Bayern 1

Grippeimpfung Warum eine Grippeschutzimpfung jetzt wichtig ist

Für Senioren und chronisch Kranke wird die jährliche Grippeschutzimpfung immer dringend empfohlen. Besonders wichtig ist das diesen Winter, da Grippe- und Coronawelle ungünstig zusammentreffen könnten.

Stand: 04.10.2022

Ärztin klebt Pflaster auf den Arm eines Patienten nach einer Impfung | Bild: mauritius images

Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek rechnet damit, dass im kommenden Winter die Grippewelle und die Covidwelle zusammentreffen könnten. Deswegen rät er zur Grippeschutzimpfung und zur Auffrischungsimpfung gegen das Corona-Virus.

Grippeimpfung - für wen wird sie empfohlen

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt auch dieses Jahr die Impfung gegen die Grippe grundsätzlich allen Personen, die älter als 60 Jahre alt sind. Außerdem Schwangeren und zwar ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel (Trimenon).

Gegen die Influenza sollten sich auch impfen lassen: Personen, die eine Grunderkrankung haben wie zum Beispiel chronische Lungenerkrankungen, Multiple Sklerose oder Diabetes, und auch Bewohner von Alten- und Pflegeheimen. Eine Grippeschutzimpfung ist auch für alle sinnvoll, die mit jemandem zusammenleben, der krank ist. Alle Menschen, die durch ihren Beruf Gefahr laufen, sich mit der Grippe anzustecken, wie medizinisches oder pflegerisches Personal oder Menschen mit vielen Kontakten - sollten sich ebenfalls impfen lassen, so die STIKO.

Arbeitsmediziner Dr. Tobias Benthaus hält eine Impfung in fast allen Fällen für sinnvoll, auch wenn man selbst nicht zu den Risikogruppen zählt: "Selbst, wenn Sie nur schwache Symptome haben, stecken Sie andere an - und bei denen kommt es dann unter Umständen zu Komplikationen." Außerdem können nicht nur ältere Menschen schwer an der Influenza erkranken:

"Es gibt in jeder Altersgruppe tödliche Verläufe."

Dr. Tobias Benthaus, Arzt am Institut für Arbeitsmedizin der Universität München

Neu: Besondere Grippeimpfung für bestimmte Patienten

Für ältere Menschen wurde bei der Grippeimpfung in der Grippesaison 2021/22 ein neuer Impfstoff eingesetzt. Grund: Dieser Impfstoff ist nachgewiesenermaßen etwas effektiver. Es ist ein hochdosierter Vierfachimpfstoff, der gegen vier Virustypen wirkt. Die neue STIKO-Empfehlung fußt darauf, dass ältere Menschen meist eine schwächere Immunantwort auf Impfungen zeigen. Die normale Impfung gegen Influenza kann daher bei ihnen weniger wirksam sein als bei jüngeren Erwachsenen.

Efluelda von Sanofi Pasteur

"Neu ist, dass die STIKO für Personen ab 60 Jahren die jährliche Influenza-Impfung im Herbst mit einem inaktivierten quadrivalenten Hochdosis-Impfstoff (mit jeweils aktueller von der WHO empfohlener Antigenkombination) empfiehlt."

Robert Koch-Institut (RKI) 2021

Mit dieser Impfempfehlung der STIKO haben alle über 60-Jährigen in Deutschland einen Anspruch auf diesen Impfstoff. Es handelt sich um den Impfstoff "Efluelda" der Firma Sanofi Pasteur. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für diesen Impfstoff, so das RKI.

Grippeimpfung per Nasenspray für Kinder - in Einzelfällen

Auch für Kinder gibt es einen speziellen Impfstoff auf dem Markt - der gleichwertig ist zu den Totimpfstoffen aus der Spritze. "Für Kinder im Alter von 2 bis einschließlich 17 Jahren steht neben den Totimpfstoffen ein quadrivalenter Lebendimpfstoff (Fluenz®) zur Verfügung, der als Nasenspray verabreicht wird", so das RKI. Angewendet werden kann dieser im "medizinisch begründeten Einzelfall", etwa bei einer Spritzenphobie oder einer Gerinnungsstörung.

Corona-Impfung - Grippeimpfung - welcher Abstand

Eine Impfung gegen das Corona-Virus kann zeitgleich mit einer Grippeschutzimpfung gegeben werden, das gilt auch für eine dritte Impfung und es gilt auch bei einer vierten Impfung mit den neuen Impfstoffen für den Herbst 2022 - so Immunologe Professor Carsten Watzl im Interview mit BAYERN 1 Moderator Marcus Fahn. Das gesamte Interview hier zum Nachhören.

Für wen ist die Grippe-Impfung besonders sinnvoll?

Außerdem sollten sich laut RKI Menschen impfen lassen, die Kontakt zu Geflügel oder Wildvögeln haben. Grund: Die Grippeschutzimpfung schützt zwar nicht vor der Vogelgrippe, verhindert aber "problematische Doppelinfektionen".

Wann soll man zur Grippeimpfung gehen?

Der Impfstoff wird jedes Jahr neu zusammengestellt. Es wird empfohlen, sich im Zeitraum Oktober bis Mitte Dezember impfen zu lassen, denn nach der Impfung dauert es etwa zehn bis 14 Tage, bis sich der Schutz aufbaut. Laut RKI begannen die Grippewellen in den Jahren vor der Corona-Pandemie nach der Jahreswende.

Das sind Grippe-Symptome

Die Grippe oder Influenza ist eine Viruserkrankung, die über Tröpfcheninfektion übertragen wird - zum Beispiel bei einem Handschlag, aber auch durch Kontaktinfektion über Gegenstände. Zwar wird der Begriff "Grippe" häufig auch für Erkältungen, also grippale Infekte, verwendet. Eine "echte" Influenza hat aber häufig einen deutlich schwereren Verlauf: Typisch sind plötzlich auftretendes hohes Fieber und starke Hals-, Kopf- und Gliederschmerzen.

Grippe oder Erkältung - wie kann man beide Erkrankungen unterscheiden

Wie gesagt: Die Symptome der Grippe treten plötzlich und mit voller Wucht auf - eine Erkältung macht sich schon ein paar Tage vorher bemerkbar. Außerdem ist hohes Fieber ein Merkmal der Grippe ebenso wie die Dauer: Eine normale Erkältung ist nach etwa einer Woche vorbei, eine Grippe ist langwieriger.

Wer sollte sich nicht gegen Grippe impfen lassen?

Bei akuten fieberhaften Infekten sollte mit der Impfung gewartet werden, bis die Erkrankung überstanden ist. In jedem Fall sollte in einem Gespräch mit dem Arzt geklärt werden, ob möglicherweise Allergien bestehen.

Da in Grippe-Impfstoffen generell Spuren von Hühnerei und Spuren von Antibiotika enthalten sein können, sollten Menschen, die darauf allergisch reagieren, unbedingt vorher mit dem Arzt klären, ob die Impfung für sie sinnvoll ist. Wer gegen folgende Stoffe allergisch reagiert, darf nicht geimpft werden - Ovalbumin, Hühnerproteine, Neomycin, Formaldehyd, Octoxinol 9, Dinatriumhydrogenphosphat-Dihydrat, Kaliumhydrogenphosphat.

Grippeimpfung Nebenwirkungen

"Ich habe in einem Jahr 1.600 Menschen geimpft und es gab keine Komplikationen", sagt Arbeitsmediziner Dr. Tobias Benthaus. Dass Nebenwirkungen auftreten, ist nicht ungewöhnlich, allerdings sind sie in den meisten Fällen nicht sehr stark, sagt Benthaus. Typisch sind Kopfschmerzen und leichte Symptome wie bei einem grippalen Infekt. "Nach ein paar Stunden ist das aber meistens wieder vorbei", sagt Benthaus.

Die Impfstelle kann innerhalb von ein bis drei Tagen leicht anschwellen und schmerzen, der geimpfte Arm kann sich anfühlen, als hätte man Muskelkater.

Leichter Sport nach Grippeimpfung erlaubt

Gegen leichte körperliche Belastung wie leichtes Joggen spricht nichts, aber übertreiben sollten Sie nicht. Also keine extremen Ausdauersportarten oder Trainings mit hoher Gewichtsbelastung wie Klettern. Beides könnte die Impfreaktion deutlich verstärken.

Schützt der Grippe-Impfstoff immer?

Nicht immer passt der Impfstoff genau auf die aktuellen Grippeerreger. Die Wahrscheinlichkeit einer Infektion ist aber dennoch niedriger als ohne Impfung. "Auch, wenn der Impfstoff nicht optimal zusammengesetzt ist, wirkt er trotzdem", sagt Dr. Benthaus. Denn auch bei einer Infektion ist das Risiko eines schweren Verlaufs deutlich geringer.

Grippeschutzimpfung - wer die Kosten zahlt

Für alle Patienten, für die die Impfung empfohlen wird, übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen laut BZgA die Kosten. Bei privaten Versicherungen sind die Regelungen ähnlich. Viele Krankenkassen übernehmen mittlerweile die Kosten der Impfung für alle Versicherten. Unter Umständen zahlen auch Arbeitgeber die Grippeimpfung ihrer Arbeitnehmer.

Man kann sich telefonisch krankschreiben lassen bei Atemwegsinfekten: Alle Infos dazu, wie die Krankmeldung telefonisch funktioniert.