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Gelüste Was steckt hinter dem Heißhunger auf Schokolade oder Chips?

Heißhunger auf Schokolade, Gummibärchen oder Chips? Das könnte hinter den Gelüsten stecken. Plus: Einige gesunde Alternativen, die man stattdessen vernaschen könnte - oder auch nicht...

Stand: 12.04.2021

Junge Frau isst vor dem TV Süßigkeiten | Bild: mauritius-images

Woher unsere Lust auf Süßigkeiten kommt, dass lässt sich wissenschaftlich nicht genau nachweisen, erklärt Daniela Krehl von der Verbraucherzentrale Bayern. Das liegt vor allem daran, dass unsere Ernährung durch die Fülle der Angebote, die große Menge an Nahrungsmittel, die wir jeden Tag zu uns nehmen und den vielen Geschmacksverstärkern so verfremdet ist, dass es nahezu unmöglich ist für eine wissenschaftliche Studie eine repräsentative Vergleichsgruppe finden, die sich "normal" ernährt und auch "normal" schmeckt. Deshalb kann man nur Theorien darüber aufstellen, woher die Lust auf Süßigkeiten kommt. 

Immer wieder kann man davon lesen, dass ein Mangel von Magnesium und Zink der Grund für die Lust auf Schokolade oder Natriummangel der Grund für die Lust auf Chips ist. Daniela Krehl ist aber skeptisch, dass ein Mangel die Erklärung für das Verlangen nach Süßigkeiten ist, denn dieser Mangel ließe sich ja auch mit anderen Lebensmitteln ausgleichen. Die Lust auf das "ungesunde Zeug" bleibt trotzdem.

Ist ein Hormon Schuld an unseren Gelüsten?

Manche Wissenschaftler geben dem Hormon FGF21 (Fibroblasten-Wachstumsfaktor 21) die Schuld für ungezügelten Appetit auf Süßigkeiten. Forscher der Universität Kopenhagen haben herausgefunden, dass bei Liebhabern von Süßigkeiten das Hormon produziert wird, bei anderen Menschen nicht. Forscher Matthew Gillum und Niels Grarup glichen die genetische Ausstattung der 6.500 Teilnehmer mit ihren Essensvorlieben ab. Dabei fanden Sie heraus, dass bei Personen, mit einer genetischen Veranlagung für die Produktion von FGF21, die Wahrscheinlichkeit, dass sie Naschkatzen sind, um etwa 20 Prozent höher liegt als bei den anderen Teilnehmern. Den Forschern zufolge kann man die Lust auf Süßigkeiten trotzdem nicht nur auf das Hormon FGF21 schieben. 

Laut Daniela Krehl von der Verbraucherzentrale Bayern ist unser Verhältnis zu Süßigkeiten vor allem erlernt. Wir essen Süßes, wenn wir gestresst sind, wenn wir uns belohnen wollen oder manchmal auch aus Langeweile. Damit haben Süßigkeiten weniger einen tatsächlichen medizinischen Nutzen. Ihr Genuss ist einfach nur erlerntes Verhalten, das wir uns, laut Krehl, auch abtrainieren können.

Wer im Kindesalter häufig sehr süße Dinge gegessen hat, der wird immer wieder nach noch süßeren Geschmäckern suchen. Je nachdem wie viel und was wir essen, so ist auch unser Süßempfinden ganz unterschiedlich. Doch auch das kann geschult werden, erklärt Krehl.

Trockenobst statt Gummibären

In Gummibärchen stecken ausschließlich sogenannte leere Kalorien, denn Gummibären bestehen quasi nur aus Zucker. Damit liefern Sie unserem Körper zwar sehr schnell sehr viel Energie, allerdings ist diese nur kurzfristig nutzbar. Der Grund: Gummibärchen enthalten keine Vitalstoffe, also keine Vitamine, keine Mineralstoffe und keine sekundären Pflanzenstoffe, erklärt Daniela Krehl von der Verbraucherzentrale Bayern.

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Eine deutliche bessere Alternative zu Gummibärchen ist Trockenobst. Bei der industriellen Trocknung der Früchte wird dem Obst das enthaltene Wasser entzogen, wertvolle Inhaltsstoffe, wie Mineralstoffe, sekundäre Pflanzenstoffe und Ballaststoffe bleiben aber erhalten. Die Mineralien und Vitamine werden durch das Trocknen sogar konzentriert und steigen im Vergleich zum frischen Obst deutlich an. Bevor Sie also in die Gummibärchentüte greifen, probieren Sie es doch mit dem gesünderen Trockenobst.

Allerdings sollten Sie auch Trockenfrüchte nur in kleinen Mengen verzehren, denn auch sie enthalten sehr viel Zucker. Beim Trocknen wird nämlich auch der fruchteigene Zucker konzentriert. Eine Portion (1 Hand voll) getrocknete Aprikosen liefert beispielsweise 3-mal so viel Zucker wie 1 Portion (1 Hand voll) frischer Aprikosen. So kann aus einer vermeintlich gesunden Alternative schnell eine Zuckerbombe werden.

Nüsse statt Schokolade

Mit gut 500 Kilokalorien und 50 Prozent Fett pro 100 Gramm haben Nüsse – egal welcher Sorte – die gleiche Energiemenge wie Schokolade. Allerdings sind die Fette in Nüssen viel hochwertiger als die Fette in Schokolade. Nüsse enthalten sehr viele ungesäuerte Fettsäuren, die sich positiv auf das Herz-Kreislaufsystem auswirken. So sind Nüsse ein guter Schokoladenersatz.

Und das Beste daran ist: Wer täglich eine Handvoll Nüsse isst, der senkt auch sein Risiko für Übergewicht. Das ist das Ergebnis einer Langzeitstudie. Dabei analysierten Forscher die Gesundheitsdaten und Ernährungsgewohnheiten von mehr als 300.000 Europäern über 5 Jahre lang. Sie fanden heraus, dass Nussesser ihr Risiko für Übergewicht deutlich reduzieren - im Vergleich zu Menschen, die keine Nüsse essen. Eine Erklärung dafür könnte sein, dass unser Körper nur zwei Drittel der Kalorien aus Nüssen nutzen kann. Werden Nüsse beim Kauen nicht vollständig zermahlen, sondern gelangen in kleinen Stückchen in die Verdauung, dann verlassen sie den Körper auch teilweise wieder so. Das Fett aus den Nüssen wird also nicht vollständig resorbiert und schlägt damit nicht auf das Kalorienkonto.

Tagesration

Laut Daniela Krehl von der Verbraucherzentrale Bayern ist es vollkommen in Ordnung, hin und wieder ein bisschen Schokolade und Gummibärchen zu naschen. Sie empfiehlt, sich seine Tagesration an Süßigkeiten zur Seite zu legen, um genau zu wissen, wie viel man davon isst und um den Überblick nicht zu verlieren. 

Was ist eine geeignete Tagesration Süßigkeiten? Krehl empfiehlt so viel Süßigkeiten, wie in zwei Hände passen. Damit haben Kinder mit kleineren Händen etwas weniger und Erwachsene etwas mehr. In Zahlen ausgedrückt sind das nicht mehr als 10% des täglichen Energiebedarfs. Bei einer erwachsenen Frau also ca. 200 Kalorien, bei Männern etwas mehr.  

Teilen Sie sich Ihre Tagesration so ein, dass immer noch etwas davon übrig ist, wenn Sie große Lust auf Süßigkeiten verspüren. Und dann nehmen Sie sich Zeit, die Süßigkeiten bewusst zu genießen – nicht nebenbei vor dem Rechner oder vor dem Fernseher. 

Je öfter Sie Gummibärchen kauen oder je länger Sie die Schokolade auf der Zunge zergehen lassen, umso schneller haben Sie auch keine Lust mehr darauf, weil ein Sättigungsgefühl eintritt. Wenn Sie sich also etwas Süßes gönnen, dann genießen Sie es ganz bewusst. 


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