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Koriander Warum für manche Menschen frischer Koriander wie Seife schmeckt

Koriander finden Sie furchtbar, weil er nach Seife schmeckt? Das hat nicht nur einen Grund. Warum Koriander-Hasser (fast) nichts dafür können.

Stand: 22.02.2021

Frau schneidet frischen Koriander auf einem Brett. | Bild: mauritius images

Man liebt ihn oder man hasst ihn - Koriander. Seine kleinen, grünen Blätter erinnern ein bisschen an glatte Petersilie, schmecken aber ganz anders.

Dass es so deutlich nur Koriander-Liebhaber und Korianderhasser hierzulande gibt, liegt an seinem Geschmack. Den empfinden manche Menschen als "seifig" oder er schmeckt für sie wie Spülmittel. Für andere schmeckt das Gewürz einfach wie ein pfeffrig-aromatisches Gewürz. Ohne den Seifengeschmack. Dass wir gerade Koriander unterschiedlich schmecken, könnte genetische, aber auch kulturelle Gründe haben.

Koriander-Hass: Die Genetik könnte eine Rolle spielen

Je gebräuchlicher Koriander in der eigenen Landesküche ist, desto geringer ist der Anteil der Koriander-Hasser in dem Land.

In den USA wurde Ende 2012 eine Studie von einem Forscherteam um Nicholas Eriksson veröffentlicht, der auf Daten zurückgreifen konnte von einer Firma, die sich auf private Genom-Analysen spezialisiert hat. Die Forscher haben Datenmaterial von fast 30.000 Amerikanern ausgewertet. Die Forscher entdeckten, dass eine der zwei genetischen Varianten für den Geruchsrezeptor mit Namen OR6A2 wohl darüber entscheidet, ob man Koriander als seifig empfindet oder nicht. Dieser Rezeptor spricht auf die speziellen Aldehyde des Korianders an. Das sind übrigens die gleichen Aldehyde, die auch in Seife vorkommen. Vielleicht gibt es deswegen auch die starke Reaktion: Unser Hirn denkt, wir äßen Seife und reagiert darauf mit starken Abwehrmechanismen, um uns zu schützen.

Auch an den Geschmack von Koriander kann man sich gewöhnen

Koriandersamen sind in Franken ein häufiges Brotgewürz.

Überzeugte Koriander-Hasser werden es kaum glauben - an den Geschmack der Korianderblättchen kann man sich tatsächlich gewöhnen. Weil Geschmack eben auch gelernt wird über das, was wir in der Familie oder unserem Kulturkreis essen, gibt es auch eine deutliche geographische Verteilung der Vorlieben: Je verbreiteter das Gewürz in der jeweiligen Landesküche ist, desto geringer ist der Anteil derjenigen mit Koriander-Ekel. Lilli Mauer und Ahmed El-Sohemy, Ernährungswissenschaftler an der Uni Toronto, hatten eine Gruppe von über 1.300 Kanadiern nach ihrer Einstellung zu Koriander und ihren ethnischen Wurzeln sortiert. Heraus kam, dass 17 Prozent der Menschen europäischer Abstammung, aber nur 4 Prozent der Kanadier hispanischer Herkunft und 3 Prozent der Menschen mit Wurzeln im Mittleren Osten Korianderhasser waren. Gerade in Lateinamerika und im Mittleren Osten ist Koriander ein gängiges Gewürz in den jeweiligen Landesküchen.