen finanzielle Risiken: Weil die geografische Entfernung zwischen Händler und Kunde mitunter sehr groß ist und je nach Land eine völlig andere Rechtslage gilt, die Kunden unter Umständen nicht so sehr schützt wie innerhalb der EU.

"Man muss beim Online-Einkauf in Fernost immer ein gewisses Risiko mit einkalkulieren - und dann entscheiden, ob man das im Zweifelsfall trägt."

Katharina Grasl, Juristin bei der der Verbraucherzentrale Bayern


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