Bayern 1 - Experten-Tipps


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Spritverbrauch Automatik vs. Schaltgetriebe

Lange galt: Ein Automatikgetriebe bietet mehr Fahrkomfort, verbraucht jedoch mehr Sprit. Allerdings hat sich die Technik verbessert und deshalb will der Bayern 1-Umweltkommissar wissen, welches Getriebe spritsparender fährt.

Von: Alexander Dallmus

Stand: 23.10.2013

Illustration: Der Umweltkommissar lehnt an einer Tankstellen-Zapfsäule, im Vordergrund sind eine Automatik- und eine manuelle Gangschaltung zu sehen | Bild: BR/Susanne Baur

In den USA ging bereits Ende der1930er-Jahre das erste Automatikgetriebe in Serie. In Deutschland gab es erst Anfang der 1950er ein Automatikgetriebe mit Drei-Gang-Planetenradsatz. Der Vorteil für den schaltfaulen Fahrer stand dabei mehr im Vordergrund als die Effizienz beim Fahren. Dabei hat vor allem der klassische Wandler viel Energie geschluckt und damit für hohe Reibungsverluste gesorgt. In der weiteren Entwicklung war es dabei das Ziel, die Gänge geschmeidig ineinander laufen zu lassen. Das Getriebe sollte eine weitere Spreizung der Gänge erlauben, mit denen man der optimalen Drehzahl für Effizienz und Dynamik ein Stück näher kommt.

Automatik nur ab Mittelklasse

Diese Technik und der Fahrkomfort hatten und haben ihren Preis, so dass Automatikautos meist ab der gehobenen Mittelklasse zu finden waren. Es hing aber auch damit zusammen, dass diese Getriebe in der Kompaktklasse nicht einfach zu verbauen waren. Das hat sich mit der Einführung des Direktschaltgetriebes (DSG) vor mehr als zehn Jahren grundlegend geändert. Diese Doppelkupplungsgetriebe schalten zwar immer noch ein klein wenig ruppiger als eine moderne Stufenautomatik. Dafür lassen sie sich - wegen der kleineren Bauweise - einfacher in kompakte Autos montieren.  

Schaltgetriebe haben immer noch den besseren Wirkungsgrad, weil dabei weniger Teile bewegt werden müssen. Und sie verbrauchen weniger Energie. Karsten Graf vom ADAC-Technikzentrum Landsberg erläutert, dass Automatikgetriebe sich enorm weiter entwickelt haben.

"Was besser geworden ist bei automatischen Getrieben, sind die Steuerungen. Bei einem Schaltgetriebe bestimmt der Mensch, wie das Auto letztlich auf der Straße fährt. Bei einem guten automatischen Getriebe macht das ein Computer. Der kann das heutzutage besser als die meisten Autofahrer."

Karsten Graf, ADAC-Technikzentrum Landsberg

Neue Technik beim Automatikgetriebe

Wer auf ein Schaltgetriebe verzichten möchte, hat heutzutage mehrere Möglichkeiten umzusteigen. Neben der klassischen Wandlerautomatik gibt es mittlerweile, je nach Hersteller und Modell, sogenannte Doppelkupplungsgetriebe mit Automatik-Funktion, automatisierte Schaltgetriebe oder stufenlose CVT-Transmissionen im Angebot. Die Hersteller behaupten auch, dass einzelne Systeme mittlerweile technisch so weit sind, dass der EU-Normverbrauch nicht mehr höher liegt als bei der entsprechenden Handschalter-Version.

Mehr Mobilität

Illustration: Der Umweltkommissar steht zwischen einem Benzin- und einem Elektroauto und zuckt fragend die Achseln | Bild: BR/Susanne Baur zum Artikel Umweltbilanz Sind Elektroautos "umweltfreundlich"?

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Auf dem Papier ist der Verbrauch angeblich entweder gleich oder sogar darunter. Tests in verschiedenen Auto-Fachzeitschriften (Autozeitung 9/12; Auto, Motor & Sport 6/11) haben gezeigt, dass Automatikautos durchaus mithalten können und im Stadtverkehr sogar mitunter kein Unterschied mehr festgestellt werden konnte. Allerdings waren diese Ergebnisse im Bereich der Messtoleranz vom Hersteller und dem jeweiligen Modell abhängig.

Tatsächlich ist es in den letzten Jahren mit moderner Computer-Technologie immer besser gelungen, das Zusammenwirken der Getrieberadsätze konsequent besser zu simulieren. Mit dem Doppelkupplungsgetriebe (DSG) wird automatisch immer der optimale Drehzahlbereich gewählt, und zwar mit zwei Kupplungen. Vereinfacht gesagt wird in einem Gang gefahren und der nächste ist automatisch bereits eingelegt, aber noch nicht zugeschaltet. Erst wenn der optimale Schaltpunkt erreicht ist, öffnet sich die entsprechende Kupplung und der nächste Gang wird eingelegt. Der besondere Vorteil liegt darin, dass es praktisch keine Zugkraftunterbrechung gibt, weil der Gangwechsel im Millisekundenbereich liegt. Es gibt noch einen weiteren Vorteil für den Autofahrer: Der Aufpreis für ein Doppelkupplungsgetriebe ist vergleichsweise günstiger als für eine Stufenautomatik.

Die ZF Friedrichshafen AG präsentierte 2013 beispielsweise auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt das weltweit erste Neun-Gang-Automatikgetriebe. Gegenüber den heute üblichen Sechs-Gang-Schaltungen soll diese Innovation den Verbrauch um bis zu 16 Prozent drosseln. Stefan Sommer, Vorstandschef von ZF: "Wir ermöglichen durch die höhere Spreizung und Anzahl von Gangzahlen den Verbrennungsmotor auf seinem optimalen Punkt der Kennlinie zu betreiben und hierdurch  entsprechende Einsparziele zu erreichen. Der kompakte Aufbau, die Leistungsdichte kombiniert mit Leichtbau ist ein großer Vorteil in Richtung Effizienz und Energieverbrauch." Auch Karsten Graf vom ADAC-Technikzentrum gibt zu, dass es den perfekten Autofahrer bräuchte, um von Hand sparsamer zu schalten als mit einem ausgereiften Neun-Gang-Automatikgetriebe. Er räumt ein: "Es gibt ausgesprochene Spritsparkünstler, die das schaffen."

Doch nicht jeder ist im Motorsport zuhause und erwischt immer das richtige Drehmoment. Deshalb scheint es nur eine Frage der Zeit, bis moderne, serienmäßige Automatikgetriebe das Schaltgetriebe bezüglich des Verbrauchs mühelos schlagen können.

Der Gasfuß ist entscheidend

Auch im Automatikauto sitzt ein Mensch, und der ist auch hier maßgeblich dafür verantwortlich, wie viel Sprit sein Auto tatsächlich verbraucht.

  • Zum Beispiel ist es sinnvoll, den "Kick-down", bei dem das Gaspedal voll durchgedrückt und damit ein oder gleich mehrere Gänge zurückgeschaltet wird, nur beim Überholen zu nutzen. Ansonsten erhöht das den Verbrauch drastisch.
  • Auch wer mit Automatikgetriebe moderat Gas gibt, fährt wesentlich sparsamer, weil dann die Automatik früher hochschaltet und somit die Motordrehzahl und der Verbrauch gesenkt werden. Das gilt vor allem beim Anfahren und Beschleunigen.
  • Wer seine optimale Geschwindigkeit erreicht hat, sollte den Fuß kurz vom Gas nehmen, weil die Automatik in den höchstmöglichen Gang schaltet und die Drehzahl weiter abgesenkt wird.
  • Wenn ein Automatikgetriebe einen zuschaltbaren Economy-Modus hat, ist es sinnvoll, diesen auch zu verwenden. Manuelles Schalten dagegen - ob durch die Gasse oder durch die Wippen am Lenkrad - fühlt sich vielleicht sportlich an, führt aber auch zu einem höheren Verbrauch.


Und auch für das Schalten von Hand gilt immer:

  • Wer hohe Drehzahlen meidet, spart grundsätzlich Sprit.
  • Rechtzeitiges Schalten mit dem Schaltgetriebe von Hand ist dafür notwendig. Das lässt sich auch im Automatikgetriebe mit dem rechten Fuß ein wenig steuern.
  • Regelmäßig den Luftdruck kontrollieren; niedriger Luftdruck kostet ebenfalls Sprit.
  • Vorausschauend fahren, gerade im Stadtverkehr: Von Ampel zu Ampel sprinten, kostet enorm viel Kraftstoff. Wer vorausschauend fährt, hält Abstände ein und verschwendet darüber hinaus nicht die kostbare kinetische Energie, also die Bewegungsenergie des Fahrzeugs.   

Übrigens auch mit dem Tempomat können bequeme Autofahrer auf der halbwegs freien Autobahn Sprit sparen. Allerdings steigen die Fahrwiderstände im Quadrat zur Geschwindigkeit. Das bedeutet: Bei doppelter Geschwindigkeit wird vier Mal mehr Sprit verbraucht. Bei 120 Kilometern pro Stunde wäre also eine gleichmäßige Geschwindigkeit hilfreich, um den Kraftstoffverbrauch zu senken. Gute Autofahrer bekommen das aber mit dem Fuß am Gaspedal genauso hin.

Fazit

Wer sich den Aufpreis für ein modernes Automatikgetriebe leisten kann, muss sich von anderen Autofahrern heutzutage nicht mehr anhören, dass sein Auto mehr Sprit verbraucht. Die neueste Technik ist inzwischen sogar so weit ausgereift, dass ein Automatikgetriebe mit einer hohen Spreizung, also vielen möglichen Gängen, sogar in der Lage ist, ein Schaltgetriebe im Verbrauch zu schlagen.


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