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Wunderarznei oder Placebo? Das Cannabis-Mittel CBD | BR24

© Bayerischer Rundfunk

In Hanf stecken neben dem Rauschmittel THC noch zahlreiche andere Stoffe. Einer davon ist Cannabidiol, auch CBD genannt. CBD hat keine berauschende Wirkung, soll aber bei verschiedenen Krankheiten helfen.

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Wunderarznei oder Placebo? Das Cannabis-Mittel CBD

Der Wirkstoff Cannabidiol (CBD) soll beruhigen und bei einigen gesundheitlichen Beschwerden helfen - ohne Rausch und ohne Rezept vom Arzt. Doch Experten äußern Bedenken.

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In manchen Cafés ist es mittlerweile möglich, sich seinen Kaffee mit dem umstrittenen Wirkstoff Cannabidiol, kurz CBD, aus der europäischen Hanfpflanze versetzen lassen. Ausgleichend und beruhigend soll der Kaffee-Zusatz in Ölform wirken, high wird man davon nicht.

CBD, THC – wie wirken die Substanzen?

Bekannter dürfte aber eine andere Wirksubstanz von Cannabis sein: Tetrahydrocannabinol (THC), die für den Rauscheffekt der Droge verantwortlich ist. CBD hat anders als THC keine berauschende Wirkung, kein Suchtpotenzial und beeinträchtigt das Fahrvermögen nicht. Gewonnen wird CBD in Europa aus Hanfsorten, die maximal 0,2 Prozent THC enthalten dürfen. Aber egal, ob als Bestandteil von Öl, Bier oder Schokolade: Man sollte sich eines Risikos bewusst sein: Selbst die legal enthaltenen THC-Mengen können einen Drogentest (Urintest) positiv ausfallen lassen.

Boomender Geschäftszweig mit Heilversprechen

CBD ist deshalb gefragt, weil es gegen Kopfschmerzen, Ängste, Entzündungen oder beim Einschlafen helfen soll. Schon zwei bis drei Tropfen Öl unter die Zunge geträufelt sollen wahre Wunder bewirken. Solche Werbeaussagen für Nahrungsergänzungsmittel sind verboten. Doch das Geschäft mit den Hanfprodukten ist lukrativ: Zehn Milliliter des Öls können rund 80 Euro kosten.

Schon seit einer Weile verzeichnen Experten einen Boom in Deutschland mit CBD-Produkten: Öle, Kapseln, Gummibärchen, Kaugummi oder Kosmetik - alle möglichen Waren werden mit dem Hanf-Zusatz beworben. Nach Beobachtung der Verbraucherzentralen ist das Internet der Hauptumschlagplatz, aber auch immer mehr Hanf-Läden schießen aus dem Boden, sagt Wiebke Franz von der Verbraucherzentrale Hessen.

CBD als Nahrungsergänzung nicht zugelassen

Eine rechtliche Frage ist, ob CBD-Produkte ohne Zulassung der Europäischen Kommission als neuartiges Lebensmittel in den Handel gelangen dürfen. Bisher wurden zu CBD erst zwei solche Anträge gestellt. Behörden und auch Verbraucherzentralen meinen: Ungeprüft dürfe es keinen Verkauf geben. Hersteller berufen sich dagegen auf die lange Tradition der Hanfnutzung. Die unterschiedlichen Rechtsauffassungen beschäftigen Gerichte.

Richtwerte von Cannabidiol werden nicht eingehalten

Untersuchungen haben gezeigt, dass die angegebene CBD-Dosierung nicht immer den Tatsachen entspricht – bei Stichproben war mal mehr, mal weniger drin. Auch zu hohe THC-Gehalte wurden laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) schon gefunden. Einen europaweit einheitlichen Grenzwert für THC in Lebensmitteln gibt es nicht, lediglich Richtwerte, die für die Hersteller und die Lebensmittelüberwachung als Orientierung gedacht sind. Bei Nahrungsergänzungsmitteln liegt der Richtwert bei 150 µg/kg. Tatsächlich werden diese Richtwerte laut BfR sehr häufig überschritten.

Cannabidiol – klinische Wirkung nicht bewiesen

Ob CBD gut für die Gesundheit ist, wie es die Werbung gerne verspricht, ist noch unklar. Die Forschung steht erst am Anfang. Es gebe zwar Hinweise auf eine entzündungshemmende und schmerzlindernde Wirkung, so Verbraucherzentralen-Expertin Franz. Diese seien aber noch nicht ausreichend durch klinische Studien gesichert. Auch Fragen zu Dosierung, Sicherheit, Neben- und Wechselwirkungen seien noch nicht geklärt.

Die in Hanfshops erhältlichen CBD-Produkte seien fast immer so niedrig dosiert, dass sie keine Wirkung hätten, meint dagegen Psychiater Kurosch Yazdi, Leiter der Suchtabteilung am Johannes Kepler Uni-Klinikum im österreichischen Linz. Die "angedichteten Wirkungen" seien "reine Geschäftemacherei". Um höhere und damit wirksame Dosierungen zu erreichen, müsse man sehr große Mengen zu sich nehmen. "Bei den hohen Dosierungen, die für positive Wirkungen notwendig wären, sind aber potenziell Nebenwirkungen zu erwarten", so Yazdi. Solche höher dosierten CBD-Produkte wären deshalb ein Fall für die Apotheken.

"Dass CBD-Konsumenten von Schmerzlinderung berichten, ist ziemlich sicher mit dem Placebo-Effekt zu erklären. Die Menschen sehnen sich eben nach einem Wundermittel, das keine Nebenwirkungen hat." Kurosch Yazdi, Leiter der Suchtabteilung am Johannes Kepler Uni-Klinikum in Linz