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80 bei Nässe Wann ist eine Straße "nass"?

Tempo 80 steht auf dem Verkehrsschild, darunter "bei Nässe". Wenn es dazu aus allen Kübeln gießt, weiß jeder, dass man sich an das Tempolimit halten muss. Aber was, wenn gerade mal ein paar Pfützen auf der Straße stehen? Ab wann eine Straße als "nass" gilt...

Stand: 26.04.2019

Autos auf nasser Straße | Bild: BR

Der Regenschauer hat nur kurz gedauert, hier und da glitzert noch etwas Wasser auf der Straße. Und dann taucht am Straßenrand die Geschwindigkeitsbeschränkung auf 80 Stundenkilometer auf - darunter das Zusatzschild "bei Nässe". Würden Sie jetzt auf Tempo 80 runterbremsen? Oder einfach in Ihrem Tempo weiterfahren?

Was bedeutet 80 km/h bei Nässe?

Die Straßenverkehrsordnung schweigt sich in der Frage, wann genau eine Straße als "nass" gilt, aus. Der Bundesgerichtshof hat daher vor Jahren eine juristische Definition geliefert, an der sich die Rechtsprechung seitdem orientiert: Die Fahrbahn muss komplett mit einem Wasserfilm überzogen sein (Az. 4 StR 560/77), Pfützen reichen nicht aus, wie ADAC-Sprecher Johannes Boos betont:

"Eine Fahrbahn ist demnach nass, wenn sich auf ihr ein Wasserfilm gebildet hat - und sei er noch so dünn. Das erkennen Sie in der Regel daran, dass das Fahrzeug vor Ihnen eine Sprühfahne bildet. Wegen ein paar einzelner Pfützen und Wasserlachen oder bei leichtem Regen gilt eine Straße also noch nicht als nass."

ADAC-Sprecher Johannes Boos

Ist die Fahrbahn in diesem Sinne also nur feucht, muss man sich nicht an die Geschwindigkeitsbeschränkung halten. Das "Aber": Solche Schilderkombinationen werden nicht ohne Grund aufgestellt, sondern stehen da, wo durch Bauart oder Verlauf der Straße eine erhöhte Rutsch- oder Aquaplaning-Gefahr besteht. Im Zweifelsfall also lieber einmal mehr für die eigene Sicherheit den Fuß vom Gas nehmen.

Faustregel: Wenn andere Fahrzeuge Wasser aufwirbeln, Fuß vom Gas.

Was Sie tun können, wenn Sie auf nasser Fahrbahn ins Rutschen kommen: Sicher Autofahren bei Regengüssen

80 bei Nässe - Radarkontrolle

Ist die Straße "nass" und nicht nur "feucht" kann eine Radarkontrolle für Autofahrer teuer werden.

Wenn Sie auf regennasser Straße ein entsprechendes Tempolimit "bei Nässe" ignorieren und in eine Radarkontrolle geraten, wird's unter Umständen teuer: 120 km/h statt angesagter 80 km/h etwa können - je nach Umständen - 120 Euro Bußgeld und einen Punkt in Flensburg bedeuten. Sind Sie mehr als 40 km/h zu schnell unterwegs, droht Ihnen sogar vorübergehender Führerscheinentzug.

Ob sich ein Einspruch gegen einen Bußgeldbescheid lohnt - etwa weil Ihrer Ansicht nach die Straße nicht "nass" war - sollten Sie sich genau überlegen: In der Regel müssen Sie einen Anwalt beauftragen, dessen Kosten Sie aber nachträglich nur dann erstattet bekommen, wenn Ihr Einspruch erfolgreich war.

Tempolimit "bei Nässe": Versicherungsschutz

Zu schnell unterwegs auf nasser Straße? Das kann bei einem Unfall teuer werden.

Teurer Ärger steht dem bevor, der auf nasser Straße ein Tempolimit ignoriert und in einen Unfall verwickelt wird. Weist ein Gutachten nach, dass die überhöhte Geschwindigkeit am Unfall schuld war, droht dem Fahrer nicht nur ein Bußgeld, sondern auch Schwierigkeiten mit den Versicherungen, wie etwa der Kaskoversicherung: "Dann überlegt der Versicherer, ob es zu einer Leistungskürzung kommen kann", erklärt Kathrin Jarosch vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GdV). Obendrein kann in diesem Fall die Haftpflichtversicherung gegenüber dem Unfallverursacher Regressansprüche stellen, wie Stefan Eichhorn von der HUK Coburg betont.


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