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Wasserfilter Wie sinnvoll sind Wasserfilter?

Machen Wasserfilter unser Leitungswasser wirklich besser? Was Wasserfilter können - und was nicht. Und warum manche sogar gefährlich für Ihre Gesundheit werden können. Der BAYERN 1 Umweltkommissar hat nachgeforscht.

Von: Alexander Dallmus

Stand: 07.01.2020

Trinkwasser | Bild: mauritius-images

Das Trinkwasser in Deutschland hat eine hervorragende Qualität. Und auch die Deutschen bewerten Leitungswasser durchweg positiver als noch vor 25 Jahren. Mittlerweile würden über 90 Prozent die Qualität des deutschen Trinkwassers mit "sehr gut" oder "gut" beschreiben und laut einer repräsentativen Umfrage aus dem Jahr 2019 (prolytics im Auftrag des BDEW) trinken auch 86 Prozent der Deutschen regelmäßig Wasser aus dem Hahn.

Sollte man Wasser filtern?

Streng kontrolliert und sicher - Leitungswasser in Deutschland.

Trinkwasser ist nicht von ungefähr das am besten und strengsten kontrollierte Lebensmittel der Bundesrepublik. Die Gesundheitsämter haben die gesetzliche Pflicht, Wassergewinnungs- und Wasserversorgungsanlagen regelmäßig zu überwachen. Für die Trinkwasserqualität sind die Bundesländer und ihre Behörden verantwortlich. Das wird durch die Trinkwasserverordnung geregelt. Diese setzt wiederum die EU-Richtlinie zur Qualität von Wasser für den menschlichen Gebrauch (Richtlinie 98/83/EG) in nationales Recht um. Die deutsche Verordnung enthält zum Teil sogar strengere Vorgaben als das europäische Recht.

"Das Trinkwasser, das aus unseren Leitungen kommt, ist wirklich sehr gut kontrolliert und nicht mit Schadstoffen oder mit Medikamenten oder dergleichen belastet."

Daniela Krehl, Verbraucherzentrale Bayern

Trotzdem sind viele Verbraucher der Meinung, Wasser aus dem Hahn noch einmal filtern zu müssen. Wie die Verbraucherzentrale bereits vor Jahren bemängelt hat, suggerieren auch einige Hersteller von Wasserfiltern, dass Leitungswasser gewisse Risiken bezüglich Keimen und Schadstoffen berge. Braucht es diese Wasserfilter überhaupt und wenn ja: Wofür?

Sind Wasserfilter sinnvoll?

Nicht jede Wasserquelle bietet Trinkwasserqualität - aber bis zum Hausanschluss ist Leitungswasser in Deutschland in jedem Fall sicher.

Tatsache ist, dass die Behörden nur bis zum Anschluss im Haus über die Trinkwasserqualität wachen. Ab da ist es dann Aufgabe des Hauseigentümers, für sauberes, einwandfreies Trinkwasser zu sorgen. Natürlich gibt es hier und da Sorge, dass Kupfer oder Blei aus den Rohren ins Trinkwasser gelangen. Allerdings sind Bleirohre nur bis 1973 in Häusern verbaut worden und nicht in jedem Altbau sind wiederum Bleirohre zu finden. Wer trotzdem Zweifel hat, kann eine Wasseranalyse durchführen lassen, die beim zuständigen Wasserwerk oder auch bei einem unabhängigen Institut zwischen 20 und 50 Euro kostet. Der maximale Gehalt von Blei (0,01 mg) und Kupfer (2 mg) im Trinkwasser ist gesetzlich klar geregelt.

Auch Medikamentenrückstände oder Nitrate sind - zumindest bisher - gar nicht oder in nicht gesundheitsgefährdenden Konzentrationen nachweisbar. Die Legionellen-Bakterien treten zwar immer mal wieder auf, kommen aber nicht aus dem öffentlichen Wassernetz, sondern entstehen meist bei der Aufbereitung von Warmwasser. Filter helfen da auch nicht weiter. 

Wie funktionieren Wasserfilter?

Viele Tisch-Filter arbeiten auf Aktivkohle-Basis.

Das Geschäft mit Wasserfiltern boomt. Am bekanntesten und beliebtesten sind sicher die Aktivkohlefilter. Diese Filter können sicher viele Inhaltsstoffe aus dem Wasser filtern, wie chlorierte Kohlenwasserstoffe, Medikamentenrückstände oder auch Herbizide. Aber Blei, Nitrate und selbst Calcium und Magnesium (sorgen für die Kalkablagerungen) gehen auch durch diesen Filter. Außerdem sind Aktivkohlefilter besonders keimanfällig.  

Wesentlich effektiver, aber eben auch teurer, sind Membran-Filter oder das so genannte Umkehrosmose-Verfahren. Dabei wird Wasser mittels einer elektrischen Pumpe durch eine Membran gepresst. Tatsächlich können dadurch nicht nur Nitrate oder Phosphate, sondern auch Mineralstoffe herausgefiltert werden. Allerdings ist das Verfahren sehr aufwändig und dass für einen Liter gefiltertes Wasser fast die dreifache Menge aufgewendet werden muss, steht eigentlich in keinem Verhältnis. Zudem enthält dieses Wasser kaum noch Mineralien, die für uns lebensnotwendig sind, weil sie unser Körper nicht selbst produzieren kann.

Gut gegen Kalk sind insbesondere so genannte Ionenaustauscher.  Diese entziehen dem Wasser die polaren, anorganischen Teilchen (Ionen) und ersetzen zum Beispiel positiv geladene Magnesium-Ionen durch positiv geladene Natrium-Ionen. Ähnlich werden auch andere Ionen ausgetauscht. Ionenaustauscher sind entweder fest installiert und enthärten beispielsweise das Trinkwasser im ganzen Haus oder werden als Patronen in Tisch-Wasserfiltern eingesetzt. Wie auch bei den Aktivkohlefiltern drohen Ionenaustauscher rasch zu verkeimen, vor allem wenn sie länger nicht verwendet werden.

Wie gefährlich sind Wasserfilter?

Wer nicht häufig genug den Filter wechselt, riskiert, dass die Qualität des Wassers mit Filter schlechter wird als ohne. Das liegt auch daran, dass gerade Aktivkohlefilter die angelagerten Stoffe wieder konzentriert abgeben, wenn sich zu viele davon angesammelt haben. Auch Timer an den Filtern geben da nicht immer optimal Auskunft, bemängelt auch die Stiftung Warentest in einer Untersuchung von Wasserfiltern (05/2015):

"Viele Filter sind zwar mit einer Wechselanzeige ausgestattet, einige zählen aber lediglich, wie oft der Deckel geöffnet wird. Sie sollen vor allem verhindern, dass die Kartusche zu lange genutzt wird und verkeimt. Kaum eine informiert darüber, wann das Filtermaterial nicht mehr wirkt."

Stiftung Warentest (05/2015)

In den Aktivkohlefiltern ist zwar oft keimtötendes Silber enthalten, aber wenn das ausgewaschen ist, gelangen die Keime trotzdem ins gefilterte Wasser. Vor allem, wenn das Wasser länger steht. Daniela Krehl von der VZ Bayern rät deshalb:

"Es ist ganz dringend notwendig, dass man wirklich das Wasser kühl hält. Also die Filter am besten im Kühlschrank aufbewahren. Auch das Wasser im Anschluss möglichst nicht über 24 Stunden lagern, sondern dann wirklich auch relativ zügig verwenden."

Daniela Krehl, Verbraucherzentrale Bayern

Kann man Kalk aus Wasser filtern?

Kalk aus dem Wasser filtern - das klappt nur teilweise.

Viele Verbraucher erhoffen sich beim Einsatz von Wasserfiltern vor allem, dass das Wasser enthärtet wird und dadurch Wasserkocher, Bügeleisen oder Kaffeemaschinen nicht so schnell verkalken. Beim Versuch von Warentest, das Wasser mittels Filter zu enthärten, gelang es nur bis zu einem gewissen Grad, das Prüfwasser mit dem Härtegrad 17 (im unteren Bereich) auf optimale Teewasserhärte zu senken. Maximal bis zur Hälfte der versprochenen Kapazität senkten sie die Wasserhärte verlässlich unter 10 Grad. Insgesamt schafften lediglich zwei BRITA-Filter sowie ein Wasserfilter von Klin-Tec bei Warentest ein "befriedigend" als Qualitätsurteil.

"Also es ist tatsächlich so, dass hartes Wasser immer bedeutet, dass ich meine Geräte relativ häufig entkalken muss", sagt Daniela Krehl von der VZ Bayern, "allerdings muss ich auch sagen, dass der Kalk für den Körper sehr sinnvoll ist. Denn das Calcium und das Magnesium müssen wir ja über die Nahrung oder über das Trinkwasser aufnehmen. Und deswegen ist es ganz positiv zu bewerten. Um Kalkbildung vorzubeugen, gibt es tatsächlich nicht viel außer schrubben und putzen."

Sie kaufen Ihr Wasser lieber in der Flasche? Unser Umweltkommissar hat Plastik- und Glasflaschen genauer untersucht: Welche Flaschen sind umweltfreundlicher?

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